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400 Meter Kabel mitten in Wien gekappt

Kupferdiebstähle nehmen immer mehr zu - auch wenn es angesichts des Aufwands zunächst absurd klingt. Die Häufung ist ein klarer Beleg dafür, dass der Diebstahl von Kupferteilen aller Art in der Öffentlichkeit - das Spektrum reicht ja von Schuldächern über Pflanzenschalen auf Friedhöfen bis zu Leitungen der ÖBB - ein einträgliches Geschäft ist.

Nicht nur entstand den ÖBB dadurch allein im Vorjahr ein Schaden von 2,4 Millionen Euro (2012 bisher 1,3 Mio. Euro) - mindestens ebenso schwerwiegend und lästig ist wohl der „Kollateralschaden“: das damit verbundene Chaos im Zugsverkehr. So schlugen Kupferdiebe allein in den letzten Wochen zweimal mitten in Wien - beim Verkehrsknoten Praterstern - zu. Der morgendliche Pendlerverkehr war jeweils für mehrere Stunde stark beeinträchtigt, Züge konnten teils nicht fahren oder nur mit teils großer Verspätung und waren entsprechend überfüllt.

Mann arbeitet an einem Kupferkabel

APA/EPA/Vincent Gautier

Der Kupferdraht ist auf Rollen aufgewickelt

28.000 Euro Schaden

Allein beim letzten Diebstahl, der Montagfrüh entdeckt wurde, wurden auf einer Strecke von 500 Metern 150 Kupferkabel - insgesamt 400 Meter - gestohlen. Die Schadenshöhe für die ÖBB beträgt rund 28.000 Euro, bis zu 25 Mann waren im Einsatz, um die Störung möglichst rasch zu beheben. Die Diebe trennen die neben der Strecke oder im Schienenbett verlegten Kabel ab und ziehen sie heraus. Wie genau die Kupferdiebe vorgehen, weiß man laut ÖBB-Pressesprecher Herbert Ofner aber nicht, da sie noch nie in flagranti ertappt wurden.

Laut Mario Heil vom Bundeskriminalamt (BK) sind allerdings keine Spezialkenntnisse dafür nötig. Notwendig sei einzig das Wissen, welche Kabel stromleitend sind und welche nicht. Die stromführenden Kabel seien allerdings auch gekennzeichnet. Erdungskabel führten zwangsweise in die Erde. Heil spricht gegenüber ORF.at von einer schweißtreibenden Tätigkeit, die Kabel auszugraben.

TV-Hinweis

Der „Report“ beschäftigt sich am Dienstag um 21.05 Uhr in ORF2 mit dem Thema - mehr dazu in tv.ORF.at.

Lange Verzögerung

ÖBB-Pressesprecher Ofner sagte gegenüber ORF.at, dass es die Kupferbanden sowohl auf Erdungskabel als auch auf Signalkabel abgesehen haben. Demnach fällt der Diebstahl letzterer sofort auf, da die Unterbrechung von Signalen in der Fahrdienstleitung unmittelbar anzeigt wird. Bis der Diebstahl von Erdungskabeln, die Oberleitungsmasten mit den Schienen verbinden, bemerkt wird, könne es aber dauern, so Ofner. Im Prinzip falle das erst bei der Inspektion einer Strecke auf.

Die ÖBB haben vor einigen Monaten eine eigene „Task-Force Kupfer“ gegründet, in der die betroffenen Konzernabteilungen enger zusammenarbeiten, um schneller auf Diebstähle reagieren zu können. Auch das Innenministerium ist eingebunden, um Schwerpunktmaßnahmen einheitlich zu planen.

Buntmetalle heiß begehrt

Die Täter würden zumindest zu zweit vorgehen, doch auch Zusammenschlüsse von mehreren Personen seien möglich, so Heil vom BK zu ORF.at. Die hohen Preise für Buntmetall würden die Diebstähle für Täter aus dem Osten lukrativ machen. Von Friedhofszinn bis zu Kupferkabeln werde alles gestohlen. Der Wert sei zwar relativ gering, der Schaden aber durch die Wiederherstellung und den Reputationsverlust hoch, so Heil zu ORF.at. Der Nachweis des Diebstahls sei schwierig, da sich ja das Kupfer nicht eindeutig zuweisen lässt.

Kabel werden markiert

ÖBB-Kabel werden mittlerweile durch „unsichtbare Mikropunkte“ gekennzeichnet, die nur mit speziellen Geräten sichtbar werden, um eventuell sichergestelltes Diebesgut identifizieren zu können.

Zudem sollen die Bahnstrecken mehrmals jährlich kontrolliert werden. ÖBB-Lagerstätten sollen landesweit durch Alarmanlagen besser abgesichert werden. Zudem werden künftig überall, wo das technisch möglich ist, die Kupferkabel gegen billigere - und für Diebe weniger attraktive - Stahl-Aluminium-Erdungskabel ausgetauscht. Der ÖBB-Pressesprecher betonte, dass trotz der erhöhten Präventionsmaßnahmen eine „lückenlose Kontrolle“ unmöglich sei.

Guido Tiefenthaler, ORF.at

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