Erstwähler nutzen Wahlrecht seltener als angenommen

Österreichs Erstwähler nutzen ihr Wahlrecht deutlich seltener als angenommen. Das geht aus einer Studie hervor, die gestern Abend im Parlament präsentiert wurde. Die berichtete Wahlbeteiligung der befragten 16- und 17-Jährigen lag bei 63 Prozent und somit knapp über der Wahlbeteiligung älterer Erstwähler (59 Prozent), aber deutlich niedriger als die durchschnittliche Wahlbeteiligung aller Befragten (80 Prozent).

„Nimmt man Interesse, Wissen und Wahlteilnahme als Indikatoren dafür, ob die Wahlalterssenkung ein Erfolg war, muss gesagt werden, dass die zweite Nationalratswahl nach der Wahlaltersenkung auf 16 Jahre nicht mehr nur euphorische Ergebnisse liefert“, heißt es in der Studie. Die Ursache dafür könne auch darin liegen, dass bei der ersten Nationalratswahl nach der Senkung des Wahlalters im Jahr 2008 den jüngsten Wählern deutlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt wurde.

Burschen halten sich für informierter

Insgesamt gaben Erstwähler vor dem Wahlkampf ein geringeres Interesse an Politik an als ältere Personen. Gleichzeitig haben Erstwähler weniger das Gefühl, dass sich Politiker nicht um ihre Anliegen kümmern würden. Während des Wahlkampfs stieg das politische Interesse. Unter den 16- bis 17-jährigen ging der Anteil der desinteressierten Personen von 35 Prozent auf neun Prozent stark zurück.

Aus der Studie geht auch hervor, dass junge Männer ihr Wissen über Politik als besser einschätzen als junge Frauen, obwohl bei den abgefragten Wissensfragen keine Unterschiede bestanden. Drei Viertel der Erstwählerinnen, aber nur etwa die Hälfte der Erstwähler waren der Meinung, nicht gut über Politik Bescheid zu wissen. Junge Frauen gaben außerdem häufiger an, nicht politisch interessiert zu sein, als junge Männer.

Familie und Schule entscheidende Faktoren

Während jeder dritte Wähler über 30 vor Beginn des Wahlkampfs der Meinung war, sich gut mit Politik auszukennen, sagte das unter den Erstwählern nicht einmal jeder siebente Wähler über sich. Wenige Unterschiede bestehen zwischen 16- und 17-Jährigen im Vergleich zu 18- und 20-Jährigen. Die jüngsten Wähler stünden also nicht schlechter da, was Interesse, Wissen und Wahlteilnahme betrifft, als ältere Erstwähler, heißt es in der Studie.

Einfluss auf das Wahlverhalten haben bei den Erstwählern vor allem die Familie und die Schule. Je mehr Aktivitäten in der Schule durchgeführt wurden, desto höher war das Interesse der jungen Menschen. Politische Diskussionen mit Freunden haben bei den jüngsten Wahlberechtigten dagegen keinen besonders hohen Stellenwert: 41 Prozent der 16- und 17-Jährigen und rund 32 Prozent der 18 bis unter 21-Jährigen gaben an, niemals mit ihren Freunden über Politik zu diskutieren.