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Alles wegen „Hypo-Leiche“?

Die Lehrervertreter können den Sparplänen für Schulen von Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) ganz und gar nichts abgewinnen. Für die Lehrergewerkschaft sind die Kürzungen im Bildungsbereich „eine Bankrotterklärung der österreichischen Bildungspolitik“.

Während Milliarden in „die Hypo-Leiche“ gesteckt würden, spare man im schon jetzt unterdotierten Bildungsbereich, kritisierte der ÖVP-dominierte Dachverband der ARGE Lehrer in der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD) am Freitag in einer Aussendung. An konkreten Maßnahmen in dem Sparpaket mit 57 Millionen Euro für 2014 und 60 Mio. Euro 2015 bestätigte Heinisch-Hosek am Freitag neben Einsparungen in der Verwaltung, dass die Schülerzahlen ab der neunten Schulstufe pro Klasse erhöht werden und es weniger Teamteaching, also zwei Lehrer in einem Fach, geben wird.

SPÖ-nahe Lehrer gegen Neue Mittelschule light

Jürgen Rainer (FCG), Vertreter der Lehrer an berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS), sprach angesichts eines jetzt schon herrschenden Mangels an Unterstützungspersonal von einer „bildungspolitischen Katastrophe“. Auch für Landwirtschaftslehrer-Vertreter Dominikus Plaschg (FCG) sind in seinem Bereich wegen chronischer Unterfinanzierung keine weiteren Einsparungen möglich. Judith Roth (FCG) von den Berufsschullehrern warnt davor, dass durch Kürzungen in ihrer Schulform, an der Schüler parallel zur Lehre ausgebildet werden, künftiger Wohlstand verspielt werde.

Auch die SPÖ-nahen Lehrervertreter lehnen Einsparungen im Bildungsbereich ab. Man könne neue Bildungsprojekte nur umsetzen, wenn die Standards finanziell gesichert seien, so FSG-Pflichtschullehrervertreter Thomas Bulant. Er forderte vor allem, dass auch weiterhin in den Neuen Mittelschulen (NMS) in allen Deutsch-, Mathematik- und Englischstunden zwei Lehrer gemeinsam in der Klasse stehen: „Eine Neue Mittelschule light als Mogelpackung lehnen wir ab.“

Expertin: Sparen erst nach Schulpflicht

Wenn man schon bei der Bildung spart, dann müsse man genau hinschauen, wo man das tut, sagte die Bildungsexpertin Christa Koenne im Ö1-Mittagsjournal, jedenfalls nicht in der Zeit der Schulpflicht, sondern wenn schon, dann danach. Die beste Schülerhöchstzahl hänge jedoch von der Methode ab, mit der unterrichtet wird - mehr dazu in oe1.ORF.at.

Schülerunion: Sparstift bei Verwaltung ansetzen

Die ÖVP-nahe Schülerunion forderte das „Ansetzen des Sparstiftes bei der Schulverwaltung“. „Durch mehr Schulautonomie sowie eine schlankere Schulverwaltung auf Landes- und Bundesebene mit unzähligen Nebenstellen können Millionen Euro gespart werden“, so der Bundesobmann der Schülerunion, Thomas Gaar, in einer Aussendung. „Wir fordern einen Stopp aller Sparmaßnahmen, die direkt den Unterricht treffen.“

Ähnlich die Junge Industrie: „Wenn der Hauptanteil der Sparmaßnahmen im Bildungsbereich tatsächlich die Verwaltung betreffen“ werde, dann „wäre das prinzipiell zu begrüßen“, so die Vorsitzende Therese Niss. Gerade in der Verwaltung sei sogar noch mehr möglich. Nicht einverstanden ist sie dagegen mit den geplanten größeren Gruppen in Hauptfächern.

GÖD: „Billig und abgedroschen“

Gänzlich anders sieht das der Vorsitzende der GÖD-Bundesvertretung Unterrichtsverwaltung, Johann Pauxberger (FCG). Heinisch-Hosek wisse, dass viele Schulen im Sekretariatsbereich unterbesetzt seien. „Ebenso weiß sie, dass auch in den Landesschulräten und im BMBF aufgrund der massiven Einsparungen das Ende der Fahnenstange erreicht ist“, so Pauxberger. „Der Sager: ‚Wir sparen bei der Verwaltung!‘ ist billig und abgedroschen. Er verunsichert und frustriert die gepeinigten Kolleginnen und Kollegen der Schulverwaltung.“ Die Laizisteninitiative Religion ist Privatsache spricht sich hingegen für Kürzungen beim Religionsunterricht aus. Dazu sollte die Republik unverzüglich Verhandlungen mit dem Heiligen Stuhl aufnehmen.

AKS kritisiert ÖVP und Finanzministerium

Die roten Schülervertreter sind mit den geplanten Kürzungen nicht einverstanden, machen dafür aber die „Kurzsichtigkeit der Volkspartei und des schwarzen Finanzministers“ (Michael Spindelegger, Anm.) verantwortlich. Indirekt gibt es auch Kritik an der eigenen Partei: „Dennoch muss allen Parteien in der Regierung klar sein, dass die Verringerung der Klassengröße ein Erfolg war, der nun auf Kosten der neoliberalen Krisenbewältigung verworfen wird“, so die Vorsitzende der Aktion Kritischer SchülerInnen (AKS), Claudia Satler.

Die Unabhängigen Lehrergewerkschaftern (ÖLI-UG) wiederum fordern in einer Aussendung Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und Finanzminister Spindelegger dazu auf, bis zur Budgetrede am 29. April einnahmenseitige Steuermaßnahmen auszuarbeiten und damit die Einsparungspläne der Ministerien obsolet zu machen. Von den ÖVP-dominierten Lehrergewerkschaften und der GÖD erwarten die ÖLI-UG indes mehr Aktivität: Sie sollen mit Lehrern bzw. ÖGB und Arbeiterkammer (AK) als Vertretung der Eltern „gewerkschaftliche Maßnahmen zur Ausweitung des Bildungsbudgets setzen - für Bankenabgaben, Vermögenssteuern und soziale Umverteilung durch eine soziale Budgetpolitik“.

Auch Opposition gar nicht zufrieden

Team-Stronach-Bildungssprecher Robert Lugar hält angesichts der Sparpläne die „sozialistische Bildungspolitik für gescheitert“. Die Ministerin habe „ganz offensichtlich kein Verständnis von volkswirtschaftlichen Zusammenhängen“ - in die Bildung müsse mehr statt weniger Geld investiert werden. Das BZÖ ortete einen „beinharten Schlag in die Magengrube der jungen Generation“, die Wiener FPÖ aufgrund der größeren Klassen den „nächsten Anschlag von Rot-Schwarz auf unser Bildungswesen“. Die Bundesjugendvertretung fürchtet aufgrund der Sparpläne einen Anstieg der Arbeitslosigkeit.

Die Grünen sehen die Schüler „für die Hypo-Alpe-Adria-Pleite bluten“. „Größere Klassen, weniger Unterstützungsmaßnahmen, weniger Gruppenteilungen, weniger Förderungen bedeuten weniger Chancen und mehr Stress für alle Beteiligten“, so der grüne Bildungssprecher Harald Walser in einer Aussendung.

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