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Für Katastropheneinsätze und mehr

Die Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA) ist die Zukunftswerkstatt des Pentagon und offenbar überzeugt davon, dass die militärische Zukunft menschenähnlichen Robotern gehört - nicht irgendwann, sondern bald: Den ersten erfolgreichen „Katastropheneinsatz“ eines menschenähnlichen Roboters will die DARPA mit zwei Millionen Dollar (1,5 Mio. Euro) belohnen.

Die US-Behörde richtet sich in einer Aussendung vom April an Entwickler von Hardware und Software ebenso wie an „Spieleentwickler“ und „Roboter-Enthusiasten“ aller Art. Diese sollten sich mit Erste-Hilfe-Organisationen und Wissenschaftlern kurzschließen, rät die DARPA. Gemeinsam sollten so „Roboter entworfen werden, die zu einer überwachten eigenständigen Reaktion auf eine simulierte Katastrophe imstande sind“.

Testparcours steht schon fest

Die DARPA lieferte auch gleich ein Bild mit, das die Wunschvorstellung der US-Behörde zeigt: In einer offenbar explodierten Fabrik dreht ein Roboter gerade einen Hahn zu, aus dem giftige Dämpfe austreten, ein anderer reißt währenddessen mit einem Presslufthammer eine Wand ein. Dabei geht es nicht um Zukunftsmusik - denn genau dieses Szenario steht am Ende des Testparcours, den das Pentagon laut den Ausschreibungsunterlagen „mit größter Wahrscheinlichkeit“ für die Roboter aufbauen wird.

Aufgelistet wird in der Ausschreibung folgender Ablauf: Zuerst muss der Roboter eigenständig mit einem Fahrzeug zum Einsatzort kommen und dann allein ein Trümmerfeld überwinden. Er muss dann zu einem bestimmten Gebäude kommen, dort den Eingang von Schutt befreien, sich im Gebäude über eine Leiter und einen Steg bewegen und mit einem Werkzeug eine Betonwand durchbrechen. Schließlich soll der Roboter „ein Ventil bei einem Leck in einer Leitung orten und schließen“ und „einen Teil wie beispielsweise eine Kühlpumpe ersetzen“.

Erfindung der Bush-Ära

Dass die Vorgaben auch für die geschultesten Robotiker eine harte Nuss sind, stört das Pentagon wenig: Über den Umweg eines „Preisausschreibens“ müssen die Militärs nur für Erfolge, nicht aber für das Scheitern zahlen. Das ist der Regierung von US-Präsident Barack Obama nicht selbst eingefallen. Die „DARPA Grand Challenge“ ist eine Erfindung der Vorgängerregierung von George W. Bush, damals zur Entwicklung von Roboterautos. Mittlerweile sind in den USA Roboterautos auf öffentlichen Straßen unterwegs.

Die damalige „Challenge“ fand dreimal statt (2004, 2005 und 2007). Als dem Pentagon beim dritten Mal befriedigende Resultate geliefert wurden, endete das Programm. Dass das US-Verteidigungsministerium auch jetzt nur an handfesten Resultaten interessiert ist, schreibt es selbst in den Vorgaben: Man wolle Systeme, die von weitgehend ungeschultem Personal kontrolliert werden können und die in technisch schwierigen Umgebungen - „niedrige Bandbreiten, Signalverzögerungen, Signalüberlagerungen“ - zuverlässig funktionieren.

Wenn Militärs Hilfsroboter „adaptieren“ wollen

Gerade der Verweis auf die Zuverlässigkeit lässt deutliche Rückschlüsse auf die Absichten des Pentagon zu. Vereinfacht gesagt: Wenn ein Roboter bei einer Katastrophenmission scheitert, kann man noch einen hinterherschicken. Wenn ein Roboter aber eines Tages die falschen Leute erschießen sollte, gibt es keinen zweiten Versuch. Auch heißt es im Kleingedruckten der Ausschreibungsunterlagen, die Roboter sollten „vordringlich“ bei Katastrophenmissionen zum Einsatz kommen.

Programmdirektor Gill Pratt wünscht sich denn auch „adaptierbare“ Roboter, die jedes erdenkliche „menschliche Werkzeug“ benutzen können. DARPA-Chef Kaigham J. Gabriel verhehlt wiederum nicht: „Damit Roboter dem Verteidigungsministerium nützen, müssen sie einen Vorteil im Schutz von Leib und Leben oder in der Leistung bringen“, im Idealfall jedoch beides. Und schließlich hat die DARPA als Behörde weniger die Optimierung von Hilfseinsätzen im Auge, sondern will laut ihrem eigenen Motto vor allem „strategische Überraschungen schaffen“.

Lukas Zimmer, ORF.at

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