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Unerwarteter „Ausflug“ Donnerstagfrüh

Die Wahl des ersten Lateinamerikaners zum Papst hat Hoffnungen auf mehr globale Gerechtigkeit und ein friedvolles Miteinander der Religionen geweckt. US-Präsident Barack Obama, UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon sowie zahlreiche Staatsoberhäupter, darunter Bundespräsident Heinz Fischer, gratulierten dem argentinischen Kardinal Jorge Mario Bergoglio, der seit Mittwochabend Papst Franziskus ist.

Der 76-Jährige war in einem der kürzesten Konklaven der Geschichte zum neuen Kirchenoberhaupt gewählt worden - nach gut 26 Stunden im fünften Wahlgang: Um 19.07 Uhr hatte weißer Rauch aus dem Rauchfang der Sixtinischen Kapelle die erfolgreiche Wahl eines Papstes verkündet. Auf dem Petersplatz brandete Applaus auf. Die Glocken des Petersdoms läuteten, auch die Kirchen in Österreich verkündeten die Wahl des neuen Papstes. In einer betont einfachen und volksnahen Rede begrüßte er kurz darauf die Gläubigen.

Historische Premieren

Der Argentinier hat sich als erstes Kirchenoberhaupt den Papst-Namen Franziskus gegeben - nach dem heiligen Franz von Assisi. Papst Franzikus ist Nachfolger von Benedikt XVI., der am 28. Februar aus Alters- und Gesundheitsgründen zurückgetreten war. Erstmals seit dem Syrer Gregor III. im 8. Jahrhundert stammt ein Papst nicht aus Europa, noch nie gab es einen vom amerikanischen Kontinent. Und nie zuvor war ein Mitglied des Jesuitenordens Papst. Bergoglio hat den Ruf eines „Anwalts der Armen“.

Auch der Vatikan selbst tat sich mit so viel Neuem auf einmal schwer: So wurde Franziskus anfangs noch als „Franziskus I.“ vorgestellt, später die Titulation jedoch seinen Wünschen entsprechend auf den bloßen Namen reduziert. Als erster Papst dieses Namens ist die Beifügung der Nummer nicht obligatorisch. Franziskus verzichtete - zum Unterschied etwa von Johannes Paul I., der das „I.“ als Teil seines Namens führte - offenbar bewusst darauf.

Jorge Mario Bergoglio sitzt in einer U-Bahn in Buenos Aires

APA/AP/Pablo Leguizamon

Franziskus, als Kardinal Bergoglio noch bekannt als regelmäßiger „Öffi“-Fahrer

US-Präsident Obama sagte, er freue sich darauf, mit dem neuen Papst zusammenzuarbeiten, um Frieden, Sicherheit und die Würde aller „Mitmenschen, unabhängig von ihrem Glauben“, zu stärken. Als Fürsprecher der Armen und der Schwächsten trage Papst Franziskus die Botschaft von Liebe und Mitgefühl weiter. UNO-Generalsekretär Ban setzt auf die Fortführung der Zusammenarbeit zwischen den Vereinten Nationen und dem Vatikan „unter der weisen Führung“ von Papst Franziskus.

Heimische Staatsspitze gratuliert

Bundespräsident Fischer, der laut Präsidentschaftskanzlei an der Amtseinführung von Franziskus in Rom teilnehmen will, bezeichnete die Papst-Wahl als „bemerkenswertes Ergebnis“. Die Wahl des Namens, die wohl auf Franz von Assisi hindeute, lasse eine Betonung der Zuwendung zu den Armen und eines verantwortungsvollen Umgangs mit den Schätzen der Natur vermuten, so Fischer. Auch von anderen Staatschefs aus aller Welt waren bereits am Mittwochabend Glückwünsche an Franziskus gerichtet worden.

Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) äußerte die Hoffnung, „dass Franziskus den Dialog in den Mittelpunkt seines Pontifikats stellen“ und sich „für Frieden, für arme Menschen und den Kampf gegen die Armut“ einsetzen werde. Als „Zeichen der Hoffnung und Beweis für die Einheit der katholischen Kirche“ bezeichnete Vizekanzler Michael Spindelegger (ÖVP) die rasche Einigung im Kardinalskollegium. Spindelegger hofft, dass der neue Heilige Vater so wie die beiden vorigen Päpste Österreich besuchen werde.

Jubel in argentinischer Heimat

Österreichs Bischöfe glauben, dass sich das neue Kirchenoberhaupt für die Armen einsetzten wird. „Die Kirche hat wieder einmal gezeigt, dass sie immer für eine Überraschung gut ist“, sagte der St. Pöltner Diözesanbischof Klaus Küng im ORF. „Froh“ ist Küng darüber, dass Kardinal Christoph Schönborn nach Österreich zurückkehren wird. Helmut Schüller von der Pfarrer-Initiative zeigte sich gespannt und abwartend - mehr dazu in oesterreich.ORF.at. International zeigten sich vor allem Bischöfe aus Schwellenländern und vom amerikanischen Kontinent hocherfreut über die Wahl.

Im argentinischen Kongress unterbrach der Vorsitzende der Abgeordnetenkammer, Julian Dominguez, die Sitzung, als die Wahl Bergoglios bekanntwurde. Er rief aus: „Es gibt einen Papst und der ist Argentinier!“ Staatspräsidentin Cristina Fernandez de Kirchner gratulierte wenig später mit einem Glückwunschschreiben. Hermes Juan Binner, Präsident der Sozialistischen Partei Argentiniens, twitterte: „Wir kennen ihn. Er ist ein Mann des Dialogs. Wir hoffen, dass er uns hilft, den Frieden zwischen uns zu finden.“

Katholiken mit Vatikan- und Argentinien-Fahnen jubeln in Buenos Aires

APA/EPA/Enrique Garcia Medina

Argentinische Gläubige jubeln

Auch Vertreter anderer Religionen und Organisationen brachten unterschiedlichste Hoffnungen und Erwartungen zum Ausdruck: Der Jüdische Weltkongress in New York hofft, die „engen Beziehungen weiterzuführen“. „Papst Franziskus I. ist für uns kein Fremder“, sagte Ronald S. Lauder, der Präsident der Organisation. „Er hatte immer ein offenes Ohr für unsere Sorgen.“ Opfer von sexuellem Missbrauch innerhalb der katholischen Kirche forderten Reformen ein. Franziskus habe „sowohl eine große Gelegenheit als auch die Pflicht“ dazu.

Schon voll im Einsatz

Kaum gewählt, ist Franziskus jedenfalls schon voll im Einsatz: Am Donnerstag gegen 8.00 Uhr begab er sich in die römische Papst-Basilika Santa Maria Maggiore zum Gebet. Für den ersten Besuch des neuen Papstes außerhalb des Vatikans wurden scharfe Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Das ganze Viertel rund um die Basilika wurde abgeriegelt. Begleitet wurde er vom Präfekten des päpstlichen Hauses und Privatsekretär von Benedikt XVI., Bischof Georg Gänswein.

Der Beschluss des neuen Papstes, nur wenige Stunden nach seiner Wahl den Vatikan zu verlassen, sorgte für Aufsehen. Franziskus hatte bereits am Mittwochabend den auf dem Petersplatz versammelten Gläubigen mitgeteilt, dass er der Jungfrau danken wolle. Kurz nach dem Eintreffen des Papstes mussten mehrere Personen, die sich in der Basilika aufhielten, aus Sicherheitsgründen die Kirche verlassen. Da ihnen nicht mitgeteilt wurde, dass der Papst zum Besuch eintreffen würde, kam es zu einigen Protesten.

Feierliche Amtseinführung am Dienstag

Der neue Pontifex, der die Nacht im Gästehaus Santa Marta verbrachte und am Donnerstag in der Früh eine Messe zelebrierte, wird um 17.00 Uhr die Kardinäle in der Sixtinischen Kapelle treffen. Daran werden sich auch jene Kardinäle beteiligen, die nicht ins Konklave eingezogen waren. Das neue Kirchenoberhaupt will mit den Kardinälen eine Messe im Vatikan feiern. Am Samstag wird der neue Papst in der Aula Nervi Journalisten treffen.

Am Sonntag wird Franziskus sein erstes Angelus-Gebet sprechen. Am Dienstag wird er mit einem feierlichen Gottesdienst um 9.30 Uhr in sein neues Amt eingeführt. Bei der Messe werden Delegationen aus der ganzen Welt und viele Staats- und Regierungschef anwesend sein. Auch mit seinem Vorgänger Benedikt XVI. plant Franziskus eine persönliche Begegnung. Einen Termin nannte das Presseamt noch nicht.

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