Moskau klagt Oppositionellen wegen Aufstandsplanung an
Die russische Justiz hat den Oppositionellen Leonid Raswosschaew wegen Planung von „Massenaufständen“ angeklagt. Wie das Untersuchungskomitee gestern mitteilte, wurde der Linksfront-Führer Sergej Udalzow für Freitag vorgeladen, um in demselben Fall angeklagt zu werden. Raswosschaew warf den russischen Strafbehörden vor, ihn aus der Ukraine entführt und tagelang gefoltert zu haben.
Nach Angaben der Justiz stellte sich Raswosschaew am Sonntag den Behörden und kam daraufhin in Untersuchungshaft. Der Mitarbeiter Udalzows selbst sagte jedoch, er sei von russischen Beamten aus der Ukraine entführt worden.
Politisches Asyl sollte beantragt werden
In einem Video der Onlineausgabe der russischen Zeitung „Life News“ sagte er vor einem Gerichtsgebäude in Moskau zu Journalisten: „Ich bin zwei Tage lang gefoltert worden. Sagt es, man hat mich aus der Ukraine entführt.“
Nach Aussagen seines Umfelds floh Raswosschaew in die Ukraine, um dort politisches Asyl zu beantragen, nachdem vergangene Woche seine Wohnung durchsucht worden war. Das UNO-Flüchtlingskommissariat bestätigte, dass er sich in ihrem Büro in Kiew um die Anerkennung als Flüchtling bemüht habe. Er sei zu einer Beratungsstelle geschickt worden, am Freitag aber verschwunden.
Sender berichtete von Putschvorbereitung
Die Justiz hatte vergangenen Mittwoch Ermittlungen gegen Udalzow, Raswosschaew und einen weiteren Mitarbeiter eingeleitet, nachdem ein regierungsnaher Sender einen Beitrag ausgestrahlt hatte, in dem sie angeblich bei der Planung eines Putsches gegen Präsident Wladimir Putin zu sehen sind.
Udalzow war einer der Hauptorganisatoren der Anti-Putin-Proteste im vergangenen Winter. Wegen seiner Aktivitäten wurde er allein 2011 achtmal inhaftiert.
Publiziert am 23.10.2012