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„Ihr Opfer wird nie vergessen“

Bei einer Trauerzeremonie für die beim Angriff auf das US-Konsulat in Bengasi getöteten Diplomaten hat US-Präsident Barack Obama Standhaftigkeit angesichts der Gewalt beschworen.

„Ihr Opfer wird niemals vergessen werden, wir werden Diejenigen, die sie uns genommen haben, zur Rechenschaft ziehen. Wir werden standhalten angesichts der Gewalt gegen unsere diplomatischen Missionen“, sagte Obama neben den Särgen der am Dienstag in Libyen getöteten US-Bürger auf dem Luftwaffenstützpunkt Andrews - Video dazu in iptv.ORF.at.

Obama demonstriert Entschlossenheit

Die Regierung werde weiterhin „alles in ihrer Macht Stehende“ tun, um US-Bürger im Ausland zu schützen, versicherte der Präsident. Die vier Männer - der US-Botschafter in Libyen, Christopher Stevens, der Kommunikationsleiter des Konsulats, Sean Smith, und zwei US-Sicherheitskräfte - waren am Dienstagabend während Protesten gegen einen in den USA produzierten islamfeindlichen Film bei einem Angriff auf das Konsulat in der ostlibyschen Küstenstadt getötet worden.

US-Soldaten tragen die Särge der getöteten Botschaftsmitarbeiter aus BengasiAP/Carolyn KasterDie Särge mit den ermordeten Diplomaten

US-Außenministerin Hillary Clinton sagte bei der Zeremonie auf dem nahe der Hauptstadt Washington gelegenen Militärflughafen Andrews, die arabischen Staaten hätten nicht „die Tyrannei eines Diktators gegen die Tyrannei der Massen“ getauscht. Clinton sprach von einer Gewalttat, die niemand verstehen könne.

„Das ist vollkommen sinnlos, das kann nicht hingenommen werden“, so die Außenministerin. Clinton rief alle „vernünftigen Leute und verantwortungsvollen Führer dieser Länder“ auf, ihr Mögliches zur Wiederherstellung der Sicherheit und zur Bestrafung der Verantwortlichen der Gewalt zu tun.

Scharfe Kritik von UNO-Sicherheitsrat

Der UNO-Sicherheitsrat verurteilte die Angriffe. „Die Mitglieder des Sicherheitsrates verurteilen in schärfster Form die Serie von Gewalt gegen Botschaften und konsularische Vertretungen“, sagte der Präsident des Sicherheitsrates, in diesem Monat der deutsche UNO-Botschafter Peter Wittig. „Wir sind in tiefer Sorge wegen dieser Angriffe. Der Sinn diplomatischer Vertretungen ist friedlicher Natur, weil sie der besseren Verständigung dienen.“ Es gebe keinerlei Rechtfertigung für die Angriffe, „egal von wem, wann und aus welchen Motiven“.

„Die fundamentalen Prinzipien müssen gewahrt bleiben“, sagte Wittig. „Die Gastgeberländer sind für den Schutz der Botschaften nach dem Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen verantwortlich und müssen alle Schritte gegen Angreifer unternehmen.“ Der Rat rufe die Regierungen auf, alles zum Schutz der Vertretungen und ihres Personals zu tun.

Republikaner sehen Führungsschwäche

Die Republikanische Partei in den USA macht die antiamerikanischen Proteste in der islamischen Welt unterdessen zum Wahlkampfthema. Die Republikaner verweisen darauf, dass erstmals seit der Geiselnahme von Teheran 1979 bis 1981 unter dem damaligen demokratischen Präsidenten Jimmy Carter ein amtierender US-Botschafter getötet wurde. Gelingt es den Republikanern, Obama das Image von Carter anzuhängen, der mit dem gewaltsamen Ende der Geiselnahme politisch am Ende war, würde das für Obama zu einer schweren Hypothek im Wahlkampf werden.

Vizepräsidentschaftskandidat Paul Ryan warf US-Präsident Obama am Freitag Führungsschwäche vor. Dieser wende sich nicht mit klarer Stimme gegen diejenigen Kräfte, die amerikanische Botschaften angriffen.

„Es handelt sich um Extremisten, die auf Gewalt und Einschüchterung setzen“, sagte Ryan auf einer Wahlkampfveranstaltung in Washington. „Jede Mehrdeutigkeit und jedes unklare Signal macht sie nur mutiger“, fügte er hinzu. Es mangle an einer „festen und konsequenten Führung“ des Präsidenten.

Bombenalarm an US-Unis

Nach Bombendrohungen wurden am Freitag in den USA zwei Universitäten evakuiert. „Die Hochschule erhielt einen Anruf von einem Mann mit einem Akzent aus dem Nahen Osten, der behauptete, Bomben auf dem gesamten Campus platziert zu haben“, sagte ein Sprecher der Universität von Texas in Austin. Der Anrufer habe vorgegeben, mit Al-Kaida in Verbindung zu stehen. Daraufhin seien alle Gebäude geräumt worden. An der Universität sind rund 51.000 Studenten eingeschrieben und weitere 24.000 Mitarbeiter beschäftigt.

Auch an der staatlichen Universität in Fargo im US-Bundesstaat Nord-Dakota wurden alle Gebäude nach einer Bombendrohung evakuiert. Ob die Anrufe in Zusammenhang mit den Protesten gegen den Schmähfilm über den Propheten Mohammed stehen, blieb zunächst unklar. In Tunis hatten am Nachmittag Demonstranten die US-Botschaft gestürmt und Feuer in der amerikanischen Schule in der tunesischen Hauptstadt gelegt.

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Publiziert am 15.09.2012