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Datenerfassung über AdID

Der US-Konzern Google will ein neues System zur Verfolgung und Analyse von Nutzerdaten in der Onlinewerbewelt einführen. Derzeit setzt die Branche vor allem auf Cookies, kleine Datenpakete, die Informationen über die Aktivitäten des Computernutzers im Browser abspeichern. Ein Wechsel auf ein eigenes Google-System würde die Unternehmen stark von dem US-Konzern abhängig machen und den 120 Milliarden US-Dollar schweren Markt neu ordnen.

Die Verwendung von Cookies war schon immer umstritten. Zwar können sie einerseits das Surfen im Internet komfortabler machen. Der Nutzer muss sich etwa dank Cookies bei nochmaligem Besuch einer Website nicht erneut einloggen, und auch der vor Wochen befüllte Warenkorb ist immer noch verfügbar. Auf der anderen Seite werden Cookies auch für Zwecke eingesetzt, denen die meisten Nutzer die Zustimmung verweigern würden, wenn sie könnten.

So nutzen Werbefirmen Cookies dazu, um jede Bewegung des Users im Netz zu verfolgen und zu speichern. Diese sogenannten Drittanbieter-Cookies haben nichts mit der besuchten Website selbst zu tun, sondern finden sich etwa in dort platzierter Werbung oder auch eingebettet in Grafiken wie dem Facebook-Like-Button - unbemerkt vom User.

Surfverhalten im Visier

Da sich die Cookies eines Drittanbieters für gewöhnlich auf vielen verschiedenen Websites finden, kann das private Surfverhalten des Nutzers genau nachvollzogen werden. Das wird als Tracking bezeichnet. Die Werbeindustrie ist auf diese Informationen angewiesen, denn je gezielter die Werbung potenzielle Kunden erreicht, desto teurer kann sie verkauft werden. Der User selbst weiß nicht, wohin die eigenen Daten übermittelt werden und was damit gemacht wird.

Google gehört Drittel des Werbegeschäfts

Google arbeitet offenbar an einem eigenen Trackingsystem namens AdID und will die Drittanbieter-Cookies damit obsolet machen. Das berichteten „USA Today“ und das „Wall Street Journal“. Schon jetzt ist Google mit einem Drittel der weltweiten Umsätze mit Onlinewerbung der größte Player in diesem Bereich.

Wie „USA Today“ berichtete, soll die Google-Neuerung Vorteile für den einzelnen Nutzer bringen. Demnach erlaubt AdID eine Analyse des Surfverhaltens, ohne dass die betroffenen Nutzer identifiziert werden können. Die Daten sollen „anonym“ (statt des Namens wird nur eine Nummer zugeordnet) an Werbekunden und Werbenetzwerke geliefert werden. Experten kritisieren hier jedoch, dass auch derart anonymisierte Daten relativ einfach auf Einzelpersonen zurückgeführt werden können.

Mehr Kontrolle für User?

Auch sei mehr Kontrolle der eigenen Daten möglich, so „USA Today“. Werbeeinblendungen bestimmter Firmen könnten blockiert werden. Ein eigener Privatmodus, der in AdID aktiviert werden kann, soll dafür sorgen, dass überhaupt keine Daten mehr gesammelt werden. Google behalte sich dabei allerdings vor, diese AdID-Einstellungen jedes Jahr automatisch zurückzusetzen, so dass der User die nötigen Häkchen jedes Jahr aufs Neue setzen müsste.

Mit dem Schritt würde Google allein aufgrund seiner Marktmacht die zentrale Anlaufstelle für Werber werden. Der Google-eigene Browser Chrome hat inzwischen einen weltweiten Marktanteil von 43 Prozent. Mit der Einführung von AdID in Chrome hätte der US-Konzern mit einem Schlag die Kontrolle über die Hälfte des Marktes für Nutzerprofile und Ad-Tracking.

Cookies blockieren

Unabhängig von Googles neuem Trackingsystem können Nutzer in sämtlichen gängigen Browsern händisch die Verwendung von Cookies blockieren. Sowohl Microsofts Internet Explorer als auch Mozillas Firefox, Apples Safari, Opera und Googles Chrome bieten in den Einstellungen diese Möglichkeiten an.

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