Rebellen ziehen sich teilweise aus Aleppo zurück
Syrische Regierungstruppen und Aufständische haben sich heute erneut heftige Kämpfe um die nördliche Metropole Aleppo geliefert. Die Einheiten der Rebellenarmee FSA zogen sich nach eigener Darstellung aus dem strategisch wichtigen Bezirk Salaheddin zurück. „Wir haben uns im benachbarten Stadtteil Sukkari neu gesammelt und bereiten einen Gegenangriff vor“, sagte der örtliche FSA-Kommandeur Abu Omar al-Halebi der Deutschen Presse-Agentur am Telefon.
Ein Kameramann, der am Schauplatz weilte, berichtete, in Salaheddin die Leichen von mehr als 25 getöteten Rebellen gesehen zu haben. Auch Zivilisten seien in den Kämpfen ums Leben gekommen. An den Gebäuden sei enormer Schaden entstanden. Einige seien bis auf den Grund zerstört worden - ein Indiz für den Einsatz von Flugzeugbomben und schwerer Artillerie durch die Regimetruppen.
Heftige Kämpfe um Stadt seit drei Wochen
Das syrische Militär hatte am Vortag einen neuen Anlauf gestartet, um die Aufständischen aus der seit fast drei Wochen umkämpften Millionenstadt zu verdrängen. Beide Konfliktparteien wie Beobachter sehen im Ausgang der Schlacht um Aleppo eine Vorentscheidung mit Blick auf das Schicksal des Regimes von Baschar al-Assad. Nach Angaben der syrischen Menschenrechtsbeobachter in London wurden in dem Bürgerkriegsland allein am Mittwoch 170 Menschen getötet, davon 43 in Aleppo.
Assad ernennt neuen Premier
Syriens Präsident Baschar al-Assad hat dem staatlichen Fernsehen zufolge heute einen neuen Ministerpräsidenten ernannt. Der bisherige Gesundheitsminister Wael al-Halki soll auf Riad Hidschab folgen, der sich vor einigen Tagen auf die Seite der Aufständischen geschlagen und das Land verlassen hatte.
Der 1964 geborene Halki stammt aus der Provinz Daraa im Süden Syriens, wo der Aufstand gegen Assad vor 17 Monaten ausgebrochen war.
Protokollchef Assads übergelaufen?
Wie heute bekanntwurde, ist auch der Protokollchef des Präsidenten, Moheddin Muslimani, laut arabischen Medienberichten zu den Aufständischen übergelaufen. Der Spitzenbeamte befinde sich noch auf syrischem Boden und werde seine Abwendung vom Regime demnächst in einer Videobotschaft bekanntgeben, zitierte der Fernsehsender al-Arabija einen Kommandeur der Freien Syrischen Armee, der bei der Flucht Muslimanis aus Damaskus geholfen haben soll.
Der Protokollchef selbst dementierte diese Gerüchte jedoch. „Diese Berichte sind ohne Grundlage, ich erfüllen meine Pflicht im Präsidentenpalast“, zitierte ihn die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana. Erst vor drei Tagen hatte sich der syrische Ministerpräsident Riad Hidschab ins Ausland abgesetzt.
Iran dementiert Berichte über Tötung von Geiseln
Die vergangene Woche von syrischen Rebellen entführten Iraner sind nach Angaben des Außenministeriums in Teheran alle am Leben und wohlauf. Mit Blick auf Berichte syrischer Rebellen, dass drei der 48 Entführten getötet worden seien, sagte ein Mitarbeiter des Außenministeriums heute: „Die veröffentlichten Berichte hierzu sind falsch.“
Am Montag hatten die Rebellen mitgeteilt, drei der Iraner seien bei einem Angriff der Regierungstruppen in der Provinz Damaskus getötet worden. Sie drohten damit, die anderen zu töten, sollte die Armee ihre Angriffe nicht beenden.
Publiziert am 09.08.2012