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Vergleich von 24 Staaten

Nach der PISA-Studie für 15- bis 16-jährige Schüler hat die OECD am Dienstag die erste vergleichbare Studie für Erwachsene veröffentlicht. Fast eine Million Menschen in Österreich verfügen nur über eine geringe Lesekompetenz, wie die erstmals durchgeführte OECD-Studie „Programme for the International Assessment of Adult Competencies“ (PIAAC) zeigt.

Im internationalen Vergleich liegt Österreich damit unter 24 Staaten im OECD-Durchschnitt. Getestet wurden die Kompetenzen von 16- bis 65-Jährigen in den Bereichen Lesen, Alltagsmathematik und Problemlösen im Kontext neuer Technologien. Der Fokus lag dabei auf der Überprüfung von für Beruf und Alltag relevanten Schlüsselkompetenzen, so Konrad Pesendorfer, Generaldirektor der Statistik Austria, die PIAAC mit einer Stichprobe von rund 5.100 Personen in Österreich durchgeführt hatte, am Montagabend vor Journalisten.

Auch in Mathematik Durchschnitt

Insgesamt schnitten die Österreicher bei PIAAC durchschnittlich ab: Im Lesen erreichten sie einen Mittelwert von 269 Punkten, das ist leicht unter dem OECD-Schnitt (273). In der Mathematik kamen sie auf einen Mittelwert von 275 und damit leicht über den OECD-Schnitt (269). Bei PIAAC entspricht ein Unterschied von sieben Punkten einem Bildungsjahr. Beim Problemlösen lagen die Österreich-Werte praktisch genau im Schnitt, wobei in diesem Feld keine Punktewerte erhoben wurden, sondern der Prozentsatz der Personen ausgewiesen wurde, die die beiden höchsten Kompetenzstufen erreichten (Österreich: 32,5 Prozent; OECD: 34 Prozent).

Wie welches Land abschnitt

Am besten schnitten Finnland, Schweden, Norwegen und die Niederlande ab. Diese Länder landeten in allen drei Testbereichen über dem OECD-Durchschnitt. Japan, Belgien (Flandern), Australien, Estland und Dänemark lagen in zwei Bereichen über dem Schnitt, Österreich, Tschechien, die Slowakei, Deutschland und Kanada in einem. In keinem Bereich besser als der OECD-Durchschnitt waren die Testleistungen in Großbritannien (England, Nordirland), Südkorea, Zypern, Frankreich, Italien, Spanien, den USA, Polen und Irland.

Benachteiligung in Beruf und Alltag

Beim Lesen erreichten 8,4 Prozent der Österreicher die beiden höchsten Kompetenzstufen (vier und fünf). Das bedeutet, dass sie in der Lage sind, „sehr komplexe Aufgaben zu lösen, in denen Informationen aus unterschiedlichen, sehr dichten Texten mit widersprüchlicher Information gesucht und zusammengeführt werden müssen“. Damit liegt Österreich bei den Toplesern signifikant unter dem OECD-Durchschnitt (11,8 Prozent).

Umgekehrt verfügen in Österreich 17,1 Prozent der 16- bis 65-Jährigen über eine niedrige Lesekompetenz und sind dadurch mit möglichen Benachteiligungen in Beruf und Alltag konfrontiert. Das entspricht dem OECD-Schnitt. Diese Gruppe lässt sich nochmals differenzieren: Bei 1,8 Prozent waren die Lese- und Sprachfähigkeiten zu gering, um überhaupt an PIAAC teilzunehmen.

Das Problem mit längeren Texten

2,5 Prozent konnten höchstens konkrete einzelne Informationen in kurzen Texten identifizieren, bei ihnen war das Verständnis für Satzstrukturen nur in geringem Ausmaß vorhanden (Stufe unter eins). 12,8 Prozent verstanden zwar kurze, in unterschiedlichen Formaten (z. B. digital oder gedruckt) vorgelegte Texte mit etwas ablenkender Information und verstanden Satzstrukturen. Allerdings hatten sie Probleme, etwas längere Texte mit widersprüchlicher Information zu verstehen (Stufe eins).

Männer schnitten in allen drei Kompetenzbereichen besser als Frauen ab. Im Lesen war der Geschlechterunterschied gering, bei der Alltagsmathematik und beim Problemlösen sehr deutlich. Die besten Ergebnisse erzielte jeweils die Personengruppe um 30 Jahre.

Unterschiede je nach Beruf

Deutliche Unterschiede gibt es zwischen den Erwerbstätigen in den einzelnen Wirtschaftszweigen: Beschäftigte in der Informations- und Kommunikationsbranche sowie Erbringer von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen erzielten die besten Leseleistungen, unterdurchschnittliche Leistungen zeigten Beschäftigte in der Beherbergung und Gastronomie, Bauern sowie Beschäftigte am Bau, im Handel und im Verkehr. Nach Berufsgruppen geordnet erzielten die akademischen Berufe die besten Leistungen, gefolgt von den Führungskräften, die schlechtesten Werte weisen Hilfsarbeiter auf.

Dienstleistungsberufe sowie Verkäufer, Bediener von Anlagen und Maschinen bzw. Montageberufe und Hilfsarbeitskräfte erzielten auch signifikant schlechtere Leseleistungen im Vergleich mit der jeweiligen Gruppe im OECD-Vergleich. In der Alltagsmathematik waren umgekehrt Personen in akademischen Berufen, Techniker, Bürokräfte und Handwerker wesentlich besser als ihre Berufskollegen in der OECD.

Das Abschneiden der Migranten

Migranten wiesen unterschiedliche Ergebnisse auf: Jene Einwanderer, deren Erstsprache Deutsch ist (also vor allem Deutsche), schnitten besser ab als in Österreich geborene Personen mit deutscher Erstsprache. Personen mit anderer Erstsprache als Deutsch erzielten dagegen schlechtere Werte - egal, ob sie in Österreich oder im Ausland geboren wurden. Personen mit anderer Erstsprache als der Testsprache erreichten in Österreich im Schnitt 239 Punkte (OECD: 247), Personen mit der Testsprache als Erstsprache 274 Punkte (OECD: 276).

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