NATO setzt Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte aus

Nach zahlreichen Angriffen von Afghanen in Uniform auf Angehörige der Internationalen Schutztruppe ISAF hat die NATO die Ausbildung von Rekruten der afghanischen Armee und Polizei vorerst ausgesetzt. Die Maßnahme bleibe in Kraft, bis alle Bewerber auf mögliche Verbindungen zu radikalislamischen Aufständischen überprüft seien, sagte ein ISAF-Sprecher gestern in Kabul. Damit solle die Gefahr weiterer Übergriffe „von innen“ vermindert werden.

Angriffe von Tätern in Uniformen der afghanischen Armee und Polizei auf ausländische Soldaten haben zuletzt deutlich zugenommen. Erst am Mittwoch waren im Süden des Landes drei Australier erschossen worden. Nach NATO-Angaben wurden seit Jahresbeginn 45 ISAF-Angehörige von vermeintlichen Verbündeten getötet.

Verschärfte Sicherheitsmaßnahmen

Bereits Mitte August hatte die ISAF auf die Angriffe mit verschärften Sicherheitsmaßnahmen für ihre Soldaten reagiert. Der Kommandant der ISAF, US-General John Allen, hatte seine Untergebenen unter anderem dazu aufgefordert, zu jeder Zeit geladene Waffen bei sich zu tragen.

US-Soldaten tragen in Afghanistan auch in Lagern ein Sturmgewehr, allerdings bisher ohne Magazin. Mit dem Erlass müssen diese Waffen nun immer auch geladen sein. Deutsche ISAF-Soldaten sind seit langem auch im Camp mit einer geladenen Pistole bewaffnet.

Die ISAF führt die meisten der Übergriffe von uniformierten Afghanen allerdings nicht auf Infiltration der Taliban zurück, sondern auf Faktoren wie persönliche Animositäten oder Stress. Dagegen meinte Taliban-Chef Mullah Mohammad Omar vor wenigen Wochen, Aufständische hätten die afghanischen Sicherheitskräfte unterwandert.

Neuseeland bestätigt frühzeitigen Abzug aus Afghanistan

Unterdessen gab Neuseeland heute bekannt, seine Truppen bis Ende April 2013 aus Afghanistan abziehen zu wollen. Das würde dann fünf Monate früher als ursprünglich geplant erfolgen. Der offiziellen Ankündigung waren entsprechende Äußerungen von Ministerpräsident John Key im vergangenen Monat vorausgegangen.

Seit 2003 waren 145 neuseeländische Soldaten in der afghanischen Provinz Bamiyan stationiert. Dort kamen im August bei zwei Zwischenfällen fünf neuseeländische Soldaten ums Leben. Nach Angaben Keys wurden die Vorbereitungen für den frühzeitigen Abzug jedoch bereits vor den tödlichen Vorfällen in die Wege geleitet.

Publiziert am 02.09.2012