Themenüberblick
Dauerrotieren in der Clubszene
In gewisser Weise ist das dänische Spot-Festival eine der Vorbildveranstaltungen für das nun zum zweiten Mal in Wien stattfindende Waves, das eine Mischung aus Musikbranchentreff und Publikumsevent sein will und gerade mit Konzerten an ausgefallenen Locations punkten möchte.
Der zweite Bezirk zwischen Donaukanal und Prater ist die Zone, wo zwischen 4. und 7. Oktober die Nacht wohl zum Tag werden muss. Und eine Straßenbahn soll wieder und mit verbesserter Tanzfläche zur Dance-Location werden, erläuterte Festivaldirektor Thomas Heher im Gespräch mit ORF.at.
Waves Vienna 2012
Von 4. bis 7. Oktober 2012 findet das Club- und Showcase-Festival Waves Vienna statt. Zwölf Bühnen entlang des Donaukanals und der Praterstraße werden vier Tage lang von neuen Talenten und bereits etablierten Acts bespielt. Dem Motto „East Meets West“ getreu bilden heuer Bands aus Polen und Frankreich den Schwerpunkt.
Probleme mit der Wahrnehmbarkeit
Dass es im Vorjahr noch Probleme gab, das Festival im Überangebot der Termine der Stadt wahrzunehmen, gesteht der Waves-Macher, fügt aber hinzu: „Wir müssen dem Publikum das Konzept des Showcase-Festivals - hier ein Branchentreff, da ein Musikevent, wo man bekannte Acts wiederfindet und neue Bands entdecken kann“ - weiter schmackhaft machen.
Auch andere Orte hätten länger gebraucht, diese Spezialform des Festivals näherzubringen. Punkten will man jedenfalls mit Locations, in denen die Bands auftreten. So hat man etwa mit dem Odeon, wo es eine Kooperation mit der Vienna Songwriters Association gibt, einen mehr als interessanten Spielort gefunden.
Waves ViennaMit der Tram um den Ring und ab in den 2.: Die Locations des Wave 2012„Vorbild Reeperbahn Festival“
„Ein Vorbild“, so Heher, „ist sicher auch das Reeperbahn Festival“ - dieses punktet gerade mit Kietz-Clubs und Venues, die nicht alltäglich sind. Orientierungshilfen beim Entdecken neuer Tunes möchte man in Wien via Website und Apps geben: Bekannte Künstler wie Austrofred gaben und geben Tipps, was sie sich beim Waves anhören wollen. Zusätzlich bietet man via Deezer einen eigenen Radiokanal an, der musikalische Teaser zum Festival liefert. Wie bei jedem internationalen Festival geht heute ohnedies nichts mehr ohne Videos auf YouTube und Vimeo.
Waves ViennaTanzen in der Straßenbahn soll heuer leichter gehen, weil die Sitze ausgebaut werden und die ganze Bim Tanzfläche istPop und Dance als Export-„Gut“
Für die Branche ist das Festival insofern wichtig, als es Treffpunkt der sich in vielen Ländern etablierenden Musikexportbüros sein wird. Die Skandinavier, vor allem Dänen, aber auch Isländer, haben vorgemacht, dass Pop- und Indie-Produktionen wichtiger Bestandteil von Kulturexportförderung sein können.
Giovanni Trono, Luxemburger mit italienischen Wurzeln, vertritt das luxemburgische Musikexportbüro music:LX, das selbst Ende November mit Sonic Visions in Luxemburg ein ähnliches Festival auf die Beine stellt. Trono hofft auf viele interessante Geschäftskontakte in der Szene - gleichzeitig, so sagt er, könne man hier zahlreiche Bands entdecken und mit deren Vertretern ins Gespräch kommen.
Netzwerke und Kooperationen schaffen heißt das Motto für die Branchenvertreter bei dem Festival in Zeiten eines nicht leichter werdenden Musikbusiness. Und, so formuliert Trono seine Wien-Erwartung: „Ich will hier auch Dinge aus dem Osten entdecken.“ Zur Akzentsetzung gibt es beim Waves immer zwei Schwerpunktländer, aus denen verstärkt Acts gebucht werden: Heuer ist das neben Frankreich Polen. In beiden Ländern war die heimische Exportinitiative Austrian Music Export, eine Kooperation des Musikinformationszentrums mica mit dem Österreichischem Musikfonds, mit den Veranstaltungsreihen „Vienna my love“ und der Exportförderung von Bands wie Electro Guzzi, Luise Pop und M185 in diesem Jahr aktiv.
ORF.atRangleklods aus Dänemark: Die Dance-Elektro-Entdeckung des heurigen Spot-Festivals kommt Samstagnacht nach WienDer Andrang aus dem Norden
Ein besonderes Augenmerk wird beim Waves auch auf Klängen aus dem hohen Norden liegen. Unter den Skandinaviern sind die Dänen wieder stark präsent. Zu entdecken gibt es etwa mit Rangleklods den vielleicht aufregendsten Electro-Dance-Act des abgelaufenen Spot-Festivals. Die auch zu Dänemark gehörenden Färöer sind mit einer Serie spannender Bands unterwegs. Neben dem Elektro-Beat Junky Sakaris werden die färöischen Bands Budam und Orka zusammen auftreten und zeigen, wie viel an Crossover zwischen traditioneller Musikkultur und elektronischen Spielformen möglich ist.
ink musicSakaris: Tanzbeats aus dem Nordatlantik in Wien„Ich war noch nie in Wien“, erzählt Sakaris Emil Joensen im Vorfeld des Events: „Insofern komme ich nicht nur als Musiker, sondern irgendwie auch als Tourist hierher. Ich freue mich, mich mit vielen Leuten aus der Szene vernetzen zu können und mein Debütalbum vorstellen zu können. Und natürlich, ich möchte im Flex Cafe eine heiße Electro-Pop-Party hinlegen.“
Frostfelt, ebenfalls aus der abgelegenen Inselgruppe, kommt quasi als Eisbrecher nach Wien, um einen Hauch Sentiment durch die abgeklärte Haltung des Nordens sprießen zu lassen. Alle, die es nicht bis zum Festival am Ende der Welt geschafft haben, können beim Waves eine guten Portion der dortigen Musik-Acts nun in Wien live hören.
„Namen, die vor dem Durchbruch stehen“
Für Reinhold Seyfriedsberger von ink music, der zusammen mit Klaus Plewa und Max Zeller neben dem Festivaldirektor die Bands für das Festival ausgesucht hat, ist ein Aspekt bei der Auswahl zentral: „Es müssen neben einigen bekannten Namen Bands zu sehen sein, die knapp vor dem Durchbruch stehen.“
Dem Publikum bietet sich damit die Gelegenheit, schon jetzt Leute zu hören, über die man in ein, zwei Jahren spricht (und den Hinweis parat zu haben: „Kenne ich, habe ich beim Waves gehört“). Für die Musikbranche wiederum sind genau jene jungen Namen interessant, weil man diese noch unter Vertrag nehmen und in andere Länder „exportieren“ kann. Genau für diesen Vernetzungsgedanken gibt es im Zuge des Festivals eine Vielzahl an Konferenzen und Vorträgen, in denen der Aspekt Vernetzung von der Theorie in die Praxis geführt werden soll.
Die Zugpferde beim Waves
Zugpferde müssen natürlich auch die großen Namen sein. Die bühnenfüllenden und klangmächtigen The Soundtrack of Our Lives aus Schweden kommen nicht nur mit einem neuen Album - sie spielen im Rahmen des Waves ihr österreichisches Abschiedskonzert. Dillon und Ex-Stella-Bassist Hendrik Weber aka Pantha du Prince markieren wiederum die bekanntere deutsche Präsenz.
Waves ViennaIndie-Saurier sagen Adieu: The Soundtrack of Our Lives das letzte Mal auf TourVon den heimischen Künstlern mit Fernwirkung wird B. Fleischmann im Rahmen des Waves sein neues Album vorstellen. Als Geheimfavorit vieler Kritiker wird im Moment der Auftritt des französischen Elektropop-Produzenten Vincent Belorgay alias Kavinsky gehandelt, der einen Hauch von Justice in die Fluc-Wanne bringen soll.
Eröffnung mit Doku über LCD Soundsystem
Die offizielle Eröffnung des Waves Vienna wird am 4. Oktober im Wiener Gartenbaukino stattfinden, wo die Dokumentation „Shut Up and Play the Hits“ über LCD Soundsystem zum ersten Mal in Österreich zu sehen ist.
Waves ViennaFilmischer Tribut an den Dance-Punk von James Murphy markiert den Beginn des FestivalsFür alle Hartgesottenen, die nach dem nächtlichen Musikmarathon rechtzeitig aufstehen, gibt es am Samstagnachmittag einen Augen- und Magenschmaus der besonderen Art. Österreichische und färöische Musiker zelebrieren die besondere Beziehung beider Länder auf dem grünen Rasen.
Im Wettsteinpark (Samstag, 6.10., 17.00 Uhr) spielen färöische gegen österreichische Musiker eine quasi vorgezogene WM-Qualifikation. Zur Stärkung von Nerven und Physis stellt der Veranstalter freien Aquavit und ein Buffet aus getrocknetem Fisch in Aussicht. Zumindest im Magen sollte das Waves in diesem Jahr ordentliche Wellen schlagen.
Gerald Heidegger, ORF.at
Links:
- Waves Vienna
- Waves-Radio auf Deezer
- Mica
- Ink music
- Music:LX
- TUTL Records, Färöer
- Bureau Export
- Institut Adam Mickiewicz
Publiziert am 03.10.2012