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Hilfe für bewusste Konsumenten

Eine Einkaufshilfe für besonders bewusste Konsumenten sorgt in den USA für Aufsehen. Nachdem sie im Vorjahr die Idee dafür auf einer Konferenz präsentiert hatte, konnte die IT-Expertin und demokratische Politikerin Darcy Burner nun ihr Projekt in die Tat umsetzen: Mit der App Buycott werden aus dem Barcode eines Produkts die Herstellerinformationen angezeigt.

Dabei wird freilich nicht nur die Firma genannt, sondern auch aufgezeigt, zu welchem Konzern diese gehört - und welche politischen Projekte dieser unterstützt, berichtet das US-Wirtschaftsmagazin „Forbes“.

Datenbank wird ständig erweitert

Bei Netroot Nations, einer Konferenz für progressive Politik, hatte die ehemalige Microsoft-Managerin Burner 2012 einfache Beispiele gebracht. Keine Kunde würde wissen, dass er beim Kauf eines bestimmten Toilettenpapiers etwa das Milliardenimperium der ultrakonservativen Koch-Brüder unterstützt. Koch Industries der Brüder Charles G. Koch und David H. Koch gilt als einer der wichtigsten Geldgeber des rechten Rands der Republikaner in den USA.

Alsbald fanden sich Unterstützer ein, so auch der junge Programmierer Ivan Pardo, der 16 Monate an der App arbeitete, ehe sie Anfang Mai auf den Markt ging. Vollständig ist die freilich noch nicht. Die Datenbank wird ständig erweitert, die Entwickler bitten auch User, weitere Produkte einzuscannen und zu benennen, damit diese zugeordnet werden können.

User können Kriterien festlegen

Und die User sind es auch, die über die Plattform eigene Kampagnen starten können. Dabei ist es möglich, sich nicht nur einzelne Unternehmen anzeigen zu lassen, sondern alle, die für bestimmte Praktiken stehen. Eine Kampagne zeigt etwa an, ob Müsli oder Frühstückflocken von einem Konzern hergestellt wurden, der sich mit mehr als 150.000 Dollar am Widerstand gegen eine verpflichtende Kennzeichnung genmanipulierter Nahrungsmittel beteiligt hat.

Genauso wie Negativ- gibt es aber auch die Möglichkeit zu Positivkampangnen, wenn Unternehmen bestimmte Anliegen unterstützen, sich also etwa für die Einführung der Homosexuellenehe einsetzen oder für die Opfer des Wirbelsturms „Sandy“ Hilfslieferungen bereitgestellt haben.

Informationen, keine Wertungen

Wertungen nimmt die App selbst aber nicht vor - im Gegenteil: „Wir wollten eine Plattform zur Verfügung stellen, die den Konsumenten hilft, wohlinformierte Kaufentscheidungen zu treffen“, sagt Programmierer Pardo gegenüber „Forbes“. Es sei nicht ihre Aufgabe, den Menschen zu sagen, was sie kaufen sollen und was nicht. So finden sich in den bereits angelegten Kampagnen die verschiedensten politischen Spektren wieder.

Der Ansturm auf die App war so gewaltig, dass die Android-Version vorerst zurückgezogen werden musste. Auch die Server waren überlastet: „Wir haben einfach nicht damit gerechnet, pro Sekunde zehn neue User zu haben“, sagte Pardo. Auch User berichteten über etliche Fehlermeldungen. Man bemühe sich, dem Andrang Herr zu werden und sukzessive die Fehler zu korrigieren, meinte Pardo.

Länger als eine stabile wird wohl eine internationale Version dauern. Vorerst hat man sich auf den US-Markt beschränkt, in Europa funktioniert die App noch nicht.

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