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Die ÖVP und die Talsohle

Das Ergebnis von Innsbruck bei der Tiroler Landtagswahl, wo die Grünen die ÖVP überholen konnten, hat hellhörig gemacht: Wie geht es der Tiroler Volkspartei in Tirols Städten und großen Gemeinden? Nicht so gut, wie ein Blick auf die ORF.at-Analysekarte zeigt. Im Gros der größeren Kommunen Tirols blieb die Volkspartei deutlich hinter dem Landesergebnis.

39,56 Prozent der Stimmen konnte die Volkspartei bei der Landtagswahl 2013 in Tirol nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis ohne Briefwahlstimmen einfahren. Das ist besser, als viele vor der Wahl erwartet hatten. Die Volkspartei kann damit ihre 16 Mandate im Landtag halten.

Durchhänger im Unterland

Blickt man freilich auf das Abschneiden in den Städten bzw. großen Kommunen, dann zeigt sich für die Volkspartei ein ernüchternderes Bild - denn dort ist sie weit hinter ihrem landesweiten Wahlergebnis zurück. Überdurchschnittlich gut hat die ÖVP in Tirol in den Städten nur in Landeck mit 45,54 Prozent abgeschnitten. In so gut wie allen anderen großen Kommunen des Landes liegt man maximal bei 30 Prozent, im Schnitt klar in der mittleren 20er-Zone - mehr dazu auch auf den Wahlanalyse-Seiten von ORF.at.

ÖVP-Ergebnis in großen Tiroler Kommunen

Stadt Prozent für VP Tirol
Landeck 45,54
Imst 36,12
Telfs 26,00
Zirl 23,90
Innsbruck 22,38
Rum 22,73
Hall 29,55
Wattens 30,26
Jenbach 25,68
Wörgl 26,08
Kufstein 25,44
St. Johann / Tirol 36,20
Kitzbühel 34,30
Lienz 28,58

Warnendes Beispiel Innsbruck

Relativ am schwächsten schneidet die ÖVP demnach im urbanen Raum um Innsbruck ab. In der Landeshauptstadt zeichnet das Ergebnis auch ein Bild der zerstrittenen Landschaft im ehemaligen ÖVP-Lager. Das betont auch Politologe Peter Filzmaier gegenüber ORF.at.

„Dass die ÖVP in den Städten ihre Probleme hat, ist ja mittlerweile altbekannt“, so Filzmaier, „aber der entscheidende Punkt ist, dass die ÖVP die angestellten Berufstätigen, auch die im öffentlichen Dienst, verliert.“ Und das sehe man an diesem Stadt-Land-Ergebnis.

Die Alters-Land-Stadt-Frage

Auf dem Land sei die ÖVP-Warnung vor den „italienischen Verhältnissen“ zudem besser aufgegangen als in den Städten. Das Ergebnis der ÖVP ruhe im Moment noch stark auf dem guten Abschneiden bei den Älteren. „Das geht schon noch eine Zeit lang gut“, so der Politologe, „wenn man aber weiß, dass bei den Jungen die Landflucht zunimmt, wird das auf Dauer ein strategisches Problem für die Volkspartei.“

Grafik zur Wahl in Tirol

APA/ORF.at

Starkes und schwächeres Abschneiden der ÖVP bei der Landtagswahl 2013

Beim Blick auf Innsbruck, wo ja Landtagspräsident Herwig van Staa wahlgekämpft habe, falle das Ergebnis in eine Abwärtsspirale, so Filzmaier: „Natürlich bejubeln dort die Grünen, dass sie vor der ÖVP gelandet sind.“ Das sei für den Moment ein symbolischer Erfolg. Für die ÖVP heiße das umgekehrt, dass man gerade am Beispiel Innsbruck sehe, wie man da die Strukturen im Hintergrund verspiele. Und das werde Auswirkungen auf Dauer haben.

Gerald Heidegger, ORF.at

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