Größte illegale Siedlung im Westjordanland geräumt

Kurz vor dem Ablauf einer Frist von Israels Oberstem Gericht ist die größte illegale Siedlung im Westjordanland geräumt worden. Die meisten Familien in der Siedlung Migron seien freiwillig gegangen, doch hätten einige von der Polizei entfernt werden müssen, gab eine Polizeisprecherin heute bekannt. Die Mehrheit der etwa 50 Familien sei vorübergehend in der Siedlung Ofra untergebracht worden.

„Wir kommen wieder“

Ein AFP-Reporter berichtete, dass Dutzende Frauen und Kinder ihre Häuser verließen, ohne ihr Hab und Gut mitzunehmen. Auf einigen Häusern in Migron stand: „Wir kommen wieder“ oder „Wir werden den Zionismus nie vergessen“. Nach Angaben der Polizeisprecherin versuchten rund 50 junge radikale Siedler aus benachbarten Siedlungen, sich der Räumung zu widersetzen, doch seien sie von den Ordnungskräften fortgebracht worden.

Das Oberste Gericht hatte am Mittwoch angeordnet, die Siedlung Migron im Norden von Ramallah bis Dienstag zu räumen. Die Regierung will die Bewohner in die Siedlung Giwat Hajekew umsiedeln, die derzeit auf einem zwei Kilometer entfernten Hügel gebaut wird. Aus Sicht der UNO ist jedoch auch diese Siedlung illegal, ebenso wie alle anderen jüdischen Siedlungen im Westjordanland - unabhängig davon, ob die israelische Regierung sie genehmigte oder nicht.

Ohne offizielle Genehmigung errichtet

Das Oberste Gericht hatte ursprünglich den Abriss der teilweise auf palästinensischem Privatland errichteten Siedlung Migron bis Ende März angeordnet, dann jedoch die Frist bis zum 1. August verschoben. Später gewährte das Gericht einen neuerlichen Aufschub. Die Siedlung mit zwischenzeitlich rund 250 Einwohnern war im Mai 2001 ohne Genehmigung der israelischen Regierung errichtet worden. Sie sollte eigentlich seit zehn Jahren geräumt werden.

Mehr als 340.000 jüdische Siedler leben im Westjordanland und mehr als 200.000 im von Israel nach dem Sechs-Tage-Krieg 1967 besetzten und später annektierten Ostjerusalem.

Publiziert am 02.09.2012