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Elektronischer Zahlschein

Während QR-Codes in Österreich gerade einmal für Werbezwecke eingesetzt werden, sind die Mosaikkästchen in Japan seit Jahren in allen Lebensbereichen allgegenwärtig: Millionen Japaner scannen regelmäßig die sogar von der Einwanderungsbehörde in Visa gedruckten Pixellinks.

Österreichs Banken wollen den QR-Code nun als Eingabehilfe für den Zahlungsverkehr etablieren. Aufgedruckt auf Rechnungen und Zahlungsanweisungen soll das Pixelmuster die händische Eingabe von IBAN und BIC überflüssig machen.

Formular schon ausgefüllt

Um eine Rechnung zu begleichen, öffnet der Zahler dann die App seines Geldinstituts und wählt dort die QR-Readerfunktion, um den Pixelcode mit der Handykamera zu scannen. Anschließend wird der Kunde direkt mit dem Onlinebanking verbunden und sieht nach der Eingabe von Log-in und Passwort die Überweisungsdaten in einem vorausgefüllten Formular.

Die gezeigten Daten können dabei vom Nutzer noch nach Belieben (zum Beispiel der Betrag und das Durchführungsdatum) verändert werden. Anschließend erfolgt die Unterschrift wie gewohnt mittels Einmalpasswort (TAN, Transaktionsnummer).

Gedruckter Link seit 1994

Bereits 1994 von der japanischen Firma Denso Wave zur Kennzeichnung der Bauteile in der Toyota-Automobilproduktion entwickelt, ist der QR-Code längst fester Bestandteil des japanischen Alltags.

Auch SB-Geräte in Foyers mit QR-Scanner

Nutzer ohne Smartphone können die Selbstbedienungsgeräte in den Foyers der Banken zum Scannen der QR-Codes nutzen. Schon jetzt gibt es Lesefunktionen bei den SB-Geräten, die handschriftlich ausgefüllte Belege erkennen sollen – aufgrund der Vielzahl an verschnörkelten Handschriften jedoch bisher nur mit eingeschränktem Erfolg. Diese bestehenden Geräte werden ab nächstem Jahr mit der neuen QR-Scanfunktion aufgerüstet.

Um einen QR-Beleg einzulesen, steigt der Kunde am SB-Gerät wie gewohnt mit seiner Bankservicekarte bzw. Bankomatkarte ein und hält anschließend den Beleg unter den Scanner. Die eingespeisten Daten werden angezeigt, können geändert und schließlich mit dem PIN-Code der Bankkarte bestätigt werden.

Generator erstellt Schwarz-Weiß-Mosaik

Die für eine Überweisung nötigen Daten (Empfängername, IBAN des Empfängers, eventuell auch Betrag, Zahlungsreferenz) müssen vom Zahlungsempfänger in einen QR-Code eingebettet werden. Die österreichische Studiengesellschaft für die Zusammenarbeit im Zahlungsverkehr (STUZZA) stellt Interessierten einen entsprechenden Codegenerator bereit. Ist das Schwarz-Weiß-Mosaik erstellt, kann es direkt auf die Zahlungsanweisungen gedruckt werden.

Keine Tippfehler trotz IBAN

Mit der neuen Einlesemethode sollen Tippfehler bei der Eingabe der Kontonummern vermieden werden. Denn mit 1. Februar 2014 stellen Österreichs Kreditinstitute auf die internationalen Kontonummern um. Statt Bankleitzahl und Kontonummer müssen dann die wesentlich längeren, internationalen Gegenstücke IBAN (20 Stellen) und BIC (acht bzw. elf Stellen) angegeben werden. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, beim Abschreiben oder Eintippen des Buchstaben-Zahlen-Codes Fehler zu machen.

Vom Energieversorger bis zur Arzthonorarnote

Einige große Versender von Rechnungen - wie etwa Energieversorger und Telekomanbieter, die schon bisher vorgedruckte Zahlungsanweisungen verschicken, - testen das neue Verfahren bereits. Auch die in Banken aufliegenden Blankobeläge von Spendenorganisationen könnten schon bald mit QR-Codes versehen sein.

Die Schwarz-Weiß-Muster können auch direkt auf Rechnungen von Handwerkern und Honorarnoten von Ärzten gedruckt werden - und damit das Abtippen klein gedruckter Zahlenkolonnen aus dem Briefkopf unnötig machen. Um nicht für jeden Kunden bzw. jeden Patienten einen eigenen QR-Code erzeugen zu müssen, wäre hier wohl die Beschränkung auf die Einbettung der Kontodaten am sinnvollsten. Die Zahler müssten dann nur noch Betrag und Verwendungszweck selbst im Onlineformular ausfüllen.

Muster einer Zahlungsanweisung mit QR-Code

www.stuzza.at

Der QR-Code wird auf Erlagscheine oder direkt auf Rechnungen gedruckt

Erste Bank und BAWAG bereits gestartet

Die App der Erste Bank und Sparkassen unterstützt bereits QR-Code-Transaktionen („Scan&Pay“). In einem zweiten Schritt sollen bis Mitte 2014 auch die Selbstbedienungsgeräte im Foyer umgerüstet werden. Auch bei der BAWAG P.S.K. kann der QR-Code bereits via Handy-App zum direkten Einlesen der Zahlungsdaten genutzt werden.

Die Bank Austria plant laut Pressesprecher Matthias Raftl, ihre App bis Mitte dieses Jahres entsprechend zu aktualisieren. Die Selbstbedienungsgeräte sollen ab dem nächsten Jahr die QR-Scanfunktion unterstützen. Auch Raiffeisen will in diesem November eine entsprechendes Update seiner Smartphone-App auf den Markt bringen.

Österreichischer Standard als EU-Norm

Auch in anderen Ländern ist der digitale Zahlungsverkehr gerade ein vieldiskutiertes Thema. In Finnland läuft der Zahlungsverkehr bereits seit 20 Jahren über Strichcodes. Jeder Bankomat ist dort mit einem Barcodescanner ausgerüstet und kann Rechnungen direkt einlesen.

Auslesen mit dem Smartphone

Um einen QR-Code mit der Handykamera auszulesen, benötigt man eine entsprechende App für sein Smartphone. Zu den bekanntesten QR-Readern zählt etwa i-nigma (kostenlos für Android und iPhone).

Beim Einsatz von QR-Codes nimmt Österreich eine Vorreiterrolle ein. Der Standard für den Einsatz sowie die physischen Regeln für den Druck der QR-Codes auf Zahlscheinen und Rechnungen wurden von der STUZZA - einer seit 1991 bestehenden Kooperationsplattform der größten österreichischen Kreditinstitute - festgelegt. Diese Normen sind für alle österreichischen Kreditinstitute verbindlich und gewährleisten, dass unabhängig von der Kontoverbindung des Empfängers oder des Zahlenden via App und QR-Codes Überweisungen durchgeführt werden können.

Die STUZZA hat diese Norm auch dem European Payment Council in Brüssel zur Verfügung gestellt. Dort wurde sie als Empfehlung in das Regelwerk für SEPA-Überweisungen aufgenommen. Damit könnten auch Institute aus anderen Ländern folgen und dabei auf den österreichischen Standard setzen.

Beate Macura, ORF.at

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