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Sicherheit kaum ein Argument

Eine Analyse der Motive, für die Wehrpflicht zu stimmen, zeigt, dass dabei nicht das Bundesheer im Mittelpunkt stand. Das stärkste Motiv der Wehrpflichtbefürworter war die Beibehaltung des Zivildienstes, wie die ISA-SORA-Wahltagsbefragung im Auftrag des ORF unter mehr als 1.000 Teilnehmern zeigt.

Auch der Katastrophenschutz wurde als wesentliches Motiv für die Wehrpflicht genannt. Erst weit dahinter kommt die Meinung, dass die Wehrpflicht besser für die Sicherheit sei. Praktisch keine Bedeutung hatte für die Befragten, dass ÖVP und FPÖ für die Wehrpflicht bzw. SPÖ und Grüne für das Berufsheer eintraten. Die jeweiligen Heereskonzepte wären nur untergeordnete Motive gewesen, so der Politwissenschaftler Peter Filzmaier - mehr dazu in oe1.ORF.at.

74 Prozent nannten den Zivildienst und 70 Prozent, dass Wehr- und Zivildienst ein wichtiger Beitrag der Jugend zur Gesellschaft seien als Motiv für ihr Ja zur Wehrpflicht. 63 Prozent führten den Katastrophenschutz an.

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ORF/ISA/SORA

Die Argumente der Berufsheerbefürworter

Die Befürworter begründeten ihre Entscheidung zu jeweils 65 Prozent vor allem damit, dass das Berufsheer zeitgemäß wäre bzw. der Wehrdienst junge Männer unnötig viel Zeit koste. Die Entscheidung der meisten Teilnehmer an der Volksbefragung - 72 Prozent - stand schon seit längerem fest. Nur elf Prozent entschieden sich erst in den letzten Tagen - also in der Zeit, in der SPÖ und ÖVP vehement „Wahlkampf“ betrieben.

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Richtige Farbzuordnungen

Jeweils nur vier Prozent entschieden sich für die Wehrpflicht, weil ÖVP bzw. FPÖ dafür eintraten. Auch wenn die Haltung der Parteien als Entscheidungsgrund so gut wie nicht zählte, wussten die Stimmberechtigten zum allergrößten Teil schon, dass die SPÖ für das Berufsheer (80 Prozent) und die ÖVP für die Wehrpflicht (77 Prozent) eintraten und ordneten auch FPÖ und Grünen die richtige Linie zu.

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Caritas: Zivildienst für Frauen

Bereits kurz nach der Bekanntgabe der ersten Hochrechnungen am Sonntag forderte Caritas-Präsident Franz Küberl die Öffnung des Zivildienstes für Frauen. „Die Politik darf sich jetzt keine Verschnaufpause gönnen, sondern muss rasch umfassende Reformen angehen, gerade auch beim Zivildienst“, betonte Küberl in einer Presseaussendung - mehr dazu in religion.ORF.at. Auch das Rote Kreuz und der Arbeiter-Samariterbund betonten, dass der Zivildienst jetzt weiterentwickelt werden müsse.

„Die Entscheidung für die Beibehaltung von Wehrpflicht und Zivildienst nimmt die Politik nicht aus der Verantwortung, das bestehende System zu verbessern", sagte auch Werner Kerschbaum, Generalsekretär des Roten Kreuzes. Um den Zivildienst attraktiver zu machen, kann sich Kerschbaum die Anrechnung der erworbenen Qualifikationen für die Aus- und Weiterbildung und die Öffnung des Zivildienstes für Frauen und Männer anderer Altersgruppen vorstellen.“ Auch das vom Sozialministerium vorgestellte Alternativmodell hat nach Ansicht Kerschbaums „viele gute Ansatzpunkte“.

ASB: Auf geburtenschwache Jahrgänge vorbereiten

Der Arbeiter-Samariterbund (ASB) warnte ebenfalls davor, zur Tagesordnung überzugehen. „Nicht nur das Bundesheer, auch der Zivildienst muss fit für die Zukunft gemacht werden. Ich sehe das Resultat der Volksbefragung als Auftrag der Bürgerinnen und Bürger, das bestehende System zu verbessern“, erklärt Reinhard Hundsmüller, Bundesgeschäftsführer des Samariterbundes.

Insbesondere müssten Vorbereitungen für geburtenschwache Jahrgänge getroffen werden. „Wir können uns nicht darauf verlassen, dass in den nächsten Jahrzehnten immer ausreichend junge Männer für den Zivildienst zur Verfügung stehen werden“, warnte Hundsmüller. Der Arbeiter-Samariterbund ruft auch alle Blaulichtorganisationen sowie Vertreter von Bund, Ländern und Gemeinden dazu auf, ein verbessertes Modell zur Finanzierung des Rettungswesens an einem runden Tisch zu diskutieren. Die Sozialistische Jugend (SJ) forderte ebenso wie die Grünen eine Verkürzung des Zivildienstes auf sechs Monate. Zudem verlangt die SJ eine faire und gleiche Entlohnung der Präsenz- und Zivildiener.

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