Themenüberblick
„Was heißt differenziert?“
Spindelegger sah am Montag im Gespräch mit Armin Wolf im jüngsten Vorstoß des Tiroler ÖVP-Chefs Günter Platter für eine Gesamtschul-„Modellregion“ keine Aufweichung der ÖVP-Linie in Bildungsfragen. „Ein differenziertes Schulwesen ist das Nonplusultra. Das Gymnasium bleibt, das ist mein Programm“, so der ÖVP-Obmann im ORF - mehr dazu in „Bin Spitzenkandidat für die nächste Wahl“.
„Bleibe dabei“
„Ich bleibe dabei, die Neue Mittelschule kommt, das Gymnasium bleibt“, sagte Spindelegger auch am Dienstag vor dem Ministerrat. Er habe mit Platter schon über dessen Pläne geredet, und nun gelte es, den Pilotversuch inhaltlich detailliert festzulegen. Schmied verspürte indes „große Freude“ angesichts Platters Ankündigung.
Spindelegger möchte gemeinsam mit seinen Tiroler Kollegen „genau abstimmen, was man erproben will“. Erste Gespräche darüber habe er mit Platter bereits geführt. Dem ÖVP-Chef schwebt offenbar eine Art Begabtenförderung vor, denn er meinte, die Kernfrage sei: „Was heißt differenziert?“
„Akzeptieren, dass Kinder unterschiedlich sind“
Man müsse akzeptieren, „dass Kinder unterschiedlich begabt sind“, diese Tatsache könne man auch nicht bis zum 14. Lebensjahr völlig ignorieren. Auch Schmied hat nach eigener Aussage bereits mit Platter gesprochen und ist erfreut, sieht sie doch die ÖVP eine „weitere Etappe“ in Bildungsfragen zurücklegen. Sie werde nun gemeinsam mit der Tiroler Politik ein Modell ausarbeiten, kündigte sie am Dienstag an.
Modellversuch im schwarzen Tirol
In Sachen Gesamtschule für alle Zehn- bis 14-Jährigen will die Tiroler ÖVP „frühestens ab 2014“ in einer „Modellregion“ einen Schulversuch starten. Bildungsexperten seien damit beauftragt worden, ein entsprechendes Modell auszuarbeiten, sagte Platter bei einer Pressekonferenz anlässlich der Klausur des ÖVP-Landtagsklubs am Montag in Waidring im Bezirk Kitzbühel - mehr dazu in oesterreich.ORF.at
„Die Fenster in der Bildungspolitik müssen aufgemacht werden. Es braucht eine Durchlüftung“, so der Landeshauptmann am Montag. Er halte es für falsch, dass derzeit bereits Zehnjährige eine Grundsatzentscheidung treffen müssten, welchen schulischen Weg sie in Zukunft einschlagen sollen, meinte er.
Platter und die gemeinsame Schule
„Ich kann mir eine gemeinsame Schule für alle durchaus vorstellen“, hatte Platter letzte Woche gegenüber „News“ gemeint. „Es muss aber in der Schule eine Differenzierung geben, damit sich die Kinder nach ihren persönlichen Fähigkeiten weiterentwickeln können.“ Platter kann sich demnach die Gesamtschule auch in Verbindung mit einer freiwilligen Ganztagsschule vorstellen. Letztere solle zwar nicht verpflichtend sein, aber ausreichend angeboten werden.
Dass es dazu unterschiedliche Meinungen innerhalb der Partei gebe, begrüßte Platter. Nur so könne man eine fruchtbare Diskussion führen. Dass sich Spindelegger gegen die Idee einer Gesamtschule ausgesprochen habe und dass ÖVP-Generalsekretär Hannes Rauch in seinem Strategiepapier die Idee einer Gesamtschule als Horrorszenario einer rot-grünen Regierung bezeichnet habe, irritiere ihn nicht, so Platter. Er müsse sich nicht mit anderen Funktionären abstimmen.
Gemeinsame Klassen auf dem Land Realität
In den Hauptschulen auf dem Land sei es seit jeher so, dass alle zehn- bis 14-jährigen Kinder gemeinsam in die Schule gehen, sagte Platter. „Diese Kinder haben auch alle Chancen der Welt. Ich habe noch nie gehört, dass jemand, der in so eine gemeinsame Schule geht, später einen Nachteil hat, wenn er studieren will.“
Es gebe in Tirol hervorragende Haupt- und Neue Mittelschulen, die als gemeinsame Schule zu bezeichnen sei. Mehr als die Hälfte der Studierenden komme aus diesen Schultypen, so Platter. Auch in Südtirol gebe es diese gemeinsame Schule. Daher glaube er, dass man einen Diskussionsprozess führen solle, so Platter.
Neue Mittelschule ab heuer
Mit dem Schuljahr 2012/2013 tritt im Bereich der fünften bis achten Schulstufe neben Hauptschule, AHS-Unterstufe bzw. Sonderschule die Neue Mittelschule in Kraft. Sie gibt es an 698 Standorten mit 3.356 Klassen. Damit sind knapp 60 Prozent der bisherigen Hauptschulstandorte auf die Neue Mittelschule umgestellt, 2015/16 sollen dann alle Hauptschulen auf die neue Schulform umgestellt werden. Zudem gibt es heuer mehr ganztägige Schulformen.
Links:
- ORF-„Sommergespräch“ mit Spindelegger (tvthek.ORF.at)
- ÖVP
- ÖVP Tirol
- Unterrichtsministerium
- Statistik Austria
Publiziert am 04.09.2012