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Große Zweifel von Experten

Der Käufer der angeschlagenen Drogeriemarktkette Schlecker, der heimische Finanzinvestor TAP 09 von Rudolf Haberleitner, will die Anzahl der heimischen Filialen bis 2016 ausbauen. Derzeit betreibt Schlecker in Österreich rund 900 Filialen. Binnen vier Jahren sollen es bis zu 1.150 sein, sagte Haberleitner in der ZIB24 in der Nacht auf Mittwoch.

„Es ist absolut daran gedacht - auch in Österreich -, die Filialen jetzt zu halten und die noch auszubauen“, so der 67-Jährige. TAP 09 übernimmt insgesamt 4.600 Mitarbeiter in 1.350 Filialen in Österreich, Italien, Polen, Belgien und Luxemburg. Garantieren könne „niemand etwas“, aber „unser Plan ist, bis 2016 auf 1.980 Filialen“ auszubauen, so Haberleitner. Die Mitarbeiter will der neue Firmenchef halten und zu den Konditionen übernehmen, „die sie bisher hatten“. „Das ist unser volles Vorhaben“, sagte Haberleitner. Schlecker soll vom Drogeriemarkt zu einer „echten Nahversorgungskette“ mit dem Namen „daily“ umgewandelt werden.

Haberleitner erwägt Börsengang

Die Lebensmittelkomponente solle dabei nur acht Prozent des gesamten Umsatzes betragen, so der Investor. Es gebe außerdem einen Vertrag mit Eigenmarken bis 2019, dementierte er den von Mitarbeiterinnen zuvor kolportierten Wegfall. „Die Lieferanten stehen voll zu uns“, sagte Haberleitner. In fünf bis zehn Jahren will TAP 09 dann entscheiden, „ob wir das Unternehmen an die Börse bringen oder weitere Investoren zulassen“.

Experten hatten am Dienstag jedoch Zweifel geäußert, ob das Konzept erfolgreich ist: Schon jetzt sei Österreich mit 6.000 Geschäften „overstored“, sagte Peter Schnedlitz, Vorstand des Instituts für Handel und Marketing der WU Wien, am Dienstag zur APA. Die Standortgarantie „hat mich am meisten überrascht“, so der Professor. „Am Land war Schlecker ja auch bereits als Nahversorger tätig“, so Schnedlitz. „Die Sortimente waren schon sehr lokal adaptiert. Auch Getränke wurden von Schlecker schon immer verkauft.“

„Kein Unterschied zu ADEG-Geschäften erkennbar“

„Vielleicht gelingt den neuen Schlecker-Eignern die Lösung des Gordischen Knotens. Ich hoffe darauf, allein, mir fehlt der Glaube.“ Zudem seien „Geschäfte mit weniger Fläche als 250 Quadratmeter nicht mehr zeitgemäß“, und Schlecker habe davon „einige“.

An den meisten Standorten seien in der Vergangenheit schon Lebensmittelketten wie ADEG, Nah & Frisch und Spar gewesen. Auch mit Lebensmitteln und Tierfutter habe Schlecker auf dem Land bereits gehandelt, und die Geschäfte seien neu einzurichten, „vor allem bei neuen Waren“. Er könne sich derzeit beim „daily“-Konzept noch „keinen Unterschied zu zum Beispiel ADEG-Geschäften am Land“ vorstellen.

Eine „Welt außerhalb von BIPA und dm, die allerdings einen sehr guten Job machen, wäre aber für alle gut“, so Schnedlitz. Dm und BIPA hätten auch die guten Standorte. „Insgesamt gibt es im Drogeriemarktbereich in Österreich, wo die Gewinnspannen geringer sind als in anderen Handelsbereichen, aber kein Wachstum, sondern einen Verdrängungswettbewerb.“ Jedenfalls wäre Schnedlitz „ein begeisterter Zeitzeuge, wenn es gelingt, nun eine Erfolgsstory zu schreiben“.

Orte schon jetzt „überversorgt“

Skeptisch zeigte sich auch Investor Josef Taus, der ebenfalls um 100 Schlecker-Filialen mitgeboten hatte. Er sprach gegenüber dem „Kurier“ von einer „riesigen logistischen Herausforderung“, die jemand nur schaffe, „wenn dahinter ein sehr reicher Mann oder ein anderes Handelsunternehmen steht“. Auch Nah-&-Frisch-Firmenchef Georg Pfeiffer kann sich nicht vorstellen, dass sich das Nahversorgerkonzept rechne. Größere Ortschaften seien schon jetzt „überversorgt“. Dass er mit an Bord sei, dementierte er gegenüber dem „Kurier“.

Die Investorplattform TAP 09 ist jedoch offenbar optimistisch, was die Pläne betrifft. Auf seiner Website verspricht das Unternehmen Investoren allgemein eine Renditeerwartung von mindestens 20 Prozent pro Jahr inklusive einer laufenden Verzinsung, die über dem Dreimonats-EURIBOR liegt.

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Publiziert am 01.08.2012