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SVA und WKÖ verweisen auf Fortschritte

Geht es nach der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA) und der Wirtschaftskammer (WKÖ), hat sich für Österreichs Selbstständige in den vergangenen Jahren viel zum Positiven gewendet. Für die „neuen Selbstständigen“ ist aber noch lange nicht alles eitel Wonne.

Denn während SVA-Vize Peter McDonald die Errungenschaften der letzten Jahre, etwa das Krankengeld für Selbstständige, hervorhebt, sehen sich viele „neue Selbstständige“ durch hohe Beiträge an den Rand der Armut getrieben.

Einer im Auftrag der Wirtschaftskammer und der SVA von der Uni Bremen erstellten Studie zufolge sind Selbstständige zwar nirgends in Europa so gut abgesichert wie in Österreich. Die „neuen Selbstständigen“ seien allerdings nicht erfasst worden, erklärte Studienautor Stefan Traub bei einer Pressekonferenz im Februar.

Weniger als 11.000 Euro netto pro Jahr

Und genau diese Personengruppe, deren Angehörige sich häufig als Einzelkämpfer sehen, ortet noch reichlich Verbesserungspotenzial. Bei einem Jahresverdienst von 12.000 Euro seien ganze 3.138 Euro an die SVA zu entrichten, rechnet die Facebook-Initiative „Amici delle SVA“ vor. Die Initiative hat mittlerweile knapp 7.400 Mitglieder und sieht sich als Sprachrohr für Einpersonenunternehmen (EPU) bzw. Selbstständige mit geringem Einkommen.

Die SVA-Errungenschaften sehen sie kritisch: Eine lange Krankheit treibe Selbstständige ohne finanziellen Polster in den Ruin, da der Satz von 28,40 Euro pro Tag erst ab dem 43. Tag und höchstens 20 Wochen lang ausgezahlt werde. Bei der freiwilligen Arbeitslosenversicherung - sie koste monatlich zwischen 80 und 238 Euro - könne nicht mehr wechseln, wer sich einmal für eine Beitragsstufe entschieden hat - auch wenn sich die Einkommenssituation geändert habe.

Laut „Amici della SVA“ verdienen 150.000 Einpersonenunternehmer weniger als 11.000 Euro netto im Jahr. 84.000 seien bei der SVA nur gemäß Mindestbeitragsgrundlage versichert, verdienten also weniger als 8.256 Euro jährlich.

„EPU ist nicht EPU“

McDonald warnt davor, „mit Zahlen zu jonglieren“. EPU sei nicht EPU, man müsse den Einzelfall betrachten. Zum Beispiel habe die Hälfte der Einpersonenunternehmer nebenbei einen Angestelltenjob. Laut Martin Gleitsmann von der WKÖ erwirtschaften fast 80 Prozent jener Unternehmen, die eine Ein- und Ausgabenrechnung machen, einen Umsatz von mehr als 50.000 Euro, bei den bilanzierenden Firmen seien es 92 Prozent.

Zahlen zu „neuen Selbstständigen“ zu bekommen ist tatsächlich schwierig: Die SVA zählt insgesamt 751.000 Krankenversicherte, davon 370.000 aktive Unternehmer, 140.000 Pensionisten und 233.000 mitversicherte Angehörige, wie es auf APA-Anfrage hieß. 42.000 Versicherungsnehmer haben keinen Gewerbeschein, sind also potenziell Kreative, Medienunternehmer usw.

Auch aus der Wirtschaftskammer-Mitgliederstatistik lässt sich der Anteil der „neuen Selbstständigen“ nicht so einfach herauslesen. Von 557.300 aktiven Kammermitgliedern im Jahr 2013 entfiel das Gros auf die Sparten Gewerbe und Handwerk (214.660) sowie Handel (143.590). Der Sparte Information und Consulting wurden 91.696 Mitglieder zugerechnet, dem Tourismus 67.777.

„Selbstständige sind glücklicher“

Grundsätzlich habe man für Österreichs Selbstständige in den vergangenen zehn Jahren jedenfalls diverse Erleichterungen durchgesetzt, so McDonald und Gleitsmann. Als Beispiele wurden das Krankengeld für Selbstständige ab der siebenten Woche („vor zehn Jahren undenkbar“), die Verdoppelung des Wochengelds und die Reduktion der Beiträge um 30 Prozent von 2002 bis 2013 genannt.

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