„Harte Bandagen“ bei letzter Debatte
Es war der letzte große Showdown vor der US-Präsidentschaftswahl am 6. November: In der Nacht auf Dienstag fand die mit Spannung erwartete dritte TV-Debatte der Kandidaten statt. Laut Umfragen ging der Punktesieg an Präsident Barack Obama. Kommentatoren sehen das Rennen zwischen ihm und dem Republikaner Mitt Romney aber weiter offen.
Die „New York Times“ („NYT“) schrieb von einer „spannenden Debatte“. Doch trotz allen rhetorischen Feuerwerks habe sie wenige echte Unterschiede in der inhaltlichen Herangehensweise der Kandidaten an außenpolitische Themen zutage gebracht. Es seien eher der Tonfall und der politische Stil und Fragen des Amtsverständnisses gewesen, in denen sie voneinander abwichen. Im Grunde sei es darum gegangen, wer die unstrittigen Ziele der USA effizienter umsetzen könne.
Und hier habe Obama zuschlagen können - mit ausladender, entschiedener Gestik und bewaffnet mit den legendären „Zingers“, also witzigen, bösen Volltreffern. Dazu zählt die „NYT“ Obamas Belehrung, dass der Kalte Krieg mit Russland vorbei sei und dass die USA nicht mehr so viele Kriegsschiffe brauchten, weil es ja Flugzeugträger gebe und man schließlich auch weniger Pferde und Bajonette habe, weil die Welt sich verändert hat - und mit ihr das Kriegswesen.

AP/David Goldman
Romneys Hauptziel war es offenbar, keine Fehler zu machen
Rennen weiterhin offen
Die „Washington Post“ sprach in ihrer Analyse von harten Bandagen bei der Debatte. Romney habe vor allem zu Beginn der Diskussion überaus vorsichtig agiert und erst im Verlauf der eineinhalb Stunden Selbstvertrauen gefasst. Obama hingegen habe sich von Anfang an kampflustig gegeben und vor allem mit seiner größeren Erfahrung zu punkten versucht.
Zusammenfassend bezeichnete die „Washington Post“ die Serie von drei Debatten als „fesselnd“ - noch nie hätten TV-Debatten solch dramatische Wendungen für einen Wahlkampf gebracht. Beim ersten Duell habe Romney gegen einen lustlosen Präsidenten brilliert, der erst in der zweiten Debatte aufholen konnte. Nun, nach dem dritten Zusammentreffen, sei das Rennen offen: Einer neuen Umfrage zufolge würden nun 49 Prozent Obama wählen, 48 Prozent Romney - statistisch kein signifikanter Unterschied.
Umfragen sehen klaren Gewinner
Umfragen, in denen explizit nur nach diesem TV-Duell gefragt wurde, zeigen ein deutliches Ergebnis: Obama setzte sich demnach klar gegen Romney durch. Laut einer Erhebung von CBS News gewann der demokratische Amtsinhaber bei der Debatte mit 53 zu 23 Prozent gegen seinen republikanischen Gegner. Laut CNN lag Obama mit 48 Prozent vor Romney mit 40 Prozent. Die erste Auseinandersetzung hatte Romney für sich entschieden, bei der zweiten schnitt Obama besser ab.
Noch deutlicher zeigte sich die Meinung der Wähler bei einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Reuters/Ipsos, die am Dienstag veröffentlicht wurde: Während 47 Prozent der Befragten Obama als Gewinner sahen, konnte Romney gerade einmal 31 Prozent für sich verbuchen.
Al Gores Kritik an den Debatten
Nach jeder TV-Debatte werden enge Vertraute der Präsidenten und Mitstreiter der Parteien über ihre Meinung gefragt. Selten ist dabei mehr als Wahlwerbung zu hören - aber manchmal doch, wie etwa diesmal bei Al Gore, dem früheren demokratischen Vizepräsidenten und Friedensnobelpreisträger: „Wo bleibt die Klimaerwärmung bei dieser Debatte? Der Klimawandel ist ein wichtiges außenpolitisches Thema.“
Obamas Vizepräsident Joe Biden war dagegen ganz auf Linie: „Heute Abend haben wir gesehen, was es ausmacht, der Oberbefehlshaber zu sein: Weitblick, Mut und eine ruhige Hand.“ Naturgemäß schwärmte auch seine Ehefrau Michelle für Obama: „Ich bin so stolz darauf, wie Barack uns in den vergangenen vier Jahren auf der Weltbühne präsentiert hat. Und heute Abend hat er auch auf der Debattenbühne geglänzt.“
„Drei Debatten, keine Vision“
Wortspenden aus Romneys Lager beschäftigen sich weniger mit dem republikanischen Kandidaten, sie fielen vielmehr, wie zu erwarten war, kritisch gegenüber dem Amtsinhaber aus. Reince Pribus, der Vorsitzende der Republikanischen Partei, sagte über Obamas Auftreten knapp: „Drei Debatten, keine Vision“. Romneys Sprecher Ryan Williams kommentierte: „Heute Abend wirkt Barack Obama wie ein Kandidat, der weiß, dass ihm die Zeit davonläuft.“

AP/David Goldman
Obama gab sich souverän
„Amerika muss stark sein“
Obama und Romney machten in der eineinhalbstündigen Debatte in Boca Raton (Florida) jeweils klar, dass sie eine weltweite Führungsrolle für die USA beanspruchen. „Amerika muss stark sein. Amerika muss führen“, sagte Romney. Ganz ähnlich Obama, er unterstrich aber zugleich seine eigenen Erfolge. „Die Welt braucht ein starkes Amerika.“ Die USA seien jetzt stärker als vor vier Jahren. Zudem habe er nach der Ära seines Vorgängers George W. Bush die Beziehungen zu vielen Staaten und Verbündeten verbessert, sagte Obama. Dazu zähle auch Europa.
Der Demokrat warf seinem republikanischen Herausforderer eine rückwärtsgewandte außenpolitische Agenda vor. Mit der Bezeichnung Russlands als „geopolitischer Gegner“ führe der ehemalige Gouverneur von Massachusetts die USA auf einen Standpunkt des Kalten Krieges zurück, sagte der Präsident. „Sie wollen offenbar die Außenpolitik der 80er Jahre zurückholen“, warf Obama seinem Gegner vor. Für die nunmehr faktisch gleichauf liegenden Kontrahenten war es die letzte große Chance, sich landesweit in Szene zu setzen.
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