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Punktuelle Eskalation in der Innenstadt

Rund 6.000 Menschen haben am Freitagabend in Wien gegen den von der FPÖ organisierten Akademikerball in der Hofburg demonstriert. Überschattet wurden die Proteste von Zusammenstößen zwischen gewaltbereiten Demonstranten und der Polizei vor allem rund um den Stephansplatz. Speziell an einem Einsatz der Sicherheitskräfte auf dem Schillerplatz wurde heftige Kritik laut.

Dort hatten am späten Abend Hunderte Polizisten vor der Akademie der Bildenden Künste Stellung bezogen und umfangreiche Personenkontrollen durchgeführt. Die Begründung lautete, es bestehe der Verdacht, dass sich Randalierer in dem Gebäude befinden. In der Akademie fand gerade ein Tag der offenen Tür statt. Festnahmen gab es am Ende keine.

Rektorat und Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) kritisierten die Aktion scharf. Die Akademie sei stundenlang „eingekesselt“ und „mehr als 100 Gäste“ seien „festgehalten“ worden, hieß es Samstagfrüh. Die Hochschülerschaft wollte außerdem nicht recht an einen Zufall glauben, da in der Akademie unter anderem auch eine Aktion zugunsten von Flüchtlingen stattfand. Auch von Verletzten war die Rede, Rektorin Eva Blimlinger sprach von einem „Skandal“.

Zerstörtes Polizeiauto

ORF.at/Roland Winkler

Schwer beschädigter Streifenwagen in der Innenstadt

„Unverhältnismäßig harter“ Einsatz?

Die Initiative „NoWKR“ (der Ball hieß ursprünglich Ball des Wiener Korporations-Rings, WKR, Anm.) sprach in einer Presseaussendung von „wild gewordenen Polizeieinheiten“ und insgesamt 8.000 Teilnehmern an mehreren Protestzügen. Das Bündnis „Offensive gegen Rechts“ kritisierte in einer Aussendung „massive Polizeigewalt“ gegen die Kundgebungen. Die Polizei habe „unverhältnismäßig hart“ durchgegriffen - mit Tränengas, Pfefferspray und Schlagstöcken.

Demonstranten werfen mit Gegenständen

ORF.at/Roland Winkler

Auf dem Stephansplatz kam es zu heftigen Zwischenfällen

Die Polizei verteidigte angesichts der Gewaltbereitschaft einiger Demonstranten den Einsatz und zog noch in der Nacht auf Samstag Bilanz. Die lautete: Insgesamt etwa 6.000 Demonstrationsteilnehmer, 2.000 Beamte im Einsatz, Proteste überwiegend „ohne besondere Zwischenfälle“, allerdings Randale in der City.

Vermummte Randalierer

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Geworfen wurde mit Steinen, Flaschen und Mistkübeln

Kaputte Scheiben und Attacke auf Polizeiposten

Dort sei es nach Ende der Kundgebungen zu „Attacken von gewaltbereiten Gruppen, die sich gegen die Polizei“ richteten, gekommen. Feuerwerkskörper, Mistkübel und Farbbeutel flogen in Richtung der Sicherheitskräfte, es sei „an verschiedenen Örtlichkeiten im Bereich der Inneren Stadt zu wahllosen Gewaltexzessen“ gekommen. Scheiben gingen zu Bruch, Autos wurden beschädigt, eine Polizeiinspektion attackiert.

Polizisten verhaften einen Demonstranten

ORF.at/Roland Winkler

Kundgebungsorganisatoren kritisierten Gewalt von Beamten

Der Sachschaden beträgt laut ersten Schätzungen über eine Million Euro. „Im Wesentlichen standen Objekte im Fokus der Randalierer, die in keinerlei Zusammenhang mit dem Akademikerball zu bringen sind.“ Es seien insgesamt 17 Demonstranten und fünf Beamte verletzt worden, es gab 15 Festnahmen.

„Kurze, sehr heftige Auseinandersetzungen“

Auf dem Stephansplatz wurden Schaufenster eingeschlagen, Böller, Flaschen und Mistkübel geworfen - mehr dazu in iptv.ORF.at. Ein Demonstrant versuchte in die dortige Bank-Austria-Filiale einzudringen, scheiterte aber am Panzerglas. Insgesamt wurden elf Streifenwagen zerstört, bei der Polizeiwache Am Hof seien alle Fensterscheiben eingeschlagen worden, so die Polizei.

Rund 50 Personen schafften es in die Sperrzone vor die Oper, diese Versammlung wurde von der Polizei ohne gewalttätige Zwischenfälle geräumt. Am Fleischmarkt wurden gegen die Fassade einer Drogeriekettenfiliale Farbbeutel geworfen. Polizeisprecher Roman Hahslinger sprach im „Wien heute“-Interview von „kurzfristigen, aber sehr heftigen Auseinandersetzungen“.

Vermummte

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Demonstranten des „Schwarzen Blocks“ zeigten sich gewaltbereit

Gegen 20.00 Uhr war der „Schwarze Block“ von der Exekutive in der Löwelstraße hinter dem Burgtheater eingekesselt worden. Darunter sind Demonstranten vor allem aus dem linken, autonomen und linksextremen Bereich zu verstehen, die mit einheitlicher, meist schwarzer und vermummender Kleidung eine Identifikation ihrer Person erschweren wollen. In Bussen waren auch Demonstranten aus Deutschland angereist. Auf Seite der Polizei waren Beamte aus allen Bundesländern für den Großeinsatz abgestellt.

Polizist verstaut Stein als Beweismittel

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Pflasterstein als Wurfgeschoß und Beweismittel

Eine Million Euro für Polizeieinsatz?

Wie der „Kurier“ berichtete, soll der Polizeieinsatz Insidern zufolge rund eine Million Euro gekostet haben. Die Kosten für die Sicherheitsvorkehrungen für den zweitägigen Besuch des früheren US-Präsidenten George W. Bush waren ähnlich hoch. Die Sperrzone um die Wiener Hofburg war diesmal allerdings weit größer als beim Besuch von Bush im Jahr 2006.

Vermummter schlägt mit einer Stange Windschutzscheibe eines Polizeiautos ein

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Am Hof wurde ein Streifenwagen der Polizei beschädigt

Es waren 1.500 Ballbesucher erwartet worden, tatsächlich dürften es aber deutlich weniger gewesen sein. Internationale Gäste blieben dem Ball diesmal fern. Kamen im vergangenen Jahr noch die französische Front-National-Politikerin Marine Le Pen, war heuer kein prominenter Besuch aus dem Ausland in der Hofburg vertreten, hieß es vonseiten des FPÖ-EU-Parlamentariers Andreas Mölzer.

Strache will Ball „mit Sicherheit nicht aufgeben“

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, der 2013 wegen eines Urlaubs verhindert gewesen war, nahm heuer an dem Ball teil. „Es war angenehm, herzukommen. Es hat keinerlei Störungen gegeben“, sagte Strache. Es sei allerdings bedenklich, dass Linke und Linksextreme gegen einen Wiener Traditionsball mobilisierten und Ballgäste Angst haben müssten, zu der Veranstaltung zu kommen. Den Ball werde man auch in Zukunft „mit Sicherheit nicht“ aufgeben. Es gehe um das Grundrecht auf Versammlungs- und Meinungsfreiheit. „Das werden wir uns nicht nehmen lassen.“

Scharfe Kritik an Stadtregierung

Am Samstag übte Strache in einer Aussendung scharfe Kritik an „linksfaschistischen Gewaltexzessen“ bei den Protesten. Angesichts derer stelle sich, so Strache, auch die Frage der politischen Verantwortung, und hier zeige sich „ein klares Bild, weil nämlich die rot-grüne Stadtregierung die Proteste bereits im Vorfeld unterstützt“ habe. „Personen, die gestern die Wiener Innenstadt zum Schlachtfeld gemacht haben“, würden „von der Stadt Wien auch noch mit Steuergeldern dafür belohnt“, so Strache weiter. Er forderte den Rücktritt der rot-grünen Stadtregierung - mehr dazu in oesterreich.ORF.at.

Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) bedankte sich am Samstag per Aussendung bei der Polizei. Sie verwies darauf, dass es nicht die Exekutive sei, die entscheide, „wo und wann welcher Ball stattfinden darf oder nicht“. Außerdem bedauerte die Innenministerin, „dass eine Gruppe gewaltbereiter Chaoten“ die Mehrheit der friedlichen Demonstranten diskreditiere.

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