Russlands Menschenrechtsbeauftragter kritisiert Pussy-Riot-Haft
Der Menschenrechtsbeauftragte der russischen Regierung, Wladimir Lukin, hat das Urteil gegen die Musikerinnen der russischen Punk-Band Pussy Riot kritisiert. „Ich glaube, dass der Richterspruch übertrieben ist“, sagte Lukin bei einer Pressekonferenz gestern.
Sollte das Urteil in einem Berufungsprozess bestätigt werden, werde er darüber nachdenken, es anzufechten.
Zwei Jahre Gefangenenlager
Ein Moskauer Gericht hatte die drei jungen Musikerinnen Mitte August wegen „Rowdytums aus religiös motiviertem Hass“ zu zwei Jahren Gefangenenlager verurteilt. Die Band-Mitglieder hatten im Februar in den für ihre Auftritte charakteristischen bunten Sturmmasken den Altarraum der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau gestürmt und in einem „Punk-Gebet“ lautstark ihre Wut über den damaligen Ministerpräsidenten und heutigen Präsidenten Wladimir Putin zum Ausdruck gebracht.
Es sei bedauerlich, dass sich Intoleranz und Brutalität in Russland ausbreiteten, fügte Lukin hinzu. Der Fall könnte zu gefährlichen Spannungen innerhalb der Gesellschaft führen, warnte er.
Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton und das US-Präsidialamt hatten in der vergangenen Woche die Strafe ebenfalls als unverhältnismäßig bezeichnet.
Kasparow muss vor Gericht erscheinen
Der Kreml-Kritiker und frühere Schachweltmeister Garri Kasparow muss heute in Moskau vor Gericht erscheinen. Kasparow droht eine Haftstrafe, weil er am vergangenen Freitag bei einer einer Kundgebung für die drei Musikerinnen von Pussy Riot einen Polizisten gebissen haben soll. Der Oppositionspolitiker bestreitet das.
Publiziert am 23.08.2012