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Rebellen verlassen Stellungen

Die syrische Armee hat die Kontrolle über den seit Wochen umkämpften Stadtteil Salaheddin, der als wichtigste Rebellenhochburg gilt, in Aleppo übernommen. Das bestätigten Vertreter der Sicherheitsbehörden am Mittwoch gegenüber dem libanesischen Sender al-Manar. Auch die Rebellen bestätigten, dass sie ihre Stellungen im heftig umkämpften Stadtteil der Wirtschaftsmetropole aufgegeben haben.

Nachdem die Armee von Präsiden Baschar Al-Assad laut eigenen Angaben die Hauptstadt Damaskus wieder beherrscht, ist das ein weiterer schwerer Schlag für die Rebellen. „Wir sind auf dem Rückzug, weg von hier“, rief ein einzelner Kämpfer der Rebellen am Mittwoch Reuters-Journalisten entgegen, als diese im Bezirk Salaheddin ankamen. Ein über die ganze vergangene Woche hinweg von den Rebellen kontrollierter Checkpoint war nicht mehr zu sehen. Lediglich eine Fahne der Opposition markierte noch den ehemaligen Übergang.

Keine Überprüfung möglich

Eine unabhängige Überprüfung der oft widersprüchlichen Angaben und Informationen zur militärischen Lage in Syrien ist nicht möglich.

„Die Armee ist eingedrungen“

Es waren Explosionen zu hören: Offenbar wurden Gebäude in der Nähe unter Beschuss genommen. Rund einen Kilometer von Salaheddin entfernt flogen Hubschrauber über eine Polizeiwache, die noch in der Hand von Rebellen war. Kämpfer rannten wild umher und riefen in Funkgeräte: „Die Armee ist eingedrungen, die Armee ist eingedrungen.“ Ein Kommandeur der Rebellen, der sich als Abu Ali ausgab, sagte, er habe Informationen erhalten, dass die Armee Salaheddin eingenommen habe.

Kämpfe gehen offenbar weiter

Ein Sprecher der Freien Syrischen Armee (FSA) gab hingegen an, die Soldaten würden weniger als 15 Prozent des Viertels kontrollieren. „Wir kämpfen weiter“, so der Sprecher. Ein anderer Vertreter der syrischen Sicherheitskräfte sprach gegenüber der Nachrichtenagentur AFP von Panzern, die in das Viertel Salaheddin eingedrungen seien, um „es zu zerteilen“. Es werde nicht lange dauern, bis die Armee die Kontrolle über das Viertel übernommen habe, „auch wenn einige Widerstandszellen übrig bleiben werden“, so die Quelle. Auch die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London erklärte, die Kämpfe um Aleppo würden weiterhin anhalten.

In der Nacht waren die Assad-Truppen teils noch abgewehrt worden. „Unsere Kampfgruppen haben in der letzten Nacht vier Vorstöße auf den Bezirk Salaheddin abgewehrt“, sagte der Rebellenkommandeur Abu Omar al-Halebi am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur am Telefon. Die Regimetruppen hätten zuvor die nördliche Hälfte der Millionenstadt eingekreist, fügte er hinzu.

Weiteres Viertel unter starkem Beschuss

Nach Darstellung des Staatsfernsehen wurden in den Distrikten Bab al-Hadid nahe der Zitadelle und Bab al-Nariab im Südosten Dutzende „Terroristen“ getötet. Es handelte sich offenbar um die größte Offensive der Regierungstruppen, seit die Rebellen vor drei Wochen Teile Aleppos unter ihre Kontrolle gebracht hatten. Die Aufständischen hätten sich in das Viertel Saif al-Daula zurückgezogen, sagte ein Kämpfer der Freien Syrischen Armee zu Reuters. Die Gegend liege unter Beschuss durch Kampfjets und die Panzer der Regierungstruppen.

Satellitenbilder zeigen ganze Zerstörung

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International kritisierte den Einsatz von schweren Waffen in den Wohngebieten von Aleppo. Die Organisation veröffentlichte in ihrem jüngsten Bericht Satellitenbilder aus der Metropole, die 600 Einschlagkrater zeigen, die von schwerkalibrigen Artilleriegranaten stammen. „Amnesty International warnt die Konfliktparteien: Alle Angriffe auf die Bevölkerung werden genauestens dokumentiert, so dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden können“, sagte der Amnesty-Experte Christoph Koettl, der die Satellitenbilder auswertete.

Iran bestätigt: Revolutionsgardisten unter Entführten

Der Iran bestätigte unterdessen, dass sich unter den in Syrien entführten 48 Iranern „ehemalige Mitglieder“ von Militär und Revolutionsgarden befinden. Die staatliche iranische Nachrichtenagentur IRNA veröffentlichte am Mittwoch ein entsprechendes Statement des iranischen Außenministers Ali Akbar Salehi. „Eine gewisse Anzahl dieser (entführten, Anm.) Personen sind pensionierte Mitglieder der Revolutionsgarden und der Armee, aber auch von anderen administrativen Einrichtungen“, so Salehi.

Syrische Rebellen hatten die 48 Iraner am Samstag in Damaskus entführt. Der Iran erklärte daraufhin, es handle sich um Pilger, die auf dem Weg zum Flughafen gewesen seien, die syrische Opposition bezeichnete die Gruppe hingegen als „feindliche Agenten“, unter denen sich auch Mitglieder der Revolutionsgarden befänden.

Gruppe will russischen General getötet haben

Eine syrische Rebellengruppe hat unterdessen nach eigenen Angaben einen russischen General getötet, der für das syrische Verteidigungsministerium im Einsatz gewesen sein soll. Die Nachrichtenagentur Reuters erhielt am Mittwoch ein Video von der Gruppe „Falkenbataillon für Sondereinsätze“, die im Juli bereits die Verantwortung für die Tötung von vier Militärs der Regierung Assad übernommen hatte.

In der Videoerklärung gaben die Rebellen den Namen des russischen Generals mit Wladimir Kuschejew an. Sie zeigten zudem ein Papier, bei dem es sich um eine Kopie des Ausweises des Mannes handeln soll.

„Ich bestätigte, dass ich lebe“

Das russische Verteidigungsministerium in Moskau wies indessen die Angaben als „offene Lüge“ zurück. Generalmajor Kuschejew sei zwar in Syrien gewesen, aber mittlerweile nach Moskau zurückgekehrt. Wie zum Beweis traf sich Kuschejew der Agentur Interfax zufolge am Mittwoch im Verteidigungsministerium mit russischen Journalisten. „Ich bestätige, dass ich lebe und gesund bin“, sagte Kuschejew.

Russland ist mit mehreren hundert militärischen Mitarbeitern in Syrien präsent. Russland ist eines der wenigen Länder, die Syrien auf diplomatischer Ebene unterstützen. Bei dem seit 17 Monaten währenden Aufstand des Volkes gegen Assad sind nach Angaben von Menschenrechtlern bisher mindestens 18.000 getötet worden, andere Quellen sprechen bereits von 21.000 Toten.

Sarkozy telefoniert mit Sida

Der französische Ex-Präsident Nicolas Sarkozy schaltete sich in den Syrien-Konflikt ein: Der im Mai abgewählte konservative Staatschef habe sich ausführlich am Telefon mit dem Präsidenten des oppositionellen Syrischen Nationalrates (SNC), Abdel Basset Sida, unterhalten, teilten beide in einer gemeinsamen Erklärung am Dienstagabend mit. Dabei hätten beide „große Ähnlichkeiten mit der libyschen Krise“ festgestellt. Sarkozy war eine treibende Kraft beim NATO-Militäreinsatz gegen den libyschen Machthaber Muammar al-Gaddafi im vergangenen Jahr.

Beide hätten die „völlige Übereinstimmung“ ihrer Beurteilung der Schwere der Krise in Syrien festgestellt und die „Notwendigkeit eines schnellen Handelns der internationalen Gemeinschaft, um Massaker zu vermeiden“. Der Syrische Nationalrat unter dem Vorsitz von Sida ist der wichtigste Zusammenschluss der Opposition gegen Assad.

Sondersitzung des UNO-Sicherheitsrates

Frankreich beruft am 30. August eine Sondersitzung des UNO-Sicherheitsrates auf Ministerebene zur humanitären Situation in Syrien und seinen Nachbarländern ein. Das bestätigte das französische Außenministerium am Mittwoch auch offiziell, nachdem die Sitzung bereits aus Diplomatenkreisen bekanntgeworden war. Noch bis Ende August hat Frankreich den monatlich wechselnden Vorsitz im UNO-Sicherheitsrat inne.

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Publiziert am 08.08.2012