ORF-Journalist Friedrich Orter geht in Pension
Ob Jugoslawien, der Irak, Afghanistan oder Syrien - Friedrich Orter (63) war in den vergangenen 20 Jahren für den ORF an den gefährlichsten Orten der Welt unterwegs. Mit seinen Berichten von 14 Kriegen informierte er Österreichs Fernsehzuseher.
Die letzte Reportagereise führte Orter nach Syrien. Nun geht Orter in Pension, er absolvierte gestern seinen letzten Arbeitstag. Nach dem Tod seiner Frau sei etwas von seiner Kraft „weggebrochen“. Nun wolle er die Zeit des Ruhestands nutzen, um „ein bisschen mich selbst zu finden“, wie Orter im Interview mit der APA sagte.
In Sachen Wahrheit orientierte sich Orter an Friedrich Dürrenmatt: „Wir müssen nicht objektiv sein, wir müssen ehrlich sein. Wenn Sie da draußen sind, dann können Sie nur den Ausschnitt zeigen, den Sie erleben, ein Mosaikstein. Das Gesamtbild muss die Redaktion zusammensetzen. Das ist Wahrheitssuche.“
Finanzielle Einschnitte
Sorge bereiten Orter die wirtschaftlichen Zwänge, denen sich Journalisten heute ausgesetzt sehen. „Früher hatten wir das Privileg, jeden Monat zweimal herumreisen zu können. Heute ist das nicht mehr finanzierbar. Alle Sender und alle Zeitungen müssen sparen. Viele verwenden nur mehr Material von Agenturen - more of the same.“
Dankbar ist Orter den „mutigen Kameraleuten“, die ihn bei seinen Recherchen begleitet haben. „Ohne die wäre das alles nicht möglich gewesen.“ Angst sei bei der Arbeit ein ständiger Begleiter und „lebensnotwendiger Abwehrmechanismus“.
Seit 1975 beim ORF
Seine ORF-Karriere begann der promovierte Historiker und gebürtige Kärntner 1975 gleich nach seinem Studium. Orter arbeitete zunächst für die Kurzwelle und stieß dann zur neu gegründeten ORF-Osteuropa-Redaktion. Dort waren Paul Lendvai und Barbara Coudenhove-Kalergi seine „Lehrmeister“.
Polen, Rumänien und andere Länder der osteuropäischen Wende um 1989 zählten zu Orters Stationen. Mit dem „Krieg gegen den Terror“ kamen Krisengebiete in Zentralasien, dem Nahen und Mittleren Osten dazu.
Für seine Reportagen und Dokus wurde Orter immer wieder ausgezeichnet: Renner-Preis für Publizistik, Preis des Österreichischen Roten Kreuzes, OSZE-Preis für Journalismus und Demokratie, Ermacora-Preis für Menschenrechte und die „Kurier“-Romy.
Publiziert am 28.09.2012