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Der Heldenplatz in Wien

Der Wiener Heldenplatz, der Äußere Burgplatz der Wiener Hofburg, wurde unter Kaiser Franz Joseph als Teil eines großartigen Kaiserforums konzipiert, an dem im Zuge der Stadterweiterung Wiens und der Anlage der Ringstraße ab 1869 nach den Plänen von Gottfried Semper gearbeitet wurde. Dieses Forum sollte sich von der Hofburg bis zu den Hofstallungen (dem Messepalast) erstrecken, wurde aber nie vollendet.

Erbaut wurden nur die beiden Hofmuseen und die mehrere Museen beherbergende Neue Hofburg am Heldenplatz nach den Plänen von Semper, vollendet hat die Bauwerke Carl von Hasenauer bis 1913. Diese Neue Hofburg begrenzt den Heldenplatz gegen Südosten, der im 17. Jahrhundert entstandene Leopoldinische Trakt der Hofburg gegen Nordosten, das als Heldendenkmal gestaltete Äußere Burgtor (in dem sich auch ein Mahnmal für die Opfer des Faschismus befindet) gegen Südwesten.

Die unverbaut gebliebene Nordwestseite bietet einen umfassenden Rundblick über den Westteil der Ringstraße mit Parlament, Rathaus und Burgtheater. Auf dem Heldenplatz stehen die beiden von Anton Fernkorn geschaffenen Reiterdenkmäler von Prinz Eugen und Erzherzog Karl.

Hitler-Rede auf dem Heldenplatz

Seit Anbeginn war der Heldenplatz Schauplatz von Paraden, öffentlichen und politischen Kundgebungen. Im März 1938 verkündete Adolf Hitler von der Rampe der Neuen Hofburg aus einer riesigen jubelnden Menschenmenge „als Führer und Reichskanzler vor der Geschichte den Eintritt seiner Heimat (Österreich, Anm.) in das Großdeutsche Reich“.

Hitler hält Rede am Heldenplatz am 15. März 1938

AP

Adolf Hitlers Rede auf dem Wiener Heldenplatz

Eines der Großereignisse auf dem Heldenplatz nach 1945 war anlässlich des ersten Österreich-Besuches von Papst Johannes Paul II. (September 1983) eine vielbeachtete Europavesper, an die heute noch ein Kreuz rechts vom Äußeren Burgtor (wenn man dieses von der Ringstraße aus passiert) erinnert.

Bis zu 300.000 bei Lichtermeer

250.000 bis 300.000 Menschen versammelten sich vor 20 Jahren, am 23. Jänner 1993, zur größten Demonstration der Zweiten Republik auf dem Heldenplatz. Das Lichtermeer war eine Idee der Plattform SOS Mitmensch, in der sich Künstler, Intellektuelle und Politiker zusammengefunden hatten. Mit dem Motto „Anständigkeit zuerst“ wandte sich die Kundgebung in erster Linie gegen das „Österreich zuerst“-Ausländervolksbegehren der FPÖ.

Seit Jahrzehnten findet außerdem auf dem Heldenplatz anlässlich des österreichischen Nationalfeiertags am 25. und 26. Oktober eine Werbeveranstaltung des Bundesheers statt. Am 26. Oktober findet die traditionelle Angelobung unter Führung des Bundespräsidenten statt.

Bildhauer versteckte NS-Pamphlet in Denkmal

Nachdem 2012 im Denkmal des toten Soldaten ein verstecktes NS-Pamphlet des Bildhauers Wilhelm Frass und eine konterkarierende Botschaft seines Mitarbeiters gefunden und Namen von SS-Leuten in den Totenbüchern entdeckt wurden, ließ das zuständige Bundesheer die Gedenkräume leeren. Derzeit ist eine Umgestaltung in Planung. Wichtig sei, dass der Ort der Öffentlichkeit noch besser zugänglich gemacht und ein Ort des Gedenkens werde. Gleichzeitig solle „die historische Dimension nicht übertüncht werden, sondern das Denkmal in all seiner Ambivalenz und mit all seinen Verwerfungen präsentiert werden.“

2013 hielt das Bundesheer am 8. Mai außerdem erstmals eine Mahnwache für die Opfer des Nationalsozialismus auf dem Heldenplatz ab. Damit sollten auch die Burschenschafter daran gehindert werden, sich für ihr traditionelles, umstrittenes Totengedenken zu versammeln. Zusätzlich fand, initiiert vom Mauthausen Komitee Österreich und den Wiener Symphonikern, ein „Fest der Freude“ mit einem großen Festkonzert bei freiem Eintritt auf dem Heldenplatz statt

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