Studienförderung wird evaluiert
Die Studienförderung wird evaluiert. Martin Unger vom Institut für Höhere Studien (IHS) wird das Stipendiensystem im Auftrag des Wissenschaftsministeriums auf seine Wirksamkeit und Treffsicherheit prüfen, gab das von Karlheinz Töchterle geführte Ressort heute bekannt.
Unger wird sich der aktuell veröffentlichten Studierendensozialerhebung (deren Autor er ist) und der Daten der Studienbeihilfenbehörde bedienen. Geplant ist zudem ein Ländervergleich mit Deutschland, den Niederlanden und Schweden. Evaluiert werden sollen auch das Studienabschluss-Stipendium und der Kinderbetreuungskostenzuschuss.
Für die Studienförderung stehen laut Ministerium inklusive Leistungsstipendien jährlich rund 190 Millionen Euro zur Verfügung. Davon haben laut neuesten Zahlen (Studienjahr 2011/2012) rund 46.000 Studierende an sämtlichen Hochschulen (inkl. Pädagogische Hochschulen) profitiert. Die Bewilligungsquote liege bei deutlich über 70 Prozent. Die durchschnittliche Studienbeihilfe sei seit 2008 kontinuierlich gestiegen. 2010/11 wurden durchschnittlich 4.230 Euro jährlich (ohne Studienzuschuss) ausbezahlt (ohne Studienzuschuss).
Beihilfe für jedes zweite Bauernkind
Fast jeder zweite Studierende (43 Prozent), dessen Vater Land- oder Forstwirt ist, hat 2011 Studienbeihilfe erhalten. Das zeigt eine erstmals publizierte Auswertung der Beihilfebezieher nach dem Berufsstatus der Eltern in der gestern veröffentlichten Studierenden-Sozialerhebung 2011.
Unter Arbeiterkindern wurde hingegen nur jeder Vierte (26 Prozent) gefördert, unter Kindern von Ein-Mann-Unternehmern 23 Prozent, unter Kindern einfacher Angestellter und Selbstständiger mit Angestellten jeweils rund 15 Prozent. Unter Studenten, deren Vater leitender Angestellter, Beamter oder Freiberufler ist, erhielt weniger als jeder Zehnte Beihilfe.
Forderungen nach neuen Berechnungsmethoden
Zuletzt hat es in der SPÖ vermehrt Forderungen nach einer Veränderung der Berechnungsmethode gegeben, weil derzeit Kinder von Landwirten und Selbstständigen bevorzugt würden. Wie die Daten belegen, bekommt unter diesen tatsächlich ein größerer Anteil Beihilfen als im Gesamtschnitt von 15 Prozent aller Studenten.
Das liegt laut Studienautor Martin Unger vom Institut für Höhere Studien (IHS) allerdings weniger am Stipendiensystem, sondern habe mit dem gesamten Steuersystem zu tun. So würden auch bei der Berechnung der Stipendien bei Selbstständigen Pauschalen und bei Bauern der Einheitswert herangezogen. Er sieht das Problem der Studienbeihilfe allerdings ohnehin bei jenen 85 Prozent der Studenten, die gar keine Studienbeihilfe erhalten, und nicht bei der relativ kleinen Gruppen der Kinder von Bauern und Studenten.
Die Kinder von Bauern sind an den Hochschulen übrigens klar in der Minderheit, sie machen insgesamt nur vier Prozent aller Studenten aus. Die größte Gruppe sind jene Studiosi, deren Vater leitender Angestellter ist (22 Prozent), gefolgt von Kindern einfacher Angestellter (15 Prozent), einfacher Beamter und Arbeiter (je 13 Prozent), leitender Beamter (elf Prozent) sowie Kinder von Selbstständigen mit Angestellten (zehn Prozent) bzw. selbstständigen Ein-Mann-Unternehmern (sechs Prozent) und Freiberuflern (drei Prozent).
Mehr dazu in Kosten deutlich gestiegen
Publiziert am 15.09.2012