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„Möglich, dass Flugzeug auf dem Boden war“

Das Rätsel um das Verschwinden von Flug MH370 von Kuala Lumpur nach Peking am Samstag letzter Woche nimmt immer haarsträubendere Ausmaße an. Nachdem die malaysischen Behörden zuletzt zögerlich einräumten, dass man ein Flugzeugunglück aufgrund technischer Ursachen ausschließen könne, heißt es nun, dass es sogar Indizien für eine Landung des Jets gibt.

Ohne ins Detail zu gehen, erklärte der Chef der malaysischen Behörde für Zivilluftfahrt, Azharuddin Abdul Rahman, am Sonntag gegenüber der Presse, es sei „möglich, dass das Flugzeug auf dem Boden war, als es einige Satellitensignale sendete“. Am Vortag gab die malaysische Regierung bekannt, dass die Kommunikationssysteme an Bord des Flugzeugs offenbar nacheinander und manuell abgeschaltet wurden, bevor es von den Radarschirmen verschwand. Es gibt jedoch einige wenige Signale, die automatisch weitergesendet wurden.

Signale von auslaufenden Turbinen?

Offenbar gibt es bei Triebwerkshersteller Rolls Royce Aufzeichnungen über die Leistung der Turbinen, die im Zuge von Wartungszwecken routinemäßig per Satellit gesendet werden. Diese Daten würden eine ordnungsgemäße Landung wohl abbilden - auch wenn durch das Unterfliegen des Radars niemand weiß, wo. Für den malaysischen Premier Nadschib Razak steht inzwischen jedenfalls fest, dass das Flugzeug mit 239 Menschen an Bord „gezielt“ auf einen neuen Kurs gelenkt wurde, den es bis zu sieben Stunden lang geflogen war.

Polizeiauto verlässt das Grundstück von Pilot Zaharie Ahmad Shah

AP

Polizeiermittlungen im Haus des Piloten am Samstag

Malaysias Polizei ermittelt bei dem verschwundenen Flugzeug nun offiziell wegen Entführung, Sabotage und Terrorismus. Das sagte Polizeichef Khalid Abu Bakar am Sonntag in Kuala Lumpur vor der Presse. Im Zuge der Ermittlungen bat Malaysia laut eigenen Angaben die USA, China, Frankreich und nicht näher genannte weitere Staaten um die Weiterleitung von Daten aus der geheimdienstlichen Satellitenüberwachung.

Privater Flugsimulator wird untersucht

Die Untersuchungen konzentrieren sich inzwischen auf die Durchleuchtung des Hintergrunds aller Personen an Bord - was angesichts der Tatsache, dass erwiesenermaßen mehrere Menschen mit gefälschten Pässen an Bord waren, schwierig werden könnte. Zumindest nach Kenntnisstand vom Wochenende waren außer den Piloten keine anderen Menschen an Bord, die eine 777 fliegen könnten. Das Augenmerk der Ermittler richtet sich dabei auch auf einen Flugsimulator, den sich der Pilot daheim selbst eingerichtet hatte.

Flugkapitän Zaharie Ahmad Shah vor seinem Flugsimulator

Screenshot: Facebook.com/ZahariePilot

Pilot Zaharie Ahmed Schah vor seinem selbst gebauten Flugsimulator

Der Eigenbausimulator mit seinen drei großen Bildschirmen wurde am Samstag aus dem Haus des Piloten abtransportiert. „Wir haben das Gerät in unseren Büros wieder aufgebaut und Experten untersuchen es jetzt“, sagte der Polizeichef. Warum die Durchsuchung erst eine Woche nach dem Verschwinden des Flugzeuges stattfand, wollte der Polizeichef nicht erklären. Die Ermittler wollen offenbar nicht ausschließen, dass der Pilot auf dem Simulator Manöver trainierte, die er mit gutem Grund auf den offiziellen Simulatoren nicht übte.

Staaten zögern mit Preisgabe von Daten

Es ist ein dünner Strohhalm, an den sich die malaysischen Ermittler klammern. Der 52-jährige Zaharie Ahmed Schah war bisher vor allem durch sein Faible für Heimwerken und unzählige Familienvideos, die er im Netz postete, aufgefallen. Außerdem schildern ihn Bekannte schlicht und einfach als begeisterten Piloten, der auch nach 33 Dienstjahren noch von seinem Beruf begeistert war und seinen Eigenbausimulator voll Stolz allen Bekannten vorgeführt haben soll. Pilot und Kopilot hatten zudem nicht darum gebeten, für Flug MH370 eingeteilt zu werden.

Zumindest scheut sich Malaysia inzwischen nicht mehr, bei der Suche nach dem Flugzeug offiziell um Hilfe zu bitten. Entsprechende Gesuche wurden am Wochenende gestellt. Mittlerweile seien 25 Länder an der Suche beteiligt, sagte Malaysias Verkehrsminister Hishamuddin Hussein. Einige Staaten wollen laut Experten aber die Preisgabe der heiklen Militärdaten vermeiden. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Spionagetätigkeit in dem geopolitisch brisanten Raum dicht ist - wie dicht, würden alle Beteiligten wohl gern weiter geheim halten.

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