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Spielfiguren retten die Welt

In den USA hat ein Film schon kurz nach Kinostart für eine Überraschung gesorgt: „The Lego Movie“ legte nicht nur an den Kinokassen einen Traumstart hin, sondern überzeugt neben dem jungen Zielpublikum vor allem Erwachsene. Auch die Kritiken sind großteils voll des Lobs und heben vor allem einen Aspekt hervor - die antikapitalistischen Töne, die der Film anschlägt und die man so ausgerechnet in einem Film, der von einem so großen Konzern unterstützt wird, nicht vermutet hätte.

„The Lego Movie“ erzählt die Geschichte von Emmet, einer ganz durchschnittlichen Lego-Figur, die davon überzeugt ist, ihr Glück hänge davon ab, dass sie Anweisungen befolgt. Egal welche Regeln vorgegeben werden - Emmet befolgt sie gern, egal was die anderen zu Mittag essen oder im Fernsehen anschauen, ihm ist alles recht. Er schaut sogar in einem Buch nach, um sich daran zu erinnern, dass er jeden Morgen duschen und seine Hose anziehen muss (in dieser Reihenfolge), bevor er wie die übrigen Bürger von Steinstadt ganz brav zum Arbeitsplatz pendelt und überteuerten Kaffee aus Pappbechern trinkt. „Alles ist super“, singt Emmet und meint das absolut ernst.

Weg mit „merkwürdigen“ Gebäuden

Auf der Baustelle reißt Emmet glücklich jedes Gebäude ab, das als „merkwürdig“ eingestuft wurde, und dann baut er neue, die genauso aussehen wie alle anderen, denn der herrschende Diktator Präsident Business hat es so angeordnet.

Doch das ihm vertraute Leben verändert sich radikal, als Emmet auf der Baustelle aus Versehen vom Weg abkommt und kopfüber in eine frisch ausgehobene Grube fällt, wo er die unerlaubt dort eingedrungene Wyldstyle trifft, die schönste und aufregendste Frau, die er je gesehen hat. Und damit ändert sich sein Leben ganz radikal - denn Wyldstyle ist die Freundin von Batman und kämpft gegen die Herrschaft von Präsident Business an, dessen teuflischer Plan vorsieht, alle Bürger von Steinstadt am Boden festzukleben.

Filmplakat zu "The Lego Movie"

Warner Bros. Pictures

In Österreich ist „The Lego Movie“ ab 11. April im Kino zu sehen

Brickfilme als YouTube-Trend

Per Stop-Motion-Technik aufgenommene Lego-Filme erfreuen sich im Internet seit jeher größter Beliebtheit, die Auswahl an Brickfilmen, wie dieses Genre genannt wird, ist auf YouTube schier grenzenlos. Für „The Lego Movie“ setzen die Macher zwar auf eine ähnliche Ästhetik, die 3-D-Bilder stammen jedoch komplett aus dem Computer.

Während Amateur-Brickfilm-Künstler die Limitierung von Figuren und Steinen quasi zum Stilmittel erhoben haben, schöpfen die Regisseure Phil Lord und Chris Miller aus dem Vollen. „Wir wollten einen Film machen, der den Eindruck vermittelt, dass jeder ihn im eigenen Keller drehen könnte - wenn er einen gigantischen Keller und ein paar Millionen Steine zur Verfügung hätte,“ so Lord.

Abstruse Handlung, witzige Dialoge

Der Film strotzt nur so von abstrusen Handlungssträngen und spielt abwechselnd im Wilden Westen, in der Stadt und unter Roboterpiraten, es taucht ein Einhorn-Kätzchen genauso auf wie Batman. Die Dialoge sind meist ziemlich schlicht, dafür aber umso witziger. Das allein macht aber noch nicht den Kritikererfolg aus. „Der Knackpunkt des Dramas ist nicht, ob die Welt gerettet oder zerstört wird,“ schreibt etwa die britische Zeitung „The Guardian“. „Es geht darum, ob ‚nur nirgends ankommen‘ über ‚du kannst immer alles ändern‘ triumphiert.“

Tatsächlich ist die Welt, die Emmet retten muss, ja alles andere als eine heile. Individualismus gilt als verpönt, die kreativen „Meisterbauer“ wie Wyldstyle und ihre Freunde genannt werden, gelten als Außenseiter, weil sie sich aufgezwungenem Konsum verweigern und stattdessen mit ihren Lego-Baufähigkeiten aus Müll die erstaunlichsten Dinge erschaffen. Auch darin liegt ein Teil des Charmes von „The Lego Movie“.

Die Gebilde, etwa ein U-Boot, das die Rebellen gemeinsam bauen, sind fantasievoll und keineswegs perfekte Lego-Nachbauten der Realität. Im Gegenteil: Wie beim wirklichen Kinderspiel werden Steine aufeinander gesteckt, wie man sie gerade zur Hand hat, und das Resultat ist kunterbunt und unförmig - aber es erfüllt die Macher mit Stolz.

TV-Sender empört über Botschaft des Films

Nicht jedem gefällt diese antikapitalistische Note. „The Lego Movie“ sei „das letzte Beispiel von Hollywoods Anti-Business-Programm“, empört sich der US-amerikanische TV-Sender Fox Business. Der Film vermittle Kindern, dass riesige Konzerne schlecht seien, und außerdem habe der Bösewicht eine starke Ähnlichkeit mit Barack Obamas republikanischen Gegenkandidaten bei der Wahl 2008, Mitt Romney.

Das Lustige an dieser Aufregung ist wohl, dass es kaum einen Film gibt, bei dem ein Konzern derart eng mit dem Filmstudio zusammenarbeitete und sich vermutlich schon jetzt über das damit einhergehende Merchandising-Geschäft die Hände reiben kann. Schließlich ist „The Lego Movie“ trotz allem eine Art Flagshipstore in Filmform - und alles, was man sehen kann, wird auch zu kaufen sein.

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