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Bizarrer US-Wahlkampf

Das Hobby einer US-Demokratin ist zum bestimmenden Thema im Senatswahlkampf im US-Bundesstaat Maine geworden. Die Republikaner werfen der Herausforderin Colleen Lachowicz ihr Vorliebe für das Onlinerollenspiel „World of Warcraft“ vor. Darin spielt sie einen recht blutrünstigen Ork - Grund genug für die politischen Gegner, an ihrer Reife zu zweifeln.

Der Kampf ums Weiße Haus zwischen Präsident Barack Obama und seinem republikanischen Herausforderer Mitt Romney ist zwar die wichtigste, bei weitem aber nicht einzige Entscheidung, die am 6. November getroffen wird. Auch Mitglieder des Repräsentantenhauses und ein Drittel der Senatoren werden gewählt. Und auch etliche Bundesstaaten wählen ihre Gremien - und dabei geht es mitunter bunt zur Sache.

Millionen Spieler

„World of Warcraft“ kam 2004 auf den Markt und galt lange als erfolgreichstes Onlinerollenspiel. In seiner besten Zeit begeisterte es weltweit rund zwölf Millionen Spieler.

„Ich steche gerne Dinge ab“

Eine ganze Website haben die Republikaner in Maine dem Hobby von Lachowicz und ihrer Figur “Santiaga”, einem sogenannten Ork-Meucheln-Schurken, gewidmet. Vor allem ihre Wortmeldungen auf ihrem Blog haben es den Republikanern angetan. „Entschuldigt mich jetzt bitte, ich muss schnell Grover Norquist fangen und ihn in meiner Badewanne ertränken“, schrieb sie einmal.

Besonders diesen Scherz über die US-Galionsfigur der Bewegung gegen Steuererhöhungen nahmen die Republikaner besonders übel. Auch Meldungen wie „Ich steche gerne Dinge ab“ und „Wir haben darüber gescherzt, eine sozialistische Gilde zu gründen“ nehmen die Republikaner ernst.

Reife infrage gestellt

Dabei stelle sich die Frage, ob Lachowicz für ein solches Amt fit genug sei und den Bundesstaat im Senat repräsentieren könne, heißt es weiter. Die Demokratin würde ein „bizarres Doppelleben führen“. Ihre Reife sei damit infrage gestellt, sagte der Sprecher der Republikaner in Maine, David Sorensen.

Lachowicz ging zum Gegenangriff über und sagte, dass die Republikaner „abgehoben“ seien. Es sei verrückt, dass sie für ihre Vorliebe für Onlinespiele angegriffen werde. Aber mit 183 Millionen anderen US-Amerikanern, die ebenfalls online spielen, sei sie in guter Gesellschaft: „Was ist das Nächste? Werde ich geächtet, wenn ich ‚Angry Birds‘ spiele?“

Prominente Gamer

Zudem würden mehr über 50-Jährige zu den Onlinegamern gehören als unter 18-Jährige - und auch Prominente wie Jodie Foster, Vin Diesel, Mike Myers und Robin Williams seien darunter, so Lachowicz in ihrem Statement. Statt über ihre Hobbys zu sprechen, sollten die Republikaner lieber ihre eigene Politik der vergangenen zwei Jahre unter die Lupe nehmen.

Tatsächlich ist der unorthodoxe Schlagabtausch eine Folge des knappen Rennens in Maine. Der rund 80.000 Einwohner zählende Wahlkreis ist seit den 60er Jahren demokratisch - erst vor zwei Jahren konnte der Republikaner Tom Martin den Sitz erringen - den er nun mit Zähnen und Klauen verteidigen will, schreibt Politico. Ob die Strategie, Computerspieler als tendenziell verschroben und quasi satanistisch zu verunglimpfen, heute noch aufgeht, wird sich weisen. Lachowicz erhielt jedenfalls jede Menge Beistand von Sympathisanten.

Schlammschlacht nach Fairnessabkommen

Doch auch anderenorts treibt der Wahlkampf skurrile Blüten. US-Medien wie „Daily Beast“ schreiben, dass im Massachusetts das hässlichste und kläglichste Rennen um einen Sitz im US-Senat tobt. Die Demokratin Elizabeth Warren und der Republikaner Scott Brown unterzeichneten zwar ein Fairnessabkommen, begannen aber kurz danach, sich mit allen Mitteln zu bekriegen und sorgen damit für den teuersten Kampf um einen Senatssitz in diesem Wahljahr.

Die Konsumentenschützerin Warren offenbarte im Wahlkampf, Cherokee-Wurzeln zu haben und sich damit als ethnische Minderheit zu fühlen. Den - wohl nicht ganz unstrategischen Schritt - griff ihr Widerpart scharf an: Man könne sehen, dass das nicht der Fall sei, sagte Brown. Zudem nannte er die Juristin Warren immer wieder „Professor“, offenbar um sie als Intellektuelle zu diffamieren. Die wiederum versuchte, den Republikaner als weißen Extremisten hinzustellen.

„Nachgewachsene“ Finger

Auch im konservativen Montana geht es heiß her. Dort stehe sich die beiden Farmer Jon Tester von den Demokraten und Denny Rehberg von den Republikanern gegenüber - und das um einen durchaus entscheidenden Sitz im US-Senat. Die Republikaner versuchten den durchaus hemdsärmeligen Tester als Intimfreund von Präsident Obama hinzustellen und veröffentlichten ein Foto der beiden. Schönheitsfehler: Tester hatte als Kind bei einem Unfall drei Finger seiner Hand verloren - beim Händedruck mit dem Präsidenten hat er alle fünf - und dieses Photoshopdesaster könnte den Republikanern nun auf den Kopf fallen.

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Publiziert am 06.10.2012