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Ein böser Streich des Schicksals

In Japan sorgt das Schicksal eines Mannes für Aufsehen, der kurz nach seiner Geburt vor 60 Jahren vertauscht wurde und dadurch statt in einer wohlhabenden Familie bei einer armen Witwe aufwuchs. „Ich hätte ein anderes Leben haben können“, sagte der Mann, dessen Identität nicht bekanntgegeben wurde, am Mittwochabend (Ortszeit) in Tokio vor zahlreichen Medienvertretern.

„Ich möchte die Uhr bis zu dem Tag zurückstellen, an dem ich geboren wurde“, so der Mann weiter. Er könne nicht verstehen, wie dieses folgenschwere Missgeschick passiert sei. Der Mann war in der Geburtsklinik mit einem 13 Minuten später geborenen Buben vertauscht worden.

Wegen Verwechslung Nachteile erlitten

Statt in seiner wohlhabenden Familie aufzuwachsen, zog ihn eine Witwe in ärmlichen Verhältnissen auf. Ein Gericht in der Hauptstadt Tokio erklärte es am Dienstag für erwiesen, dass der im Jahr 1953 geborene Mann wegen der Verwechslung in der Klinik in seinem späteren Leben Nachteile erlitten habe, die ansonsten ausgeblieben wären. Das Gericht verurteilte das Krankenhaus daher diese Woche zu einer Entschädigungszahlung in Höhe von 38 Millionen Yen (275.000 Euro).

Von der Entschädigungssumme sollen 32 Millionen Yen an den als Baby vertauschten Mann und der Rest an seine drei leiblichen Brüder gehen. Da das Krankenhaus bisher keine Stellungnahme zu dem Fall abgab, ist unklar, ob es Berufung einlegt.

Überfluss und Privatunterricht

Der vertauschte Bub war das erste leibliche Kind eines wohlhabenden Paares, das später noch drei weitere Söhne bekam. Sie wuchsen im Überfluss auf und erhielten Privatunterricht. Ihr älterer Bruder hingegen lebte mit seiner vermeintlichen Mutter und deren älteren Söhnen in einer Einzimmerwohnung, deren größter Luxus ein Radio war. Der Mann verlor dem Bericht zufolge im Alter von zwei Jahren seinen Vater, der allerdings nicht der biologische war.

Später arbeitete er tagsüber in einer Fabrik und lernte nebenbei an der Abendschule. Schließlich wurde er Lastwagenfahrer. Vor Gericht machte der Mann laut der Nachrichtenagentur Kyodo geltend, dass das Kind, mit dem er vertauscht worden sei, es im Leben wesentlich leichter gehabt und etwa ein herkömmliches Studium absolviert habe. Richter Masatoshi Miyasaka sagte, er habe „Mitgefühl“ für den Mann empfunden.

Ältester Bruder sah niemandem ähnlich

Die Verwechslung kam erst ans Licht, nachdem die leiblichen Eltern des vertauschten Buben gestorben waren. Seine drei Brüder machten mit ihrem vermeintlichen ältesten Bruder, der ihnen gar nicht ähnlich sieht, einen DNA-Vergleich. Da dieser ergab, dass sie weder dieselbe Mutter noch denselben Vater hatten, forschten die Brüder in den Krankenhausakten nach und fanden vergangenes Jahr schließlich ihren leiblichen ältesten Bruder.

Dieser sagte nun, nachdem er von seinem Schicksal und dem Tod seiner echten Eltern erfahren hatte, habe er monatelang „täglich geweint“. Nun wolle er aber endlich die verlorene Zeit mit seinen leiblichen Brüdern nachholen.

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