Sardinien: Lage verschanzter Bergleute spitzt sich zu

Die Situation der in einem Kohlebergwerk auf Sardinien verschanzten Bergarbeiter hat sich gestern weiter zugespitzt. Während einer Pressekonferenz im Bergwerk schnitt sich ein Arbeiter vor den Augen der Journalisten mit einem Messer den Arm auf, wie ein AFP-Fotograf berichtete. Der Verletzte musste daraufhin aus der Grube herausgebracht und in ein Krankenhaus eingeliefert werden.

Mit 400 Kilo Sprengstoff verschanzt

Rund 40 Bergleute protestieren seit mehreren Tagen unter der Erde ausgestattet mit 400 Kilogramm Sprengstoff gegen die Schließung des einzigen Kohlebergwerks Italiens. „Wir sind verzweifelt, wir verlieren die Geduld“, sagten einige der Bergleute.

Sie wollen erreichen, dass die Regierung in Rom 200 Millionen Euro für den Bergbausektor freigibt. Mit dem Geld soll das Bergwerk Carbosulcis in eine unterirdische Lagerstätte für das Treibhausgas Kohlendioxid umgebaut werden. Die Kumpel hatten erklärt, sie seien „zu allem bereit“, um ihre Arbeitsplätze zu behalten.

Der Staatssekretär für wirtschaftliche Entwicklung, Claudio de Vincenti, sagte der Zeitung „La Repubblica“, das Projekt zum Umbau des Bergwerks sei derzeit nicht zu halten, da die Kosten dafür zu hoch seien. In den kommenden acht Jahren sei mit jährlichen Kosten von 250 Millionen Euro zu rechnen. Am Freitag wollen Gewerkschaften, Regionalvertreter und Beamte des Ministeriums für wirtschaftliche Entwicklung in Rom zu dem Thema zusammenkommen. Das Carbosulcis-Bergwerk war bereits in den Jahren 1984, 1993 und 1995 Schauplatz von Protesten.

Publiziert am 29.08.2012