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Sanktionen aus Westen wahrscheinlich

Dass der Westen mit noch schärferen Sanktionen auf eine Abspaltung der Krim reagieren wird, ist wahrscheinlich - insbesondere auch nach dem ergebnislosen Gespräch zwischen US-Außenminister John Kerry und seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow.

Erwartet wird, dass die USA und die EU spätestens am Montag eine Namensliste mit Personen aus Militär und Politik vorlegen, die von Visabeschränkungen und Kontensperren betroffen sein könnten. Offiziell gibt sich Russland gelassen. Sanktionen gegen sein Land würden wahrscheinlich keine großen Auswirkungen haben, betonte der russische Wirtschaftsminister, Alexej Uljukajew, am Samstag.

Immer wieder wird vor allem in staatlich beeinflussten Medien das Argument ins Treffen geführt, dass Sanktionen den westlichen Handelspartnern mehr schaden würden als Russland selbst. Vergangene Woche drohte Moskau dem Westen selbst Sanktionen an. Auch die Abhängigkeit der EU vom russischen Gas brachte Moskau immer wieder ins Spiel.

Investoren nervös

Doch russische Investoren zeigen sich besorgt über die möglichen Konsequenzen von Sanktionen. Unternehmen aus Russland würden bereits Milliarden von Konten aus dem Westen abziehen, berichtet die „Financial Times“ („FT“, Samstag-Ausgabe) unter Berufung auf Bankenkreise in Moskau. Viele würden sich so verhalten, als ob Sanktionen bereits in Kraft seien. „Man braucht keine tatsächlichen Sanktionen, um für wirtschaftlichen Aufruhr zu sorgen. Schon die Erwartung ist ausreichend“, analysiert Christopher Granville von Trusted Sources, einem Beratungsunternehmen mit dem Fokus auf Schwellenländer, im „FT“-Interview.

Dem Bericht zufolge ziehen offenbar auch teils staatliche Konzerne wie die Großbanken VTB und Sberbank sowie der Energiekonzern Lukoil Geld von in den USA beteiligten Banken ab. Spekuliert wurde auf Basis von Daten der FED, dass auch die russische Notenbank selbst Maßnahmen setze, um im Fall von Sanktionen weniger verwundbar zu sein. So hielt Russland, darunter auch die Notenbank, laut US-Finanzministerium Ende 2013 noch US-Anleihen in Höhe von 140 Milliarden Dollar (rund 100 Mrd. Euro). Bis Mitte vergangener Woche reduzierte sich das Engagement in US-Staatsanleihen um 105 Mrd. Dollar.

Wie die Zeitung „Wedomosti“ berichtet, stellt sich die Regierung bereits darauf ein, Banken und Unternehmen im Fall von Sanktionen finanziell unterstützen zu müssen. Zudem solle die Kooperation mit China und Südostasien ausgeweitet werden, zitiert die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ („FAZ“, Samstag-Ausgabe).

Talfahrt an Börsen

Auch auf den Finanzmärkten macht sich die Krim-Krise bemerkbar. Der Rubel verlor stark an Wert. Nicht zuletzt deshalb verloren die zehn reichsten Russen allein in der vergangenen Woche netto 6,6 Milliarden Dollar Vermögen, zitiert die „FT“ den Datenanbieter Wealth-X. Die Indizes an der russischen Börse fielen auf den niedrigsten Stand seit fünf Jahren. In der vergangenen Woche büßte der deutsche Aktienindex DAX rund drei Prozent ein. An den US-Börsen gab es die stärksten Kursrückgänge seit sieben Wochen.

Krim-Übernahme könnte Moskau teuer kommen

Die Krim steht wirtschaftlich am Abgrund, umso teurer könnte es Russland kommen, wenn die Halbinsel annektiert würde, so kritische Stimmen in Russland. Fehlende Ressourcen könnte Moskau nicht sofort abdecken, fehlen doch zur Krim Infrastrukturverbindungen. Schätzungen zufolge könnte die Eingliederung der Krim fünf Milliarden Dollar pro Jahr kosten, berichtete die „FAZ“.

Zehntausende Kritiker der russischen Krim-Politik gingen am Samstag in Moskau auf die Straße. Rund 50.000 Demonstranten folgten nach Schätzungen von AFP-Reportern dem Aufruf einer Oppositionsgruppe zu der Kundgebung und trugen Spruchbänder mit Parolen wie „Lasst die Ukraine in Ruhe“ und „Nein zum Krieg“. Zeitgleich demonstrierten mehrere tausend Menschen in der Nähe des Kreml und bekundeten ihre Unterstützung für die Politik von Staatschef Wladimir Putin. Zu der Gegenkundgebung hatten nationalistische Gruppierungen aufgerufen.

Kritische Websites gesperrt

Gegner der offiziellen Linie des Kreml wurden in den vergangenen Tagen stark unter Druck gesetzt. So wurden etwa mehrere regierungskritische Websites wie die beliebten Portale Kasparov.ru und Ej.ru gesperrt. Dort kommt im Gegensatz zu den Staatsmedien auch die Opposition zu Wort. Das nach dem Schachweltmeister und Politiker Garri Kasparow benannte Portal Kasparov.ru berichtet oft von Oppositionskundgebungen. Da es auf Servern in den USA (Pair.com) liegt, kann die russische Regierung das Angebot nicht schließen, sondern nur die Zugriffe über Internetprovider in Russland unterbinden.

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