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Auch Niederlande betroffen

Die Ratingagentur Moody’s hat in einem überraschenden Schritt den Ausblick für die Kreditwürdigkeit Deutschlands von „stabil“ auf „negativ“ herabgestuft. Moody’s bestätigte am Montag nach US-Börsenschluss zwar die „AAA“-Bestmarke für Deutschland - die Unsicherheiten hätten mit Blick auf Griechenland, Spanien und Italien zuletzt aber auch für Europas größte Volkswirtschaft zugenommen.

Grund dafür seien mögliche weitere, hohe finanzielle Kosten im Gefolge der Euro-Krise. Die Hauptlast müssten laut Moody’s dann vor allem wirtschaftlich starke Länder wie Deutschland schultern. Auch der Ausblick für die Niederlande und Luxemburg wurde auf „negativ“ gesenkt, die so wie Deutschland weiterhin mit „AAA“ bewertet werden.

Zweifel an Griechenland-Verbleib in Euro-Zone

Moody’s habe nun alle Länder mit einem negativen Ausblick versehen, von denen man davon ausgehe, dass sie einen Hauptteil finanzieller Hilfen tragen müssten, erklärte die Agentur. „Wir sind in einer Übergangsphase, die mehrere Jahre andauern kann. Während dieser Phase sehen wir zusätzlichen Druck auf die Länder mit den stärksten Haushalten, was steigenden Druck auf deren Kreditwürdigkeit nach sich zieht.“

S&P: Deutschland „stabil“

Auch bei der Agentur Standard & Poor’s (S&P) haben Deutschland, die Niederlande, Luxemburg und Finnland die Bestnote „AAA“, aber nur Deutschland noch einen „stabilen“ Ausblick. Die dritte große Agentur, Fitch, bewertet die vier Länder ebenfalls mit „AAA“, gibt ihnen allen aber einen stabilen Ausblick.

Konkret sei es den Moody’s-Analysten zufolge inzwischen wahrscheinlicher geworden, dass Griechenland die Euro-Zone verlassen könnte. Das könne zu einer ganzen Kette von Schocks auf den Finanzmärkten führen, die die Politik nur zu sehr hohen Kosten eindämmen könnten. Zudem könne es sein, dass Deutschland und andere Länder mit der Spitzenbonität „AAA“ ihre Unterstützung für angeschlagene Euro-Länder wie Spanien und Italien aufstocken müssten.

Betont wurde von Moody’s aber, dass ein Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone dennoch nicht das Basisszenario der Ratingagentur sei. Auch andere Euro-Länder laufen nach Einschätzung der Analystin keine Gefahr, die gemeinsame Währung zu verlieren. „Wir würden keine wirkliche Wahrscheinlichkeit für solch ein Ereignis sehen“, so Moody’s-Analystin Sarah Carlson in der Nacht zum Dienstag.

Ausnahme Finnland

Das ebenfalls mit der Moody’s-Bestnote bewertete Finnland entging indes einem verschlechterten Ausblick. Die Agentur begründete das unter anderem mit dem kleinen und auf den Heimatmarkt fokussierten finnischen Bankensystem, von dem nur geringe Risiken ausgingen.

Österreichs Ausblick wird geprüft

Moody’s kündigte am Dienstag außerdem an, auch die Topbonität von Österreich und Frankreich bis Ende September erneut näher unter die Lupe zu nehmen. „Bis zum Ende des dritten Quartals wird Moody’s auch die Auswirkungen dieser Entwicklungen auf das Triple-A geratete Österreich und Frankreich bewerten, deren Rating-Ausblick im Februar von stabil auf negativ gesenkt wurde“, teilte die Ratingagentur in der Nacht zum Dienstag mit.

Moody’s werde prüfen, ob der derzeitige Ratingausblick für die beiden Länder „angemessen bleibt“, oder ob „umfangreichere Ratingüberprüfungen berechtigt sind“. Ein negativer Ausblick ist ein erster Schritt zu einer möglichen Herabstufung der Kreditwürdigkeit.

„Nicht neu“

Das deutsche Finanzministerium reagierte noch am Montagabend auf die Moody’s-Vorgangsweise. Die Einschätzung der US-Ratingagentur stelle demnach lediglich die kurzfristigen Risiken in den Vordergrund, während längerfristige Stabilisierungsaussichten und die damit verbundene Reform der Euro-Zone unerwähnt blieben. Die von Moody’s genannten Risiken in der Euro-Zone seien zudem „nicht neu“.

Versichert wurde zudem, dass Deutschland auch weiterhin mit einer soliden Wirtschafts- und Finanzpolitik seinen Status als sicherer Hafen wahren und seine Ankerrolle in der Euro-Zone verantwortungsvoll ausüben werde. Gemeinsam mit den Partnern werde alles getan, um die europäische Staatsschuldenkrise schnellstmöglich zu überwinden.

Juncker: Euro-Zone „als Ganzes“ stabil

Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker hob in einer Stellungnahme zum negativen Ausblick der US-Ratingagentur Moody’s für die Kreditwürdigkeit Deutschlands, Niederlande und Luxemburg am Dienstag hervor, dass die US-Ratingagentur die erstklassige Benotung dieser Euro-Länder bestätigt habe. Sie beruhe auf einer gesunden Wirtschaftsbasis, die diese und andere Mitglieder der Euro-Zone auch weiter böten. „Vor diesem Hintergrund bekräftigen wir unser starkes Bekenntnis, die Stabilität der Euro-Zone als Ganzes zu erhalten.“

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