Themenüberblick

Jugendoffensive in Wahlkampfzeiten

Möglichst keine Gruppe soll in Zeiten des Wahlkampfs vergessen werden - auch nicht die „Generation Praktikum“. Schließlich sind jene, die das Berufsleben erstmals über die Sommermonate kennenlernen, auch Erst- bzw. Jungwähler. Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) stellte am Donnerstag die neue Jugendstrategie vor. Darin enthalten ist ein „Qualitätscheck“ für Praktika.

Das erklärte Ziel sei es, aus „Betroffenen Beteiligte zu machen“. Geht es nach den Plänen des Wirtschaftsministeriums, sollen Bewerbung und Jobsuche erleichtert werden. Das soll mittelfristig mit der „Checkliste für Qualitätspraktika“ erreicht werden. Dahinter verbirgt sich eine geplante Informationsoffensive, die etwa über die Jugendinfos erfolgen soll. Dabei soll genau angegeben werden, wie und wo ein Praktikum zu finden sei, was dabei konkret gelernt werden könne, welcher Nutzen sich ergebe und welche Bezahlung dafür angemessen sei.

Handlungsbedarf aus mehreren Gründen

Handlungsbedarf wird aus mehreren Gründen gesehen: Erstens kam eine im Rahmen der Jugendstrategie durchgeführte Studie zum Ergebnis, dass zu einem sehr hohen Anteil Familie, Freunde und Bekannte die wichtigste Informationsquelle über mögliche Ferienjobs sind. Dabei bleibt die Information über konkrete Möglichkeiten und sinnvolle Tätigkeiten oft auf der Strecke. Mitterlehner kündigte daher die „Praktika-Checkliste“ an, die im ersten Halbjahr 2014 starten soll. Von dieser erhofft sich das Ministerium eine „bessere Struktur und Orientierungsmöglichkeiten“ für die Zielgruppe.

„Für die nächsten Ferien soll es schon eine Hilfe sein“, so der Minister. Ein längerfristiges Ziel besteht darin, konkrete Maßnahmen gegen Jugendarbeitslosigkeit zu ergreifen. Zudem soll die Schulabbrecherquote gesenkt werden und die Zahl der Unternehmensgründer unter 30 Jahre steigen. Der „Unternehmergeist“ solle gefördert werden, auch die Einführung einer „Bildungs- und Berufsorientierung“ durch einen „eigenständigen Pflichtgegenstand“ ab der siebenten Schulstufe kann sich Mitterlehner vorstellen - ein entsprechender Wunsch der Jugendlichen lasse sich auch in der Studie ablesen.

Geld weniger wichtig

Die Jugendlichen würden Praktika als wichtigen Beitrag für ihre Jobchancen sehen, hieß es. Das Ministerium sieht die Priorität mehr in der Tätigkeit, weniger in der Bezahlung. „Knapp 50 Prozent der Befragten sind für ihre Arbeit in einem Praktikum bezahlt worden. Geld zu verdienen ist gegenüber dem Interesse aber kein herausragendes Motiv, wie der Jugendmonitor ergeben hat“, sagte der Politikwissenschaftler Peter Filzmaier, dessen Institut für Strategieanalysen die Studie im Auftrag des Ministeriums durchgeführt hatte.

Kleine Förderbudgets

Im Zuge der Förderung des „Unternehmergeists“ will das Ministerium zudem neue Jugendbanken („Youth Banks“) etablieren. Die Umsetzung soll über eine Gruppe von Jugendlichen von 14 bis 24 Jahren erfolgen, die sich unter Betreuung von Experten zusammenschließen und mit ihrem Förderbudget einzelne Projekte mit bis zu 500 Euro „unbürokratisch“ unterstützen können.

Als mögliche Projekte werden „Fortbildungen für ein Schülerzeitungsredaktionsteam“, die „Durchführung eines Jugendforums mit Politikern“, ein „Weblog zu einem Jugendthema“ und eine „Ausstellung mit den Werken junger Künstler“ vorgeschlagen. Das Pilotprojekt werde 2014 gestartet, hieß es.

Maßnahmen seien nicht zuletzt aufgrund des demografischen Wandels notwendig. „2012 lebten in Österreich 1,714 Millionen Kinder und Jugendliche unter 20 Jahre, das sind rund 20 Prozent der Gesamtbevölkerung. Ihr Anteil wird aber laut dem Hauptszenario der Statistik-Austria-Prognosen bis 2030 auf unter 15 Prozent sinken, während der Anteil der Menschen im nicht mehr erwerbsfähigen Alter von heute 18 auf mehr als 30 Prozent steigen wird“, so Filzmaier.

Links: