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Wahl als Vertrauensfrage

In Salzburg hat die heiße Phase des Wahlkampfs begonnen. Wie sehr die Wahl nicht nur terminlich vom Finanzskandal geprägt sein wird, zeigen Umfragen und Vertrauensbarometer. Die beiden großen Parteien SPÖ und ÖVP werden Federn lassen müssen. Am meisten zulegen werden von den bisher im Landtag vertretenen Parteien laut Umfragen die Grünen.

Kopf an Kopf liegen SPÖ und ÖVP in der Sonntagsfrage zur nahen Salzburger Landtagswahl. So sah es jedenfalls Gallup am Wochenende im Auftrag der Zeitung „Österreich“. SPÖ und ÖVP kämen auf 29 Prozent der Stimmen.

Zweitstärkste Kraft wären die Grünen mit 14 Prozent, die gegenüber 2009 ihr Ergebnis fast verdoppeln würden; damals erreichten sie 7,4 Prozent. Die FPÖ würde mit 13 Prozent knapp auf dem vierten Platz liegen, geht man nach dieser Umfrage. 2009 erreichte die FPÖ bereits 13 Prozent der Stimmen, liegt also gegenüber den Grünen schon auf einem höheren Ausgangsniveau. Das Team Stronach (TS) käme demnach aus dem Stand auf immerhin elf Prozent.

Wahlkampfauftakt der Grünenim Haus der Natur in Salzburg mit u. a. Spitzenkandidatin Astrid Rössler und Bundessprecherin Eva Glawischnig

APA/Barbara Gindl

Wahlkampfauftakt der Grünen am Freitag im Haus der Natur

Der Finanzskandal und das Vertrauen

Schaut man auf den aktuellen OGM-Vertrauensindex, dann sieht man noch deutlicher, wie sehr der Finanzskandal das Vertrauen in Salzburgs Politik erschüttert: Nur fünf von zwölf abgefragten Spitzenpolitikern (Regierungsmitglieder, Klubobleute bzw. Spitzenkandidaten) bringen es auf einen positiven Saldo aus den Antwortmöglichkeiten „Vertrauen“ und „kein Vertrauen“.

Während in anderen Bundesländern zumeist der Landeshauptmann an erster Stelle ausgewiesen wird, findet sich Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) erst auf Platz vier. Am vertrauenswürdigsten erscheint den Salzburgern zurzeit Astrid Rössler, die Landessprecherin und Spitzenkandidatin der Grünen bei der Landtagswahl am 5. Mai. „Dies überrascht wenig angesichts der Turbulenzen in Salzburg der letzten Monate. Die Grünen, insbesondere Astrid Rössler, haben es geschafft, sich als die ‚saubere‘ Partei darzustellen, dies wird in der Bevölkerung mit einem Vertrauensvorschuss goutiert“, analysierte Karin Cvrtila von OGM.

Grüne stoßen in neue Wählerschichten vor

Ins selbe Horn stößt Politologe Peter Filzmaier im Gespräch mit ORF.at. Die grüne Spitzenkandidatin habe nicht nur ihren Bekanntheitsgrad außerhalb grüner Wählerschichten steigern können. Sie habe durch das Thema Kontrollrolle im U-Ausschuss einen positiven Vertrauensvorschuss im Bereich der Wechselwähler geschaffen. Die Grünen könnten sowohl SPÖ- als auch ÖVP-Stimmen in ihr Lager ziehen.

Wahlplakat der Grünen

APA/Barbara Gindl

Wahlplakat der Grünen

„Bisher hatten die Grünen das Problem, dass man sie rund um das Thema Umwelt als grundsätzlich sympathisch eingestuft hatte. Aber es fehlte das Spezialthema. In Salzburg hat man mit dem Auftreten rund um den Finanzskandal nun eine konkrete Rolle gefunden“, so der Politologe. Wichtig sei nun, dass man die frisch etablierte Rolle als Kontrolleur klug nutze, also nicht den Fehler mache, einen Personenwahlkampf zu machen. „Schauen Sie nach Tirol, da tritt ja jede noch so kleine Liste mit einem Landeshauptmann-Kandidaten an.“ Rössler habe nun einen Bekanntheitsbonus aus den letzten Wochen herausgeholt, den sie als „Kommunikatorin für das grüne Projekt“ nutzen müsse. Mit einer Veranstaltung Freitagabend starteten die Grünen den Intensivwahlkampf - mehr dazu in oesterreich.ORF.at.

Burgstaller verliert in Vertrauensindex

Im OGM-Vertrauensindex folgt auf die Grüne mit Landesrätin Tina Widmann (ÖVP) eine Politikerin, die einer neuen Regierung nicht mehr angehören wird. Platz drei ging an SPÖ-Landeshauptmann-Stellvertreter Walter Steidl, gefolgt von Burgstaller. Vor der Landtagswahl 2009 hatte es die Landeshauptfrau auf einen positiven Überhang von 57 Prozent gebracht.

Im „negativen Saldo“ zwischen „Vertrauen“ und „kein Vertrauen“ liegt Karl Schnell (FPÖ), der sein Image gegenüber dem Barometer 2009 aber aufbauen konnte. ÖVP-Parteiobmann und Landeshauptmann-Stellvertreter Wilfried Haslauer ist beim Vertrauenssaldo gegenüber 2009, wo er deutlich im positiven Bereich lag, in den negativen Bereich abgerutscht, wie ein Blick auf den Bericht im Detail zeigt.

"Nicht umsonst setzt Haslauer aufs Team

Der Tendenz nach sei das schlechte Abschneiden von Haslauer nicht überraschend, sagt Filzmaier, fügt aber hinzu, dass die Höhe des verschlechterten Wertes ins Auge steche. „Nicht umsonst hat Haslauer ein Team für die kommende Wahl aufgestellt. Denn das direkte Duell gegen Burgstaller auf der Personenebene würde er weiterhin verlieren.“ Fraglich sei ohnedies, so Filzmaier, ob es die bisherigen Großparteien schafften, „überhaupt einen Dreier vor dem Ergebnis stehen zu haben“.

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