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Zinsdruck steigt weiter

Spanien kommt immer schwerer an frisches Geld. Analysten bewerten die aktuelle Situation auf dem Anleihenmarkt als äußerst kritisch. Frankreichs Außenminister Laurent Fabius hat nun eine mögliche Aufstockung der europäischen Rettungsfonds für den Fall einer weiteren Spanien-Hilfe ins Gespräch gebracht.

Wenn die EU einschreiten müsse, könne das mit einer „Erhöhung der Brandmauer“ geschehen, sagte der sozialistische Politiker am Dienstag dem Fernsehsender France 2. Auch Eingriffe der Europäischen Zentralbank (EZB) seien denkbar. „Ich hoffe dass es nicht nötig sein wird, erneut zu intervenieren. Wenn wir erneut intervenieren müssen, könnte es eine Erhöhung der Brandmauern - also des Schutzes - sein oder Eingriffe durch die Zentralbank“, ergänzte er.

Verwirrung über gemeinsame Erklärung

Spanien selbst sorgte mit einer angeblichen gemeinsamen Erklärung mit Frankreich und Italien für Verwirrung. Darin soll es heißen, dass die schnelle Umsetzung der Beschlüsse des letzten EU-Gipfels gefordert werde. Der Abstand zwischen den Beschlüssen des Europäischen Rates und der Umsetzung sei besorgniserregend groß, erklärte die Regierung des angeschlagenen Landes in Madrid.

Die Regierungen in Paris und Rom stellten allerdings klar, nicht gemeinsam mit Spanien eine „unverzügliche“ Umsetzung der letzten Gipfelbeschlüsse zur Euro-Stabilisierung gefordert zu haben. Die Erklärung verschwand daraufhin von der Website des spanischen Außenministeriums.

Bereits 100 Mrd. Euro bewilligt

Vor allem Deutschland ist strikt dagegen, das Volumen der Rettungsfonds EFSF und ESM aufzustocken und so die Brandmauer gegen die Krise zu erhöhen. Aus dem bereits existierenden EFSF wurden den spanischen Banken 100 Milliarden Euro bewilligt. Der dauerhafte Fonds ESM soll im Herbst starten. Sein Volumen soll bis 2014 schrittweise auf 500 Milliarden Euro steigen.

Der deutschen Finanzministers Wolfgang Schäuble (CDU) lobte umgehend das Land: Spanien habe wichtige Schritte unternommen, um seine Wirtschaft wieder auf Kurs zu bringen. „Umfassende Reformen wurden durchgeführt, insbesondere im Bereich der Haushaltspolitik, des Arbeitsmarkts und der Umstrukturierung des Bankensektors“, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung nach einem Treffen mit dem spanischen Wirtschaftsminister Luis de Guindos. Mit Blick auf die hohen Zinsen für spanische Staatsanleihen hieß es, diese Niveau entspreche weder den wirtschaftlichen Fundamentaldaten Spaniens noch seinem Wachstumspotenzial oder der Tragfähigkeit seiner Staatsverschuldung.

Risiko für Zahlungsausfall gestiegen?

Allerdings steigt der Zinsdruck weiter: Bei einer Auktion von kurz laufenden Schuldverschreibungen musste das krisengeschüttelte Euro-Land am Dienstag höhere Zinsen bieten, um an frische Mittel zu kommen, wie aus Angaben des nationalen Schatzamts hervorgeht. Um sich für drei Monate Geld zu leihen, wird eine durchschnittliche Rendite von 2,43 Prozent fällig. Bei der letzten vergleichbaren Auktion im Juni waren es noch 2,36 Prozent. Auch im sechsmonatigen Laufzeitbereich stieg die Rendite von 3,24 auf 3,69 Prozent an. Auch die rege Nachfrage bei der Emission kurz laufender Anleihen brachte keine Entlastung.

Die Rendite der zehnjährigen Papiere stieg den dritten Tag in Folge auf ein Rekordhoch und lag in der Spitze bei 7,605 Prozent. Zeitweise übertrafen zudem die Renditen der fünfjährigen Bonds mit 7,623 Prozent diejenigen der zehnjährigen. Das gilt als Zeichen dafür, dass für Investoren das Risiko eines Zahlungsausfalls gestiegen ist. Ein solcher Wert ist für einen Staat längerfristig nicht tragbar.

Analysten bewerten die aktuelle Situation am spanischen Anleihenmarkt als äußerst kritisch. „Der tapfere spanische Matador scheint vom wütenden Bullen in die Ecke gedrängt worden zu sein“, sagte Andrew Wilkinson, Chefstratege des Brokerhauses Miller Tabak & Co.

Keine Hilfen?

Um Spaniens Refinanzierung für einen längeren Zeitraum zu sichern, reicht das Geld nach derzeitigem Stand nicht aus. Der spanische Wirtschaftsminister Luis de Guindos hatte zuletzt ausgeschlossen, dass sein Land solche Hilfen beantragen könnte. Doch diese Aussage scheint angesichts der steigenden Zinsen für Staatsanleihen keineswegs sicher zu sein.

Doch glaubt man Mediengerüchten, könnte bald alles anders sein: Spanien könnte aufgrund der Schwierigkeiten, Geld zu bezahlbaren Zinsen auf den Finanzmärkten zu beschaffen, um ein „abgespecktes Rettungspaket“ bei seinen EU-Partnern bitten. Madrid denke an sehr kurzfristige Kredite seiner Partner, um seine Refinanzierung in diesem Jahr zu sichern, berichtete die Wirtschaftszeitung „El Economista“ am Dienstag.

Spanien benötigt laut „El Economista“ im Oktober 28 Mrd. Euro. Sollten die Käufer spanischer Anleihen dann immer noch so hohe Zinsen verlangen wie derzeit, erwäge die Regierung in Madrid, doch um Hilfe zu bitten, hieß es. Unter den EU-Rettungsschirm schlüpfen wie Griechenland, Irland und Portugal wolle Spanien aber auf keinen Fall. Die Alternative sei ein Abkommen über ein „abgespecktes internationales Rettungspaket“. „Es geht darum, die finanzielle Kernschmelze zu vermeiden“, schrieb „El Economista“.

Marode Regionen als Sargnagel?

Und Madrid muss dazu noch mit Nebenfronten fertig werden: Analysten in Madrid sagten, die am Freitag beschlossenen 100 Mrd. Euro Hilfe für Spaniens Banken würden „überlagert“ von der Nachricht, dass die Regionen Valencia und Murcia Geld von der Zentralregierung brauchen. Am Dienstag hieß es, dass auch Kataloniens Regierung Bedarf angemeldet habe, kurze Zeit später folgte allerdings ein Dementi - es sei noch nichts entschieden, doch sei das „eine Möglichkeit, die geprüft wird“, sagte die Sprecherin am Dienstag.

Zu den finanziell angeschlagenen Regionen komme die Mitteilung der Zentralbank vom Montag, dass die Wirtschaftsleistung des Landes auch im zweiten Quartal weiter geschrumpft sei. Nach Ansicht von Analysten könnten sechs von 17 Regionen in Madrid um Hilfe bitten.

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