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Wachstum als sozialer Sprengstoff
Offiziell gibt man den lokalen Behörden, die für die Fehlentscheidungen verantwortlich seien, die Schuld. Hinter den Kulissen wird das Problem in charakteristischer Manier der Dekade unter Präsident Hu Jintao abgehandelt: großflächige Proteste um jeden Preis vermeiden – sei es mit Gewalt oder mit Zugeständnissen.
AP/ Eugene HoshikoDas Polizeiaufgebot bei einem der letzten größeren Umweltproteste in Qidong war enorm. Die Aktivisten ließen sich dennoch nicht abhalten - im Gegenteil.
Reuters/ Carlos BarriaDie Proteste richteten sich gegen die Einleitung von Industrieabwässern aus einem 100 Kilometer entfernten Papierwerk ins Meer nahe der Hafenstadt Qidong. Mit Hilfe von kleinen Blogs und Sozialen Netzwerken wurden Zehntausende Mitstreiter mobilisiert. Ein Regierungsgebäude wurde besetzt und verwüstet.
APAus dem Haus schleppten die Demonstranten Kisten voller Alkohol und Zigaretten, die in China als Bestechungsmittel für Beamte gelten. Zwei Autos wurden umgekippt, die Dokumente aus dem Gebäude zwischen ihnen verteilt.
Reuters/Carlos BarriaDie Situation eskalierte zusehends ...
Reuters/Carlos Barria... es gab Verletzte auf beiden Seiten
ReutersDie Abstände der Proteste quer durch das Land scheinen immer kürzer zu werden: Erst einen Monat davor demonstrierte die Bevölkerung der Stadt Shifang erfolgreich gegen die Errichtung einer Kupferschmelze.
ReutersZunächst hieß es lediglich, man wolle das Projekt erneut überprüfen, schon bald darauf wurde es gänzlich abgesagt.
APA/EPA/Li DongDie ersten großen Proteste ein Jahr davor richteten sich gegen eine Chemiefabrik in der Stadt Dalian – ebenfalls mit Erfolg.
AP/ Eugene HoshikoAuch in Qidong lenkten die Entscheidungsträger ein. Der Stopp des Projekts wurde noch während der Demonstrationen auf einer Anzeigetafel verkündet: für den US-Soziologen Yang Guobin, der an der Analyse von Umweltprotesten arbeitet, ein Paradebeispiel der üblichen Vorgangsweise.
APGuobin: „Der Zugang unterstreicht den Einsatz von Gewalt, wenn notwendig. Aber wenn die staatliche Intervention nicht funktioniert, mache sofortige Zugeständnisse, um eine Eskalation der Bewegung zu verhindern. Handle in jedem Fall schnell.“Links:
Publiziert am 27.09.2012