Nazi-Tattoo: Bayreuth-Regisseur kritisiert Wagner-Schwestern
Bayreuth-Regisseur Hans Neuenfels hat die Leitung der Bayreuther Wagner-Festspiele wegen des Umgangs mit Sänger Jewgeni Nikitin scharf kritisiert.
Der Bassbariton musste wegen Tattoos mit Nazi-Symbolen auf die „Holländer“-Titelpartie verzichten. Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier hätten früher über das Privatleben und die Haltung Nikitins Bescheid wissen müssen, sagte Neuenfels dem 3sat-Magazin „Kulturzeit“.
In diesem Jahr wird in Bayreuth erneut Neuenfels’ „Lohengrin“ gezeigt. Neuenfels sagte, dass man nicht erlauben könne, dass ein dem Nazitum nahestehender Sänger auftrete. „Das Wichtigste in der Kunst ist das Humane, und da fällt Nazitum wirklich nicht darunter.“
Für ihn sei die Beschäftigung mit dem Hauptdarsteller und seiner Geisteshaltung wichtig. „Wenn die sich so verliebt hätten in den Sänger und gesagt hätten, das muss er unbedingt sein, dann muss man sich nicht nur mit ihm beschäftigen, dann muss man vor allen Dingen auch die Folgen tragen“, kritisierte er die Festspiel-Chefinnen. Man dürfe „nicht wegen äußerlicher Beeinflussung sagen, wir entfernen ihn. Das geht nicht.“
„Aufarbeitung im Dunkeln“
Nach Auffassung von Neuenfels hat das Handeln der Wagner-Schwestern damit zu tun, „dass die Aufarbeitung der Festspiele noch im Dunkeln liegt“. Zuvor hatte schon Münchens Staatsopernintendant Nikolaus Bachler den Schwestern vorgeworfen, sie zeigten mit dem Finger auf jemand anderen, „weil man mit der eigenen Geschichte ein Problem hat“. Nikitin habe Reue gezeigt, „eine Reue, die ich von der Familie Wagner in den letzten 50 Jahren nie vernommen habe“, sagte Bachler.
Publiziert am 26.07.2012