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„Zeichen der Götzenverehrung“

In Nordafrika sind erneut historische Heiligengräber Ziel von Attacken radikal-islamischer Milizen geworden. In der Hauptstadt Tripolis wurde laut einem Exklusivbericht der britischen BBC das Grab eines Religionsgelehrten teilweise dem Erdboden gleichgemacht. Ein Bild, das der BBC zugespielt wurde, zeigt einen Bagger, der den Schrein und Teile einer Moschee einreißt.

Augenzeugen hätten ausgesagt, dass die Polizei dem Treiben tatenlos zugesehen habe. Bei dem Schrein soll es sich um einen der Al-Schaab al-Dahmani-Moschee handeln, in dem ein Vertreter des Sufismus, einer stark auf Spiritualität konzentrierten Auslegung des Islam, begraben ist. Die Mausoleen derartiger Gelehrter spielen in Nordafrika eine wichtige Rolle im Volksislam und sind Anziehungspunkt für Pilger. Radikalen Gruppen wie den Salafisten ist diese Art der „Götzenverehrung“ ein Dorn im Auge. Bisher waren sie in Mali und Libyen mehrmals Ziel von Angriffen gewesen.

Schreine von Sufi-Heiligen als Ziel

Erst am Freitag hatten laut übereinstimmenden Medienberichten in der Stadt Slitan Radikale ebenfalls einen Schrein zerstört. Dort traf es das Grab von Sidi Abdel Salam al-Asmar, einem bekannten Mystiker und Heiligen aus dem 15. Jahrhundert. Slitan liegt rund 160 Kilometer südöstlich von Tripolis. Die Kuppel des Mausoleums stürzte ein, Ornamente und Mosaike wurden zerstört. In der nahegelegenen Moschee wurde Feuer gelegt, Tausende Bücher verbrannten, wie die örtlichen Behörden am Wochenende bestätigten. Mauern und Minarett der Moschee zeigten laut einem Vorortbericht der Nachrichtenagentur Reuters unzählige Einschusslöcher.

Mit Bagger und Sprengstoff

Dort wie in Tripolis rückten die Radikalen mit Baumaschinen und Sprengstoff an. Ein Student namens Abdurrahman sagte der BBC: „Da ist eine große Gruppe von Salafisten - das sind die mit den Bulldozern, und etwas Militärpolizei ist auch da“ - und sah offenbar tatenlos zu. „Die sehen eher aus, als würden sie die Aktion überwachen, anstatt sie zu verhindern (...) Da stehen ein paar, die dem scheinbar zustimmen.“ Die Gruppe soll außerdem Flugblätter eines radikalen Predigers verteilt haben.

Bulldozer zerstört Moschee in TripoliReuters/Ismail ZetouniGrab und Moschee dem Erdboden gleichgemacht

Selbst wenn die Sicherheitsbehörden derartige Aktionen verhindern wollen, würde es ihnen wahrscheinlich nicht gelingen, da es in der immer noch instabilen Lage schwierig für sie ist, den Überblick zu wahren. „Die extremen Salafisten haben den Umstand ausgenutzt, dass die Sicherheitskräfte gerade damit beschäftigt waren, Zusammenstöße zu verhindern“, sagte Omar Ali, Mitglied des Militärrates von Slitan gegenüber Reuters. „So haben sie den Schrein entweiht.“ In Slitan war es in der vergangenen Woche zu Krawallen zwischen unterschiedlichen Milizen bzw. rivalisierenden Stämmen gekommen.

Zerstörungsaufforderung via Facebook

Im Sozialen Netzwerk Facebook tauchte laut Reuters eine Seite unter dem Titel „Gemeinsam für die Beseitigung des Schreins von Abdel Salam al-Asmar“ auf. Die Betreiber gratulierten den Radikalen zur „erfolgreichen Beseitigung des Asmar-Schreins, eines der wichtigsten Zeichen der Götzenverehrung in Libyen“. Der Imam der Moschee musste aus der Stadt flüchten, nachdem ihn die Salafisten mehrmals bedroht hatten. Libyens stellvertretender Ministerpräsident Mustafa Abushagur verurteilte die Taten scharf. „Die Zerstörung von Gräbern und Moscheen ist ein Verbrechen. Jene, die es begangen haben, werden zur Verantwortung gezogen werden.“

Innenminister zurückgetreten

Nach wachsender Kritik an der Sicherheitslage ist am Sonntag Innenminister Fausi Abdelali zurückgetreten. Abdelali habe seinen Rücktritt eingereicht, um gegen die Kritik von Parlamentsabgeordneten zu protestieren, erklärte ein Sprecher. Zudem wolle er die „Revolutionäre verteidigen“, die den größten Teil der Sicherheitskräfte in dem Land stellen.

In Tripolis waren vor einer Woche bei einem Doppelanschlag zwei Menschen getötet worden. Die westliche Region Sliten ist seit Donnerstag Schauplatz heftiger Stammeskämpfe, bei denen nach Behördenangaben bisher mindestens drei Menschen getötet wurden. Mit der Zerstörung von muslimischen Heiligtümern waren Rücktrittsforderungen an Abdelali laut geworden.

Weltkulturerbe in Mali im „göttlichen Auftrag“ zerstört

Im westafrikanischen Mali hatten Radikale im Juli einen regelrechten Feldzug gegen die Zeugnisse der islamischen Geschichte gestartet. In der Wüstenstadt Timbuktu zerstörten sie unter anderem die Gräber der Djinguereber-Moschee aus dem 14. Jahrhundert, die die UNESCO als Weltkulturerbe führt, sowie weitere Schreine. Hinter der Aktion stand die Al-Kaida-nahe, radikal-islamische Gruppierung Ansar Dine. Einer ihrer Sprecher, Oumar Ould Hamaha, sprach von einem „göttlichen Auftrag“ und erklärte, die Gläubigen, die an den Gräbern beteten, würden „die Heiligen mit Allah verwechseln“.

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Publiziert am 26.08.2012