Erneut mehr als 100 Tote bei Gewalt in Syrien

In Syrien nimmt die Gewalt kein Ende. Nach dem Massaker in Tremseh mit mindestens 150 Toten sind gestern offenbar erneut mehr als 100 Menschen bei Gefechten im ganzen Land getötet worden. Dazu zählen auch 49 Zivilisten, berichtete die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London. Mindestens 18 Rebellen sollen bei der Erstürmung mehrerer Ortschaften in der Provinz Idlib ums Leben gekommen sein.

Die Gewalt hielt auch heute weiter an. Der Organisation zufolge wurden fünf Menschen beim Beschuss mehrerer Stadtviertel der Rebellenhochburg Homs getötet, darunter eine schwangere Frau. Gefechte wurden auch aus der Ortschaft Cherbet Ghasale in der südlichen Provinz Deraa gemeldet.

Ban fordert UNO zum Handeln auf

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon hat in der Nacht den Sicherheitsrat nachdrücklich zum Handeln aufgefordert. Sollte das wichtigste UNO-Gremium den Druck auf Syriens Staatschef Baschar al-Assad nicht erhöhen, komme das einer „Lizenz für weitere Massaker“ gleich, sagte Ban gestern.

Der UNO-Sicherheitsrat müsse eine „starke Botschaft“ aussenden, dass der Friedensplan des internationalen Syrien-Sondergesandten, Kofi Annan, umgesetzt werden müsse und dass Verstöße gegen den Plan „ernsthafte Konsequenzen“ hätten.

Nach unterschiedlichen Angaben wurden am Donnerstag in Tremseh in der Provinz Hama mindestens 150, möglicherweise sogar mehr als 200 Menschen getötet, darunter offenbar viele Aufständische. Das Massaker löste weltweit Entsetzen aus, Ban sprach von „entsetzlichen Massentötungen“.

Furcht vor Chemiewaffen

Laut dem „Wall Street Journal“ hat Präsident Assad seine Chemiewaffenvorräte aus den Lagern holen lassen. Ob das lediglich ein Schritt zur Abschreckung ist, ist völlig unklar. Möglich wäre auch, dass die gefährlichen Waffen vor der Opposition in Sicherheit gebracht werden sollen oder aber tatsächlich für einen Einsatz vorbereitet werden.

Bestätigung von offizieller Seite gibt es aus den USA bisher nicht - die besorgten Worte von Diplomaten wecken jedoch Erinnerungen an die folgenschwere US-Rhetorik zum Irak unter Saddam Hussein.

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Publiziert am 14.07.2012