EU fordert Kampfpausen in Syrien
Die für humanitäre Hilfe zuständige EU-Kommissarin Kristalina Georgiewa hat Kampfpausen im syrischen Bürgerkrieg gefordert, um die notleidende Zivilbevölkerung zu versorgen.
„Die Kämpfe für eine Stunde oder zwei Stunden anzuhalten, damit Verwundete versorgt werden können - das ist bedauerlicherweise noch nicht geschehen“, sagte Georgiewa dem Informationsdienst „dpa Insight EU“ gestern in Brüssel.
„2,5 Millionen Menschen benötigen Hilfe“
Die EU-Kommissarin reagierte damit auf einen wachsenden Strom von Flüchtlingen. Mindestens 2,5 Millionen Menschen in Syrien benötigten humanitäre Hilfe, mindestens 1,2 Millionen seien Vertriebene im eigenen Land, sagte Georgiewa. „Da Aleppo und Damaskus keine sicheren Gebiete mehr sind, gibt es nur noch außerhalb des Landes Hoffnung auf Sicherheit.“
Das bedeute, dass im Libanon, in Jordanien und auch in der Türkei immer größere Probleme entstünden. „Hilfe innerhalb Syriens ist wichtig für jene, die im Konflikt gefangen sind, aber sie ist auch wichtig, um Auswirkungen auf die Nachbarländer zu reduzieren“, sagte sie.
Russland beschuldigt Westen
Unterdessen beschuldigte Russland den Westen, für die Syrien-Krise mitverantwortlich zu sein. „Unsere westlichen Partner haben noch immer nichts getan, um die Opposition zu einem Dialog mit der Regierung zu bewegen“, teilte das Außenministerium in Moskau der Agentur Interfax zufolge mit. „Sie stiften sie stattdessen offen dazu an, den bewaffneten Kampf fortzusetzen“, hieß es. „Es ist klar, dass mit diesen Methoden eine politische Lösung der Krise unmöglich ist.“
Großoffensive der Armee in Damaskus und Aleppo
Die syrische Armee startete gestern mehrere Großangriffe auf Rebellenstellungen in Damaskus und Aleppo und tötete dabei laut Aktivisten Dutzende Menschen. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in London, deren Angaben von unabhängiger Seite nicht überprüft werden können, berichtete zudem von einem Massaker in der Hauptstadt, bei dem mehr als 40 Zivilisten getötet worden seien.
Im benachbarten Libanon kam es erneut zu tödlichen Auseinandersetzungen wegen des Syrien-Konflikts. Insgesamt seien gestern in Syrien mindestens 109 Menschen getötet worden, viele davon in Damaskus, berichtete die Beobachtungsstelle.
Publiziert am 22.08.2012