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Gelände völlig abgesperrt

Der Tankbetrieb im nordwestpolnischen Krajnik Dolny nahe der deutsch-polnischen Grenze ist seit Sonntag eingestellt. Im Streit über die Gültigkeit des laufenden Pachtvertrags hat der neue Besitzer die lukrative Anlaufstelle deutscher Tanktouristen mit Hilfe von bewaffneten Männern kurzerhand in Beschlag genommen.

In der Nacht auf Sonntag stürmten rund 20 vermummte und mit gefleckten Tarnanzügen bekleidete Männer die Tankstelle, berichteten deutsche Medien. Die Mitarbeiter glaubten wohl zunächst an einen Überfall, die Männer hätten aber ohne viele Worte die Einfahrt mit Autos blockiert und ein Absperrband um das Gelände gezogen, schrieb etwa die „Märkische Oderzeitung“.

Mit Tanklastern und anderen Fahrzeugen blockiert

Die Mitarbeiter der Tankstelle ließen sie gehen, eine Rückkehr an ihren Arbeitsplatz haben sie ihnen bisher aber verweigert. Dabei soll es auch zu Handgreiflichkeiten gekommen sein. Neben Schusswaffen sollen die Männer mit Gummiknüppeln und Pfefferspray ausgerüstet sein. Mit fünf Tanklastern, mehreren Kleinbussen und einigen Limousinen sei das Gelände derzeit blockiert, schrieb etwa der „Tagesspiegel“.

Die Tankstelle ist vor allem wegen deutscher Tanktouristen recht einträglich, die aus dem benachbarten Brandenburg und dem rund 100 Kilometer entfernten Berlin nach Krajnik Dolny kommen, berichtete der „Tagesspiegel“ unter Berufung auf polnische Medien. Der Nettogewinn soll jährlich umgerechnet rund 341.000 Euro betragen.

Mann mit einem Maschinengewehr bei der Setpol Tankstelle

APA/EPA/Stefan Csevi

Bewaffnete Männer bewachen die Tankstelle in Krajnik Dolny

Benzin bereits abgepumpt

Am Sonntag begannen die Männer laut „Märkischer Allgemeinen“, Benzin abzupumpen, auch die polnische Polizei sei angerückt. Eingegriffen hat die Polizei bisher aber nicht, es drehe sich hier um eine „zivile und nicht kriminelle” Angelegenheit, lautet die offizielle Begründung. Die Rolle der Polizei beschränke sich auf vorbeugende Maßnahmen, um mögliche Gefahren auszuschließen. Mittlerweile prüft die Staatsanwaltschaft, ob bei der Besetzung Gesetze gebrochen wurden.

Mittlerweile soll auch Setpol eigene Sicherheitsleute angeheuert haben. Nun gibt es Angst, dass der Streit zwischen den Sicherheitsleuten direkt ausgetragen wird.

Grundstück trotz Pachtvertrags verkauft

Hintergrund der Auseinandersetzung ist der Streit um die Nutzungsrechte für die lukrative Tankstelle an der Grenze zu Schwedt in der deutschen Uckermark, zu der auch viele Berliner tanken fahren. Der Betreiber Setpol hat einen bis 2015 laufenden Pachtvertrag mit der hoch verschuldeten Gemeinde Chojna, die ihrerseits das Grundstück aber bereits 2012 an den Betreiber Apexim verkauft hat.

Setpol habe erfolglos versucht, gegen den Verkauf vorzugehen, so Medienberichte. Der Betreiber wollte das Grundstück aber offenbar auch nicht räumen. Apexim besetzte die Tankstelle daraufhin eigenmächtig mit Hilfe der bewaffneten Sicherheitsleute. Setpol soll mittlerweile Anzeige wegen Hausfriedensbruchs erstattet haben.

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