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Reger „Besucherstrom“ vor Inselgruppe

Inmitten des Streits um eine Inselgruppe im Ostchinesischen Meer setzen sich China und Japan an den Verhandlungstisch. Vertreter beider Seiten kamen am Dienstag in Peking zusammen. Die Vorzeichen waren allerdings denkbar ungünstig, denn zugleich wollen beide Länder provokant ihre Ansprüche auf die Inseln demonstrieren. Außerdem gibt es mit Taiwan nun einen dritten Beteiligten.

Die Gespräche fanden auf höchster Ebene statt: Japan hat Vizeaußenminister Chikao Kawai nach Peking entsandt. Die chinesische Seite gab sich schon vor Beginn der Verhandlungen demonstrativ herrisch: China werde Japan auffordern, seine Fehler zu korrigieren und sich für bessere Beziehungen einzusetzen, erklärte das chinesische Außenamt. China hatte zuvor auch die japanisch-chinesischen Versöhnungsfeiern anlässlich der vor 40 Jahren wiederaufgenommenen diplomatischen Beziehungen abgesagt.

Japan „soll in sich gehen“

Die Gespräche brachten dementsprechend keine Annäherung. Chinas Vizeaußenminister Zhang Zhijun sagte, man werde „einseitige Handlungen Japans, die die territoriale Souveränität verletzen, niemals tolerieren“. Japan solle sich „von Illusionen verabschieden, in sich gehen und konkrete Handlungen setzen, um seine Fehler wiedergutzumachen“, und zum Konsens zurückkehren. Mit dem Kauf von drei der Inseln würde die japanische Regierung „auf historischen Fakten und Völkerrecht herumtrampeln“.

Landkarte zeigt das umstrittene Gebiet und die Länder China, Taiwan und Japan

APA; ORF.at

Die umstrittene Inselgruppe

Japan hatte die Inseln jüngst von einem privaten Eigner erworben und damit China verärgert, das ebenfalls Anspruch auf die unbewohnten Eilande erhebt. Tokio hatte damit nach eigenen Angaben verhindern wollen, dass die Inseln von japanischen Nationalisten erworben werden und der Konflikt damit noch brisanter wird. China nannte den Kauf jedoch illegal. Über den Standpunkt der japanischen Seite oder Kawais Äußerungen bei den Gesprächen verlor China kein Wort.

Aus zwei wird drei

Der Streit hatte in China zu massiven antijapanischen Protesten und wirtschaftlichen Boykottmaßnahmen geführt. Am Montag war es sogar vor der japanischen Botschaft in Ungarn zu Protesten von Exilchinesen gekommen. Auch in Japan fand zuletzt eine Demo statt, die von den Behörden allerdings bewusst kleingehalten wurde: Die nationalistisch gesinnten Demonstranten wurden nur in Gruppen zu jeweils fünf vor die chinesische Botschaft in Tokio gelassen.

Die Gespräche zwischen China und Japan dürften damit als vorerst gescheitert betrachtet werden, zumal die Provokationen andauern. Am Montag waren einmal mehr drei chinesische Patrouillenboote in japanische Hoheitsgewässer nahe der in Japan Senkaku und in China Diaoyu genannten Inseln eingedrungen, die einmal mehr erst nach empörtem Protest Japans im letzten Moment abdrehten. Für die japanische Küstenwache gab es jedoch keine Pause, denn nun ist auch Taiwan in den Konflikt eingestiegen.

Schiffe der Küstenwache von Japan, China und Taiwan bekämpfen sich mit Wasserwerfern

Reuters/Kyodo

Seit Dienstag heißt es „jeder gegen jeden“

Bizarres „Seegefecht“

Rund 40 taiwanesische Fischerboote waren am Montag mit 300 Fischern und 60 Reportern an Bord in See gestochen, um Taiwans Anspruch auf die von Japan verwaltete Inselgruppe zu unterstreichen. Die taiwanesische Küstenwache schickte mindestens acht Begleitschiffe. Die japanische Küstenwache sprach von mindestens 60 Schiffen, die schließlich Dienstagfrüh vor der Inselgruppe eintrafen. Was folgte, war ein einigermaßen bizarres Seegefecht mit Wasserwerfern.

„Gute Beziehungen“

Der japanische Fernsehsender NHK zeigte Bilder, auf denen zu sehen war, wie die japanische Küstenwache aus kurzer Entfernung mit Wasserwerfern auf die taiwanesischen Schiffe schoss. Die Patrouillenboote feuerten ihrerseits mit Wasser zurück und zogen sich zurück. Der japanische Regierungssprecher Osamu Fujimura sagte, die Schiffe seien zuvor gewarnt worden, nicht in japanische Gewässer vorzudringen, und verwies zugleich auf die „guten Beziehungen“ zwischen Japan und Taiwan.

Auch Taiwan erhebt wie Japan und China Anspruch auf die Felseninseln, die in fischreichen Gewässern liegen und um die umfangreiche Öl- und Gasvorkommen vermutet werden. Damit ist der Streit nun noch weit verworrener, als man es einen Tag zuvor noch für möglich gehalten hatte: Trotz kleinerer Konflikte um Fischfangrechte in der Region unterhält Taiwan an sich traditionell enge Bindungen zu Japan, während China Taiwan als abtrünnige Provinz betrachtet.

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