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Eine Million Flüchtlinge im eigenen Land

Die Lage in Syrien spitzt sich immer mehr zu. Nachdem die Kämpfe auch die Hauptstadt Damaskus erreicht haben, hat ein Flüchtlingsstrom in Richtung Libanon und andere Nachbarländer eingesetzt. Einige Länder bereiten bereits die Evakuierung ihrer Staatsangehörigen vor.

Bis zu 30.000 Syrer flüchteten alleine in den vergangenen 48 Stunden über die Grenze in den Libanon, schätzte das UNO-Flüchtlingswerk (UNHCR) nach Angaben einer Sprecherin am Freitag. Die Anzahl entspricht damit dem gesamten Flüchtlingsaufkommen der 16 Monate davor. Die Zahl der Syrer, die täglich den Grenzübergang bei Masnaa überqueren, liegt demnach bei etwa 5.000.

Der zuständige libanesische Minister Wael Abu Faour wollte die genauen Zahlen nicht kommentieren, erklärte aber, dass rund 8.500 Flüchtlinge von Damaskus in das kleine Land am Mittelmeer kamen. Insgesamt könnten mehr als eine Million Syrer innerhalb ihres eigenen Landes vertrieben worden sein und nun als Binnenflüchtlinge in Lagern und bei Verwandten und Freunden leben, schätzt man beim UNHCR.

Israel will Flüchtlingswelle stoppen

Auch in Israel rüstet man sich gegen eine Flüchtlingswelle. Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak betonte am Donnerstag, dass Israel syrische Flüchtlinge aufhalten werde, die versuchen würden, über die Golanhöhen die Grenze nach Israel zu überqueren. „Wenn wir eine Flüchtlingswelle stoppen müssen, werden wir sie stoppen“, so Barak bei einem Besuch der von Israel kontrollierten Golanhöhen laut „Washington Post“ (Onlineausgabe).

Irak schickt Truppen an Grenzübergang

Die Regierung des Nachbarlandes Irak schickte derweil Truppen an den von Rebellen besetzten Grenzübergang bei al-Bukamal. Das meldete die Nachrichtenagentur Sumeria News. Die irakische Regierung plant nach Angaben eines Sprechers die Evakuierung ausreisewilliger Iraker aus Syrien. Hunderttausende von Irakern waren in den vergangenen Jahren vor dem Terror in ihrer Heimat in das Nachbarland geflüchtet. Auch Ägypten hat seinen Bürgern inzwischen Hilfe beim Verlassen von Syrien angeboten.

Serbien will Bürger heimholen

Auch die Belgrader Regierung plant die Evakuierung serbischer Staatsbürger. Der designierte Ministerpräsident und Noch-Innenminister Ivica Dacic erklärte am Freitag, die Regierung werde alles unternehmen, um serbischen Bürgern, die in Syrien leben, die Ausreise zu ermöglichen. Auch werde dabei mit der Hilfe von Drittstaaten gerechnet, erklärte Dacic.

Nach Angaben des designierten Ministerpräsidenten würden in Syrien „einige hundert“ Bürger Serbiens samt ihren Familien leben. Auch soll es besonders viele Frauen geben, die nach Syrien geheiratet haben. Vor dem Zerfall des ehemaligen Jugoslawien 1991 hatten viele syrische Studenten in Serbien und in anderen damaligen Teilrepubliken studiert.

Nothilfe wird verstärkt

Angesichts der Gefahr weiterer blutiger Auseinandersetzungen im syrischen Bürgerkrieg bereiten sich humanitäre Organisationen auf die Intensivierung der Nothilfe für Zivilisten vor. „Wir beobachten auch die Lage in Damaskus und prüfen, ob und wie wir dort Nothilfe leisten können“, sagte Alexis Heeb vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK).

Österreich vervierfacht Hilfe für Syrien

Auch Österreich stockte unterdessen seine humanitäre Hilfe für Syrien erheblich auf. Der im Februar beschlossene Betrag von 250.000 Euro soll auf eine Million Euro vervierfacht werden, gab Außenamtsstaatssekretär Wolfgang Waldner (ÖVP) im Interview mit der Tageszeitung „Kurier“ (Samstag-Ausgabe) bekannt. Die zusätzlichen 750.000 Euro sind „Geld, das von der ADA (Austrian Development Agency, Anm.) gespart wurde“, erklärte das Außenamt.

Den aufgestockten Betrag wird nach Waldners Worten das UNO-Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) erhalten. Es handle sich dabei um Mittel, die die ADA, die staatliche Agentur für Entwicklungszusammenarbeit, im vergangenen Jahr aufgrund einer strafferen Verwaltung „eingearbeitet“ habe. Die 250.000 Euro, die Ende Februar vom Ministerrat abgesegnet wurden, kommen laut Außenamt direkt der syrischen Bevölkerung zugute. Im Fokus liegen Hilfsorganisationen, die in Syriens Nachbarländern Jordanien und im Libanon tätig sind und sich im Bereich Flüchtlingshilfe engagieren.

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Publiziert am 21.07.2012