Neuer Armeechef in Nordkorea ernannt

Nach der überraschenden Entmachtung von Nordkoreas Armeechef Ri Yong Ho ist General Hyon Yong Chol zum neuen Vizemarschall ernannt worden. Die nationale Verteidigungskommission des Landes und die zentrale Militärkommission der regierenden Arbeiterpartei habe Hyon Yong Chol den Titel eines Vizemarschalls verliehen, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur KCNA heute in einer knappen Meldung.

Offiziell wegen Krankheit entlassen

Staatsmedien hatten gestern berichtet, Ri, der ebenfalls den Rang eines Vizemarschalls hatte, sei wegen Krankheit aus allen seinen Ämtern entlassen worden. Ri war seit 2009 Generalstabschef sowie Vizechef der einflussreichen Militärkommission der Arbeiterpartei und Mitglied des Präsidiums des Politbüros. Von Hyon ist nur wenig bekannt. Er gehört dem Zentralkomitee der Arbeiterpartei an, nicht aber der Militärkommission.

Ri galt als Vertrauter des im Dezember gestorbenen Machthabers Kim Jong Il, aber auch von dessen Sohn und Nachfolger Kim Jong Un. Ri war einer von sieben ranghohen Vertretern aus Partei und Militär, die bei dem Trauerzug für Kim Jong Il mit dem neuen Machthaber direkt neben dem Wagen mit dem Sarg liefen.

Machtkampf in den Kadern?

Er galt deshalb als eines der Mitglieder des engsten Führungszirkels in Pjöngjang, die Kim Jong Un bei der Übernahme der Macht unterstützten. Beobachter vermuten, dass der nordkoreanische Staatschef nach dem Tod seines Vaters Altkader durch neue Funktionäre ersetzt, um seine Machtbasis zu stärken.

Ri wurde in den vergangenen Monaten regelmäßig an der Seite von Kim Jong Un gesehen. Ihr Verhältnis zueinander wurde angesichts zahlreicher gemeinsamer Besuche bei den Streitkräften als vertrauensvoll interpretiert. Ris plötzliche Entlassung wurde in Südkorea mit Überraschung aufgenommen.

Sie könne bedeuten, dass er einen Machtkampf mit dem in der nordkoreanischen Hierarchie rasch aufgestiegenen und im April zum Vizemarschall ernannten Choe Ryong Hae verloren habe, sagte Koh Yu Hwan, Professor an der Dongguk-Universität im südkoreanischen Seoul.

Publiziert am 17.07.2012