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Antifaschist, Verleger und Diplomat

Ehemaliger Widerstandskämpfer, Verleger, Journalist und Diplomat: Der am Samstag verstorbene Fritz Molden war das, was man gerne eine „schillernde“ Persönlichkeit nennt. Was er in seinem langen Leben wagte, erreichte, wieder verlor und von neuem begann, reicht für mehrere Lebensläufe aus.

Am 8. April 1924 in großbürgerlichen Verhältnissen in Wien geboren, nahm Molden schon mit 14 Jahren an Aktionen gegen die Nationalsozialisten teil. Mehrere Male landete er im Gefängnis, er überlebte die Strafversetzung zu einem Himmelfahrtskommando an der russischen Ostfront, setzte sich zu Partisanen nach Italien ab und wurde nach seiner Flucht in die Schweiz Mittelsmann der Österreichischen Widerstandsbewegung O5 zu den Alliierten.

Die Einschrift "O5" auf dem Wiener Stephansdom

picturedesk.com/Roland Mühlanger

Das O5-Zeichen am Wiener Stephansdom erinnert an den Widerstand

Seine berufliche Karriere startete Molden 1945 als Pressechef des Außenministeriums unter Minister Karl Gruber. 1950 übernahm er die kaufmännische Leitung der Tageszeitung „Die Presse“, die er vier Jahre zuvor mit seinem Vater Ernst Molden - als Nachfolgerin der 1939 eingestellten „Neuen Freien Presse“ - auferstehen lassen hatte. Mit dem späteren ORF-Generalintendanten Gerd Bacher gründete er die Boulevardzeitung „Express“, 1960 kaufte er auch noch das „Wiener Wochenblatt“ („WiWo“). Die „Wochenpresse“ gehörte ebenfalls zur Verlagsgruppe.

Anfang der sechziger Jahre fungierte Molden zeitweise auch als Herausgeber und Chefredakteur der „Presse“. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere hielt er ein gutes Viertel des österreichischen Zeitungsmarktes. Der von ihm angestrebte Kauf der „Kronen Zeitung“ scheiterte aber an der Nichtgewährung des erforderlichen Kredits durch die CA, wie „Krone“-Chef Hans Dichand später in seinen Memoiren schrieb.

Pleite mit eigenem Verlag

International bekannt wurde der als risikofreudig geltende Molden 1964 mit der Gründung seines „Verlages Fritz Molden“, der wegen seiner aufwendigen Werbemethoden von sich reden machte. Der Verlag veröffentlichte die Werke namhafter Autoren mit den Schwerpunkten Sachbuch, Memoiren und moderne Belletristik. Obwohl Molden als Verlagschef zahlreiche Bestseller landen konnte, musste er nach dem Verkauf der meisten Buchrechte an Bertelsmann 1982 Konkurs anmelden und verlor sein gesamtes Vermögen.

Start in ein Diplomatenleben

Molden widmete sich danach wieder der eigenen Schriftstellerei und übernahm diplomatische Sonderaufgaben: So reiste er 1987 durch westeuropäische Länder, um Österreichs Position im Fall des wegen seiner Vergangenheit während des „Dritten Reichs“ isolierten Bundespräsidenten Kurt Waldheim darzustellen. 1988 engagierte sich Molden nochmals in Sachen Medien. Er unterstützte Oscar Bronner bei der Gründung der Tageszeitung „Der Standard“ und stand ihm bis 1995 als Berater zur Seite.

Eine wichtige Rolle nahm in Moldens Leben die Autonomiebestrebung Südtirols ein. Bis 1960 gehörte er dem „Politischen Komitee des Befreiungsausschusses Südtirol“ an, verhandelte mit US-Amerikanern, auch mit österreichischen Politikern, lehnte aber Gewalt ab, bei der Menschen zu Schaden kommen. Als genau das aber eintrat und der Kampf um Südtirol von rechtsradikal gesinnten Kräften um Norbert Burger übernommen wurde, zog sich Molden zurück. Als Präsident der Auslandsösterreicher machte sich Molden immer wieder für die Einführung der Briefwahl und leichter zu erlangender Doppelstaatsbürgerschaft stark.

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