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Temperaturrekorde könnten fallen
Seit Tagen haben sich auf dem europäischen Kontinent sehr prägnante Hoch- und Tiefdruckgebiete festgesetzt: Ein Tief hat seinen Kern im Nordwesten Europas. ein zweites Tief dreht sich über dem Nordosten Europas, ein mächtiges Hoch hat sich über Nordafrika etabliert. Anfang nächster Woche breitet sich dieses Hoch weiter nach Norden aus, es strömt zunehmend heiße Luft von der Iberischen Halbinsel nach Mitteleuropa.
Nullgradgrenze auf 4.300 Metern
Wie heiß die Luft kommende Woche werden wird, lässt sich an der Prognose der Nullgradgrenze ablesen. Die liegt am Montag bei 4.300 Meter Höhe. Entsprechend muss man sich in den Niederungen auf extreme Hitze einstellen, verbreitet liegen die Temperaturen um 35 Grad. Stellenweise kann es bis zu 38 Grad heiß werden.
38 Grad sind lediglich 1,7 Grad von der höchsten je gemessenen Temperatur in Österreich entfernt. 39,7 wurden am 27. Juli 1983 in Dellach im Drautal registriert. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Österreich nächste Woche auch in diesen Bereich kommt.
Die Wetterlage damals
Damit solche Extremwerte wie im Sommer 1983 auftreten, muss die Großwetterlage sehr besonders sein. Ein Hoch hatte damals sein Zentrum genau über den Südalpen, und vom westlichen Nordafrika strömte die heiße Luft quasi auf direktem Wege nach Mitteleuropa. Dass die Hitze in der Oberkärntner Gemeinde Dellach im Drautal kein singuläres Ereignis war, zeigt die Beobachtung an der Villacher Alpe an jenem Tag. Auch hier wurde ein Rekord aufgestellt: Auf der in 2.140 Meter Seehöhe gelegenen Wetterstation der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) stieg die Temperatur auf 23,9 Grad.
ORF/Anton WieserAuf der Villacher Alpe wurde 1983 ein Hitzerekord von 23,9 Grad gemessenRekordtemperaturen in Nordafrika und Vorderasien
Die wochenlange Hitze im Sommer 2012 hat für neue Rekordwerte an Messstationen in Nordafrika und Vorderasien gesorgt. In Marrakesch wurde mit 49,6 Grad ein neuer Temperaturrekord für Marokko aufgestellt. Noch heißer war es Ende Juli in Kuwait, dort gab es mit 53,6 Grad in Sulaibija einen Wert, der auf dem asiatischen Kontinent noch nie gemessen wurde.
Die Vorgaben, wie Temperatur gemessen wird, sind streng und von der Weltwetterorganisation (WMO) klar definiert. Nur wenn überall auf der Welt unter denselben Bedingungen gemessen wird, können die Messdaten verglichen und auch für Zwecke der Klimaforschung und der Wetterprognose genutzt werden. Es muss in einer weiß gestrichenen Thermometerhütte gemessen werden, die mit Lamellen an den Wänden versehen ist.
Damit soll verhindert werden, dass durch Hitzestau die Temperatur verfälscht wird. Zudem wird so erreicht, dass halbwegs „die Temperatur im Schatten“ gemessen wird. Die Höhe der Wetterhütte liegt bei zwei Metern, in der Nähe dürfen keine großen Bäume oder Häuser stehen, die den Temperaturwert verfälschen können.
Flucht in höhere Regionen ratsam
Wenn die Städter bei großer Hitze stöhnen und sich vor allem in Tropennächten mit Tiefsttemperaturen über 20 Grad kein erholsamer Schlaf finden lässt, ist es wohl sinnvoll, sich an den Urlaubsroutinen unserer Vorfahren zu orientieren. In den typischen Sommerfrischeregionen im Salzkammergut und im Semmering-Wechsel-Gebiet sinken die Temperaturen selbst bei großer Hitze in der Nacht auf erträgliches Niveau.
Wer der Hitze tagsüber entfliehen möchte und Temperaturen nur unter 30 Grad erträglich findet, muss wohl Seehöhen über 1.200, 1.300 Meter aufsuchen. Vor der Hitze ins Mittelgebirge flüchten - etwas, auf das man sich im Zuge des vom Menschen verursachten Klimawandels wohl in Zukunft öfter wird einstellen müssen.
Rainer Schultheis, ORF-Wetterredaktion
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Publiziert am 17.08.2012