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Wilderer erschoss vier Einsatzkräfte

Ein als Wilderer verdächtigter Mann hat in Niederösterreich in der Nacht auf Dienstag zunächst zwei Polizisten und einen Sanitäter des Roten Kreuzes erschossen. Mit einem Streifenwagen und einem weiteren Polizisten als Geisel flüchtete er auf seinen Bauernhof, wo er sich seit Stunden verschanzt. Am Nachmittag wurde auch die Leiche des zunächst vermissten Polizisten gefunden.

Rund hundert Polizisten umzingeln seit etwa 7.00 Uhr das Anwesen, die Umgebung ist großräumig abgesperrt. Unterdessen fuhren Panzer vor dem Bauernhaus vor. Laut ORF-Niederösterreich schaltete der Stromversorger EVN den Strom im Haus des Verdächtigen ab.

Bauernhaus von Einsatzkräften umstellt

Die Polizei bestätigte, dass der Verdächtige immer wieder aus dem Bauernhaus heraus Schüsse abgebe. „Er hat herausgeschossen, sobald er jemanden gesehen hat“, hieß es vom Einsatzort. Über die Tatwaffe, angeblich eine Langwaffe, konnte Roland Scherscher vom Landespolizeikommando Niederösterreich nichts sagen.

Landkarte

APA/ORF.at

Die Tatorte

Eine Verhandlungstruppe sei an Ort und Stelle, eine Kontaktherstellung mit dem Mann gestalte sich jedoch schwierig, sagte Roland Scherscher vom Landespolizeikommando Niederösterreich. Dass sich Sprengstoff im Haus des Verdächtigen in Großpriel bei Melk befinde, konnte der Ermittler nicht bestätigen, der Entminungsdienst sei als Vorsichtsmaßnahme hinzugezogen worden. Zuvor war kurz Rauch aus dem Vierkanthof gedrungen, die Ursache war zunächst unklar.

Schießerei bei Straßensperre

Seinen Ausgang nahm das Blutbad in der Nähe von Annaberg im Bezirk Lilienfeld: Die Polizei führte eine Überwachungsaktion gegen den oder die gesuchten Wilderer durch. Eine Straßensperre wurde errichtet, und zwei Cobra-Beamte versuchten den Wagen des Verdächtigen zu stoppen. Die Sondereinheit war nach den jahrelangen schweren Wildereidelikten in der Gegend in die Maßnahmen zur Fahndung nach illegalen Schützen eingebunden.

Der Mann durchbrach mit seinem Wagen die Straßensperre bei der L101 und flüchtete Richtung Äußere Schmelz. „Dort hat der Täter plötzlich und unvermittelt das Feuer eröffnet“, sagte Scherscher. Dabei wurde ein Polizist getroffen, er verstarb später im Landeskrankenhaus St. Pölten. Nahe dem dort liegenden Sägewerk schoss der Mann auf eine zu Hilfe eilende Rettung, ein Sanitäter und ein Polizist wurden verletzt, der Rotkreuz-Mitarbeiter starb.

Fahrzeug der Cobra Beamten mit den Einschusslöchern

APA/BMI

Von Einschüssen durchsiebtes Polizeiauto

In Bauernhaus verschanzt

Daraufhin flüchtete der Schütze in Richtung Lassinghof, wo er bei einer Straßensperre einen weiteren Polizisten erschoss. Er kaperte ein Polizeiauto mit einem Beamten als Geisel und raste zu seinem Bauernhaus in Großpriel nahe Melk. Dort wurde das Bauernhaus von Einsatzkräften der Cobra umstellt.

Panzer rücken zum Haus des Verdächtigen vor

APA/Robert Jäger

Panzer wurden zum Einsatzort beordert

Am Nachmittag fand man die Geisel tot in der Nähe des Wohnhauses in einer Scheune. Der Leichnam wurde mit Panzerfahrzeugen geborgen. Die Hintergründe des Todes der Geisel sind noch unklar. Der mutmaßliche Täter ist seither in seinem auf einer Anhöhe gelegenen Vierkanthof verschanzt - mehr dazu in oesterreich.ORF.at.

Mehrere Wildereidelikte

Bei dem Verdächtigen handelt es sich um einen 55 Jahre alten Transportunternehmer aus Großpriel. Der allein lebende Mann und Jäger besitzt laut Polizei legal mehrere Waffen, vor allem für die Jagd. Er sei bisher nie polizeilich auffällig gewesen. Seit 2008 ermittelt die Polizei in mindestens acht Fällen von Wilderei in Niederösterreich und der Steiermark.

Im März 2011 wurde er von einem Jäger in Bezirk Melk auf frischer Tat ertappt. Der Verdächtige attackierte den Jäger und flüchtete zu Fuß, sein Auto wurde sichergestellt. Da der Mann jedoch gestohlene Kennzeichen verwendete, kam man ihm nicht auf die Schliche. Ob es sich bei ihm tatsächlich um den seit Jahren gesuchten Wilderer handelt, konnte der Ermittler nicht bestätigen.

„Es ist leider wahr“

„Es ist leider wahr“, soll der 55-Jährige in einem Telefonat mit einem Freund gesagt haben, berichtete die „Kronen Zeitung“. „I bin nämlich der Wilderer vom Annaberg.“ Auch der „Kurier“ sprach mit dem Freund, der den Mann als begeisterten Jäger bezeichnete.

„Mich haben sie auch angeschossen. Am Bauch. Aber das ist jetzt schon egal“, zitiert die „Kronen Zeitung“ den Bekannten. Seinen Hund habe er bereits erschossen, „und mi werden s’ a net kriegen“.

Auf die Frage des „Kurier“, ob sich der 55-Jährige zuletzt verändert habe, antwortete der Freund: „Vor ein paar Wochen hat er erstmals angefangen, darüber zu reden, dass er irgendwelche Probleme hat. Dass er so etwas wie ein zweites ‚Ich‘ habe.“

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