Timoschenko wirft Kiew heimliche Videoüberwachung vor
Die inhaftierte ukrainische Oppositionsführerin Julia Timoschenko hat in einem offenen Brief Präsident Viktor Janukowitsch vorgeworfen, sie heimlich in ihrem Krankenhauszimmer filmen zu lassen.
Versteckte Kameras würden sie sogar in der Dusche, auf der Toilette und vor ärztlichen Untersuchungen in der Umkleidekabine aufzeichnen, las Timoschenkos Anwalt Sergej Wlassenko gestern aus dem an den Staatschef adressierten Brief vor. Die Politikerin deutete an, Janukowitsch würde die Aufnahmen regelmäßig anschauen.
Timoschenko will zurück ins Gefängnis
Sie lehne eine weitere Behandlung im Krankenhaus ab und wolle zurück ins Gefängnis, schrieb Timoschenko. Vor kurzem war auf der Internetplattform YouTube ein Video erschienen, das eine Timoschenko ähnelnde Frau mit Rollator im Krankenhauszimmer und bei der Sportgymnastik zeigt.
Die Politikerin bestätigte in ihrem Brief, dass es sich um Aufnahmen von ihr handle. Die Gefängnisbehörde erklärte hierzu am Freitag, es gebe lediglich eine Echtzeitüberwachung, es würden aber keine Aufzeichnungen gemacht. Der Urheber der Veröffentlichung solle ermittelt werden.
Seit Mai in Hand deutscher Spezialisten
Timoschenko sitzt derzeit wegen Amtsmissbrauchs während ihrer Zeit als Ministerpräsidentin eine siebenjährige Haftstrafe ab. Das Urteil war international als politisch motiviert kritisiert worden.
Timoschenko misstraut einheimischen Medizinern und wird seit Anfang Mai in Charkiw von Spezialisten der Berliner Charite-Klinik unter anderem wegen starker Rückenschmerzen behandelt. Auch die deutschen Ärzte hätten die Zustände im Krankenhaus der Stadt rund 450 Kilometer östlich von Kiew als „Stress“ für Patienten kritisiert, behauptet Timoschenko.
Publiziert am 19.10.2012